Berghain zweitbester Club Deutschlands

Familie & Freizeit von Fabian am 18.01.2016

AN!gesagt…

ist das Berghain natürlich immer noch, aber seine kultigsten Zeiten hat der Technoclub aus der Hauptstadt definitiv hinter sich. Gerade wählte der Musikexpress das Berghain zum zweitbesten Club Deutschlands, erster wurde das Molotov in Hamburg. Berlin hinter Hamburg – sowas geht eigentlich gar nicht. Doch der Niedergang des 2009 vom DJ Magazine zum besten Technoclub der Welt gekürten Berghain hat sich in den letzten Jahren angedeutet. Im Jahre 2015 reichte es gar nur zu Platz 13 in der Hitliste des DJ Magazine. Was ist passiert?

Berghain Club des Jahres

Nach wie vor genießt das Berghain Weltruf. Tausende von Touristen strömen dorthin, und wenn man jemanden fragt, was er in Berlin unbedingt sehen möchte, ist der Technoclub vor allem bei Jüngeren meistens Teil der Sightseeing Tour. Dabei lebt das Berghain vor allem von seinem legendären Ruf. Die härteste Tür der Welt, die angesagtesten Underground-DJs, Sex in Darkrooms, Drogen – die Klischees sorgen für ein Image, das immer noch Scharen von Gästen anlockt. Viele wären ernüchtert darüber, wie die Realität tatsächlich aussieht. Aber die Legende wird weitergestrickt, auch dadurch, dass Claire Danes, die für Homeland in Berlin drehte, in einer US-Talkshow berichtet, wie abgefahren und einzigartig das Berghain doch sei. Man könne rund um die Uhr tanzen, die Menschen seien extravagant gekleidet und die Musik wahnsinnig laut – die Moderatorin bekam den Mund nicht mehr zu. Verrückt! Dass das Urteil einer amerikanischen Schauspielerin, die es wahrscheinlich gewohnt ist, die Samstagnacht um 23 Uhr auf der Bowlingbahn zu beenden, nicht unbedingt wahnsinnig aussagekräftig sein muss, ist auch klar. Fakt ist, dass der Club bei den Berliner selbst, und vor allem innerhalb der Elektroszene, nicht mehr die Rolle spielt wie noch vor einigen Jahren.

Wie so oft hat der Hype den Kult gekillt! In den Anfängen des Berghain Mitte der 00er Jahre wurde aus dem einstigen Geheimtipp der heißeste Club der Stadt. Das Berghain hatte großen Anteil am Ruf Berlins, die Elektrohauptstadt Deutschlands und sogar der Welt zu sein. Wer was Außergewöhnliches erleben wollte, ging ins Berghain. Wenn man Besuchern mal was Schräges, Marke „typisch Berlin“, zeigen wollte, schleppte man sie ins Berghain, und wenn man einfach nur zu gutem Elektro abtanzen wollte, ging man eben ins Berghain. Ob Samstagnachts um 2 Uhr oder Sonntagmittags um 12 Uhr, es war immer was geboten. Was dann einsetzte, war das typische Berlinphänomen: Aus klein und Szene wird groß und trendig. Irgendwann geht dem Hype die Luft aus, und spätestens ab dem Moment, als Touristen mit dem Lonely Planet in der Hand vor der ehemaligen Lagerhalle am alten Ostbahnhof standen, und den besten Technoclub der Welt besichtigen wollten, hatte der ehemalige Vorzeigeclub Berlins seinen Zauber verloren.

Berghain Club des Jahres

Heute feiert die Szene nicht mehr alleine im Berghain. Sie vermischt sich mit Touristen und Gästen, die sonst auch mal gerne Lady Gaga hören. Die coolen und hippen Berliner Szenegänger bzw. zumindest die, die sich dafür halten, meiden das Berghain vermehrt. Damit teilt der ehemalige Technokultclub das Schicksal vieler weiterer Hauptstadtclubs. Auf Platz vier der Rangliste des Musikexpress findet sich ein Club namens „Musik und Frieden“ aus Berlin. Hä?! Noch nie gehört. In Klammern der Vermerk „vormals: Magnet“. Der alte Magnetclub in der Greifswalder Straße war fast 10 Jahre lang Anlaufstelle für viele Rockfans, dann zogen die Veranstalter auf die Touristenmeile am Schlesischen Tor. Statt der alten Stammgäste stolperten von an betrunkene Schweden in den Club. Nach fünf Jahren stellte der Magnet im November 2015 seinen Betrieb ein und wurde von Musik und Frieden übernommen. Dass dieser Laden nach zwei Monaten angeblich der viertbeste Club Deutschlands sein soll, ist ein Witz, und er verdankt seine Platzierung wohl eher dem Umstand, dass es Kooperationen mit dem Musikexpress gibt.

Natürlich hat das Berghain weiterhin seinen Platz in der Technoszene Deutschland sicher. Dass sich die Klientel ändert, ist wohl auch normal. Abgesehen davon, dass die ursprünglichen Gäste älter geworden sind, ändern sich Musiktrends, und was sich erst einmal als gut herausgestellt hat, kommt auch nicht lange als Geheimtipp durch. Streng genommen, ist das Berghain ja immer noch Deutschlands bester Technoclub, denn das Molotov in Hamburg hat mit elektronischer Musik nicht viel am Hut. Die neue Nummer eins ist eher bekannt für Veranstaltungen aus dem Rock-, Punk-, und Indiebereich.