7. September 2017
Isabel in Familie & Freizeit

Carsharing - Was passiert im Schadensfall?

Es gibt Dinge, über die man sich immer erst Gedanken macht, wenn es schon zu spät ist. Was passiert, wenn du einen Unfall mit einem Carsharing-Auto baust, gehört auch dazu. Da stehst du nun mit deiner Beule am Auto und weißt nicht weiter. Wir sagen dir, was bei einem Carsharing Unfall im Schadenfall passiert und zeigen dir verständlich und detailliert, welche Kosten auf dich zukommen.

In den letzten Jahren haben Carsharing-Anbieter den Markt in Deutschlands größten Städten überschwemmt. Autos teilen liegt einfach voll im Trend - ist ja schließlich auch praktisch, flexibel, unkompliziert und ziemlich cool. Die mit Namen wie DriveNow und Car2Go gebrandeten Fahrzeuge sind aus dem Stadtverkehr Berlins, Hamburgs, Münchens und Co. nicht mehr wegzudenken und das ist auch gut für die Öko-Bilanz einer Stadt - lieber ein Auto teilen, als dass jeder sein eigenes hat und damit die Luft verschmutzt. Dummerweise gehen viele zu blauäugig ans Carsharing ran, lesen viel zu selten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und merken erst, wenn es zum Unfall kommt, was sie eigentlich vorher hätten wissen sollen:

  • Welche Selbstbeteiligung muss ich jetzt zahlen?
  • Und was muss ich jetzt überhaupt machen?

Die Vorgehensweisen, ebenso wie die Kosten, sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Wir haben uns mal die Big Player im Carsharing um Car2Go, DriveNow, Cambio und Co. mal angeguckt und sagen euch, was bei einem Carsharing-Unfall auf euch zukommt und vor allem, was ihr zu tun habt und im Schadenfall zahlen müsst. 

Dabei unterscheidet man zwischen stationären und "Free-Floating-Angeboten", bei dem du die Autos innerhalb eines Gebietes überall abstellen kannst. 

Was muss ich beachten, wenn ich ein Carsharing-Auto miete?

Pfiffig ist, wer die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausnahmsweise mal bis zum Schluss gelesen hat. Na, erwischt? Das macht eh niemand, ist aber gerade beim Carsharing wirklich wichtig! Teilt man sich ein Auto eines Anbieters mit vielen fremden Menschen, gilt beim Einsteigen: Traue nur dir selbst! Das heißt, bevor du mit dem Auto davonrast - und ja, wir wissen, dass du nicht gerade über die Straßen kriechst, du zahlst ja schließlich bei den großen Anbietern wie Car2Go und DriveNow pro Minute - solltest du eine Runde um den Wagen laufen und checken, ob alles ganz ist. Dasselbe gilt natürlich auch für den Innenraum. 

Als du z.B. deinen DriveNow-Vertrag unterschrieben hast, hast du dich dazu verpflichtet das Auto vor jedem Fahrtantritt auf Schäden zu untersuchen. Bemerkst du einen Schaden, musst du ihn dem Unternehmen melden. Du musst natürlich nicht jede kleine Unebenheit penibel notieren, aber versichere dich, dass keine größeren Kratzer, Beulen und Schäden am Auto sind. Meldest du diese nicht vorher und stellst das Auto in dem Zustand wieder ab, macht es vielleicht dein Nachfolger im Auto. Und schon stehst du als Verursacher des Schadens im Visier und musst Schadenersatz zahlen.

Wie gehe ich bei einem Carsharing-Unfall vor?

Nun kann es immer mal passieren, dass du mit deinem Smart von Car2Go oder einem Mini von DriveNow in einen Unfall verwickelt wirst, sei es nun deine Schuld gewesen oder die eines anderen. So oder so solltest du Ruhe bewahren, wenn du einenj Carsharing-Unfall hattest. Die folgenden fünf Schritten helfen dir auch in einer solchen Situation einen kühlen Kopf zu bewahren. 

©shutterstock
  1. Unfallstelle absichern! Das gilt natürlich nicht nur für einen Crash mit einem Carsharing-Fahrzeug, sondern auch für alle anderen Unfälle im Straßenverkehr.
  2. Sind Personen zu Schaden gekommen? Dann ruf einen Krankenwagen.
  3. Unter Umständen solltest du die Polizei hinzurufen. Die meisten Carsharing-Anbieter verpflichten dich sogar dazu.
    Bei Citroen Multicity heißt es: "Bei Unfällen oder Bagatellschäden rufen Sie bitte immer dann die Polizei, wenn an dem Unfall ein Dritter als Geschädigter oder möglicher „(Mit-)Verursacher“ beteiligt war oder fremdes Eigentum (außer dem Multicity Fahrzeug) zu Schaden gekommen ist."
    Bei Car2Go heißt es: "Der Kunde hat sicherzustellen, dass alle Unfälle, an denen ein von ihm geführtes Car2Go Fahrzeug beteiligt war, polizeilich aufgenommen werden. Verweigert die Polizei eine Unfallaufnahme, hat der Kunde dies unverzüglich telefonisch Car2Go mitzuteilen und gegebenenfalls nachzuweisen."
    Bei DriveNow heißt es: "Zu diesem Zweck hat der Nutzer jeden Schaden der Polizei zu melden. Auch bei reinen Sachschäden ist die nächste Polizeidienststelle um Aufnahme der Unfallmeldung im Sinn des § 34 Abs. 1 Nr. 7 StVO zu ersuchen. Dies gilt auch bei geringfügigen Schäden und bei selbstverschuldeten Unfällen ohne Mitwirkung Dritter. Sollte die Polizei die Unfallaufnahme verweigern, hat der Nutzer dies gegenüber DriveNow in geeigneter Form (z.B. schriftliche Bestätigung der Polizei oder Angabe, einschließlich Tag und Uhrzeit, welche Polizeidienststelle telefonisch verständigt wurde, die Schadensaufnahme aber abgelehnt hat) nachzuweisen."
  4. Natürlich musst du auch den Vermieter deines Carsharing-Autos anrufen. Der Kundenservice arbeitet meist rund um die Uhr.
  5. Im Auto müsste dann abschließend auch noch ein Vordruck für ein Unfallprotokoll liegen, das du anfertigen musst, bevor dur den Unfallort verlässt.

