2016 ist ein gutes Jahr zum Sterben!

Familie & Freizeit von Fabian am 27.04.2016

AN! einer Grippe stirbt man doch nicht gleich…!? Na ja, so langsam kommen weitere Umstände des plötzlichen Todes von Prince aka The Symbol ans Tageslicht. Medikamente, vor allem der exzessive Gebrauch von Uppers und Downers, zu viel Arbeit, Stress, klingt nach typischer Künstlerkrankheit inklusive Exodus. Viel zu jung natürlich; 57 Jahre ist kein Alter. Prince reiht sich damit ein in die jetzt schon erschreckend lange Liste verstorbener Persönlichkeiten in dem noch jungen Jahr. Im März starb der deutsche Sänger Roger Cicero. Schlaganfall mit gerade einmal 45 Jahren, was soll denn sowas? 2016 ist erst zu knapp einem Drittel rum und doch packt einen das Gefühl, dieses Jahr wird nur schwer zu überleben sein. Um einen herum sterben sie wie die Fliegen, so zumindest die subjektive Wahrnehmung! Dass alte Menschen sterben, okay, das ist traurig, aber damit kommt man irgendwie klar, aber bei Jüngeren, die aufgrund von Krankheiten oder Unfällen aus dem Leben scheiden, wird es einem doch etwas flau in der Magengegend. Eigentlich hatte sich ja schon Ende 2015 angekündigt, dass wir düsteren Zeiten entgegengehen. Lemmy von Motörhead und Helmut Schmidt sind gestorben. Wenn jemand als unsterblich galt, dann diese beiden Rocker. Klar, die beiden waren schon älter und ihr Lebenswandel durchaus fragwürdig, so dass man jetzt nicht völlig aus allen Wolken fiel. Anfang Januar erwischte es dann aber Achim Mentzel, den Heino des Ostens. Herzinfarkt mit 69 Jahren muss wirklich nicht sein, wobei vier Ehefrauen und acht Kinder wahrscheinlich entsprechende Spuren hinterlassen haben, und Achim Mentzel zählt damit eher auch zu den natürlichen Todesfällen.

Lenscap Photography
Quelle: Lenscap Photography

Die größten Geiseln der Menschheit sind überraschenderweise weder AIDS noch Markus Lanz, sondern Krebserkrankungen. Krebs ist wirklich ein Arschloch, denn er ist heimtückisch. Bei AIDS weiß man vorher, worauf man sich einlässt – russisch Roulette, kalkulierbarer Spaß, jedenfalls ist jeder seines Glückes Schmied – und bei Markus Lanz kann man weiterzappen, bevor es lebensbedrohlich wird. Krebs ist der Guerillakrieger unter den Krankheiten. Er begegnet einem nicht im offenen Feld, sondern kämpft dreckig, und schlägt zu, wenn man es am wenigsten erwartet. Und vor allem Unschuldige fallen ihm zum Opfer. Roger Willemsen, der letzte Intellektuelle Deutschlands, – lebt eigentlich Hans Magnus Enzensberger noch?! – jedenfalls der letzte seiner Art, der noch von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, durfte gerade einmal 60 Jahre alt werden, bevor ihn der Krebs dahinraffte. Als Publizist hat Willemsen unzählige Bücher geschrieben und war ein gern gesehener Gast in Talkrunden. Mit seiner erfrischend monotonen Stimme konnte er wie kein anderer von Reisen in fremde Länder berichten, über den Untergang der deutschen Sprache fachsimpeln, und qualifizierte Urteile über Heidi Klum fällen. Wenn Roger Willemsen sprach, hatte man das Gefühl wieder sechs Jahre alt zu sein, und gleich der Stimme von Hans Paetsch, dem bekanntesten Sprecher unzähliger Kinderkassetten, trug er einen in das Reich der Träume. Aus und vorbei.

Guido Westerwelle war ebenfalls ein Garant dafür, angenehm in den Schlaf geredet zu werden. Unser ehemaliger Außenminister hörte sich selbst am liebsten reden, was man ihm einfach auch anmerkte. Doch konnte er mit seinen Monologen und vorbereiteten Sprüchen nun wirklich niemanden vom Hocker reißen. Inhaltlich war Westerwelle wie die FDP insgesamt ziemlich lame. Irgendwie amüsant, aber ernstgenommen hat man doch beide nicht. Das Guidomobil war schon ziemlich peinlich, aber richtig übel war die „18 %-Kampagne“. Guido trug die 18 sogar unter seinen Schuhen und die Zahlen am Wahlabend erreichten dann auch ungefähr die Höhe seiner Schuhsohlen – nicht einmal acht Prozent und die FDP blamierte sich bis auf die Knochen. Der einzige der wenig später wirklich hoch hinaus kam war Jürgen Möllemann. Wie dem auch sei, den Krebstod mit 54 Jahren hat ein Guido Westerwelle nicht verdient. Provokant, schwul und gelb wie er war, tat er unserer Republik gut und hat Farbe in den grauen Parlamentsalltag gebracht.

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Quelle: 360b

Vom bunten Vogel Westerwelle zu David Bowie ist der Sprung nicht groß. Das Chamäleon der Popmusik starb Anfang 2016 ebenfalls an Krebs und hat die Musikszene weltweit in Bestürzung versetzt. Sein Ableben wird die berühmte Lücke hinterlassen. Der Tod von Idolen ist nur schwer zu verkraften. Schlimmer wird es nur, wenn die Helden aus Kinder- und Jugendtagen sich plötzlich materialisieren, also Personen, die immer da waren und von denen man dachte, sie würden ewig leben. Was für die Elterngeneration Elvis war, wäre heute in etwa vergleichbar mit dem Tod von Franz Beckenbauer. Unvorstellbar – was wäre Deutschland ohne seinen Kaiser?! Sicherlich gäbe es einen Staatsakt inklusive Ehrensalut, mit anschließender Staatstrauer und schulfrei für die Kinder. Aber wir wollen nichts beschreien, weg von den lebenden Toten, hin zu den tatsächlich Verstorbenen. Im Februar 2016 verstarb Peter Lustig, der liebenswerte Welterklärer, ohne den die eigene Kindheit nicht vorstellbar gewesen wäre. Was hat sich das Universum dabei bitte gedacht? Hasst Gott, oder wer auch immer für den Part mit dem Sterben verantwortlich ist, Kinder so sehr, dass er ihnen Löwenzahn wegnimmt? Peter Lustig wurde nur wenig älter als Lemmy und war dabei fast 20 Jahre jünger als Helmut Schmidt. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Der Latzhosenträger aus dem Bauwagen war doch schon bio, als es den Begriff noch gar nicht gab. Im Gegensatz zu den beiden Kettenrauchern lebte er fast schon asketisch gelebt, und wenn er mal über die Stränge schlug, dann hat er sicherlich nur das gute Selbstangebaute konsumiert. Der Tod lässt sich halt nicht logisch einordnen und die Frage nach dem wann und wo schon gar nicht beantworten. Deshalb lautet die Moral von der Geschichte: Nutze jeden Moment, es könnte jederzeit vorbei sein.