6. Juni 1944 – D-Day und andere Köstlichkeiten

Familie & Freizeit von Fabian am 06.06.2016

AN! diesem Tag wurde zweifelsfrei Weltgeschichte geschrieben. Als am 6. Juni 1944 die alliierten Streitkräfte unter Führung der Amerikaner an der französischen Küste in der Normandie landeten, war das der Anfang vom Ende des Zweiten Weltkrieges. Es sollte allerdings noch elf Monate dauern, bis das Abschlachten letztlich beendet war. Tatsächlich kamen in diesem verbleibenden Zeitraum mehr Soldaten ums Leben als insgesamt in den fünf Jahren zuvor. Ganz zu schweigen von den Verbrechen an den Juden und dem Leid der Zivilbevölkerung. Man kann sich das heute kaum mehr vorstellen; halb Europa war ein Trümmerhaufen. Ein Österreicher mit dem bescheuertsten Bart der Weltgeschichte hatte in nur fünf Jahren den halben Erdball in Brand gesetzt, und nun sollte ihm endlich das Handwerk gelegt werden. Für viele ist dieser 6. Juni 1944 deshalb die faktische Geburtsstunde internationaler Zusammenarbeit. Die Weltgemeinschaft hatte sich über alle ideologischen und gesellschaftlichen Hindernisse hinweg gemeinsam darangemacht, den Tyrannen zu stürzen. Selbst die Amerikaner und die Sowjets, die nun so wirklich gar nichts miteinander verband, außer der Wille Krieg und Schrecken endlich zu beenden, rauften sich zusammen.

Toll, ein Beispiel internationaler Solidarität, das seinesgleichen sucht, und wir Deutschen müssen wirklich dankbar sein. Zu Recht gilt daher das Argument, dass wir nicht so hart mit den Amerikanern vor Gericht ziehen dürfen, nur, weil sie heutzutage gerne Weltpolizist spielen, Merkels Handy abhören oder mal eben den Irak überfallen, schließlich haben sie uns von Hitler befreit. Und nicht nur das. Die USA sind die Erfinder der Demokratie – der Streit mit den Franzosen, wer es denn noch wirklich war, hält allerdings nach wie vor an – und sie haben uns zu besseren Menschen gemacht. Sie haben uns gezeigt, was demokratische Strukturen und moralische Werte sind, und sie sorgten sogar dafür, dass wir versündigten Deutschen wieder Teil der Weltgemeinschaft sein durften. Supertoll, denn alleine wären wir dazu gar nicht in der Lage gewesen. Wer zwei Weltkriege anzettelt, ein ganzes Volk ausrottet, und dann erklärt, die anderen hätten angefangen, dem glaubt man halt auch nicht mehr so.

D-Day_Coca Cola
Quelle: Massimo Vernicesole

D-Day also – der Anfang von etwas Besserem. Deshalb wird der 6. Juni 1944 zu Recht in Ehren gehalten. Die Amerikaner haben uns ja nicht nur die Demokratie gebracht, nein, darüber hinaus importierten sie viele wichtige Dinge nach Deutschland, ohne die unserer Leben heute unvorstellbar wäre. Coca-Cola! Wo wären wir ohne dieses sensationelle Erfrischungsgetränk? Immer nur Apfelschorle oder Red Bull hält doch kein Mensch aus. Der Extraschuss Zucker bringt einen sicher durch den Tag. Lucky Strike und Marlboro – wir würden heute immer noch Kameldung und Rothändle rauchen, wenn die amerikanischen Soldaten nicht ihre Zigaretten mit uns geteilt hätten. Und was würden wir Deutschen bescheuert aussehen! Schon mal Bilder aus den Kindertagen der Großeltern gesehen, oder auch aus der DDR? Katastrophe. Bundfaltenhosen und Knickerbocker, irgendwie sah man immer aus, als würde man gerade vom Arbeiten aus der Bank kommen, oder als Kind im Sandkasten buddeln. Die Amis rieben sich verwundert die Augen, als sie damals nach Deutschland kamen, konnten das Elend nicht länger ertragen und verteilten Jeans unter der Bevölkerung. Damit war die größte Not erst einmal abgewendet. Freizeithosen waren was völlig Neues. Wir Deutschen kannten ja bis dahin nur Arbeit oder Krieg, und jetzt nach der Niederlage, hatten alle eine Menge Zeit. Das war die Geburtsstunde der Jeansmode in Deutschland.

Locker mit der neuen Jeans an der Hauswand lehnen. Was fehlt da noch? Richtig, Kaugummi. Noch so ein grandioses Mitbringsel unserer amerikanischen Befreier. Sieht nicht nur cool aus, es schmeckt auch noch und kauen ist ja so gesund. Wir haben also allen Grund, den 6. Juni 1944 gebührend zu feiern. Klar, die Amis brachten auch das ein oder andere mit, was jetzt nicht so gut ankam, Baseball zum Beispiel – das langweiligste Spiel aller Zeiten – aber grundsätzlich hat uns ihre Anwesenheit bereichert. Böse Zungen könnten nun behaupten, dass der Krieg ja doch sein Gutes gehabt habe. Hätten wir ihn nicht verloren, wären die Amerikaner niemals zu uns gekommen, und hätten uns nicht mit all diesen großartigen Dingen den Alltag versüßt. Leider ein völlig verfehltes Argument. Die USA sind der Gralsträger der Demokratie und als solcher haben sie natürlich auch einen globalen Auftrag zu erfüllen. Überall auf der Welt versuchen sie deshalb auf selbstlose Art und Weise anderen Staaten und Ländern ihre Errungenschaften nahezubringen. Die Amerikaner wären bestimmt früher oder später in Deutschland einmarschiert. Wir haben zwar kein Öl, aber deutsche Raketen- und Computerentwicklungen hätte sie sicherlich interessiert.