Was erwartet mich im Schadenfall mit dem Carsharing-Auto?

Baust du mit einem Carsharing-Auto einen Unfall, bist du in der Regel durch deine private Haftpflichtversicherung sowie eine Unfallversicherung geschützt. Das Carsharing-Auto selbst, ist aber natürlich auch versichert. 

Je nach Anbieter und Modell handelt es sich dabei um eine Teil- oder Vollkasko-Versicherung. Bei den Carsharing-Kosten sind diese Gebühren bereits enthalten.

Aber vorsicht! Die Kostenfalle lauert oft in der sehr unterschiedlich hohen Selbstbeteiligung! 

Aktuelle Überlegungen der Carsharing-Anbieter reagieren auf die relativ hohe Unfallzahl ihrer "Schützlinge". Sie prüfen, ob mit jeder Neu-Anmeldung auch der jeweilige Punktestand in Flensburg abgefragt werden sollte. Hat dort jemand zu viele Punkte, könnte das Unternehmen ihn dann ablehnen. 

Was beinhalten die einzelnen Fahrzeug-Versicherungen?

Entstehen keinem Dritten Schäden, kommt die Kaskoversicherung zum Einsatz. Sie deckt alles ab, was Naturgewalten an dem Auto anrichten, aber auch Vandalismus, Brände, Explosionen, selbst verschuldete Unfallschäden sowie Diebstahl. 

Knallt es bei dir aber doch einmal so, dass bei einem Dritten an Schaden entsteht, muss die Kfz-Haftpflicht ran. Das kann unter Umständen aber ziemlich teuer werden. Bei jedem Carsharing-Anbieter gelten nämölich andere Werte für die Selbstbeteiligung. 

Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?

  Car2Go DriveNow Cambio Flinkster Citroen Multicity
Selbstbeteiligung

Für Autos der Marke Mercedes zahlst du im Schadenfall eine Selbstbeteiligung von 1000 Euro. 

Fährst du einen Smart von Car2Go musst du 500 Euro Selbstbeteiligung zahlen.

Eine Möglichkeit die Selbstbeteiligung zu reduzieren wird nicht angeboten.

Pro Fahrt zahlt jeder Nutzer 1 Euro für die Versicherung. 

Dafür ist die Selbstbeteiligung aber mit maximal 350 Euro im Vergleich zu den anderen Anbietern extrem gering. 

Die Selbstbeteiligung liegt bei 1000 Euro, kann aber durch einen monatlichen Betrag von 50 Euro auf 200 Euro reduziert werden. 

Beim Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn musst du mit maximal 1500 Euro Selbstbeteiligung rechnen. Gegen eine Gebühr von 90 Euro pro Jahr kannst du die Selbstbeteiligung auf 300 Euro reduzieren. Die Selbstbeteiligung liegt bei 500 Euro und kann nicht durch Zusatzangebote reduziert werden.

Das beste Angebot bietet damit mit Abstand der BMW-Carsharing-Dienst DriveNow. Am höchsten lässt sich die Deutsche Bahn Schadenfälle bezahlen. Eine solide Mitte bildet das Carsharing-Unternehmen Multicity von Citroen, allerdings ist dort die Flotte wesentlich kleiner als bei Car2Go oder DriveNow. 

Was kostet Carsharing - vor allem im Schadenfall? 

Jeder Anbieter hat da natürlich seine eigene Preise, denn du als Fahrer bezahlst entweder pro gefahrener Minute, pro Kilometer oder pro Stunde. Vergiss nicht, dass auch Anmeldegebühren von etwa 10 bis 50 Euro auf dich zukommen. Mit den richtigen Deals und Gutscheinen kannst du dir die aber auch häufig sparen. Bei manchen Anbietern musst du allerdings auch eine Jahresgebühr zahlen. Das gängige Modell von den größten Anbietern Car2Go und DriveNow beinhaltet eine Anmeldegebühr sowie eine Gebühr pro gefahrener Minute.

Du solltest dir aber vor jedem Vertragsabschluss unbedingt die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchlesen. Diese verstecken oft hohe Gebühren, so z.B. für „unerlaubte Auslandsfahrten“ (etwa 250 €).

©shutterstock

Welche Bußgelder erwarten dich bei Vergehen mit einem Carsharing-Auto?

Auch hier hat jeder Anbieter seine eigenen Gebühren. Diese unterscheiden sich stark. Diese Bußgelder und Gebühren erwarten euch beim Carsharing!

  • Bearbeitungsgebühr bei Eingang eines Bußgeldbescheides (Ordnungswidrigkeit): 5 bis 20 Euro
  • Bearbeitungsgebühr eines Parkverstoßes: etwa 10 Euro
  • Bearbeitung einer schwereren Straftat wie Alkohol am Steuer: etwa 150 Euro
  • Umparken eines falsch abgestellten Wagens: etwa 50 Euro
  • Sonderreinigung (z.B. bei Rauchen im Auto): ab 25 Euro