Das Spiel ist aus! Die Bundesliga-Saison 2015/16

Familie & Freizeit von Fabian am 18.05.2016

AN! diesem 34. Spieltag war eigentlich alles wie immer. Die Bayern feierten ihren Meistertitel, der mittlerweile 26. der Vereinsgeschichte, und zudem der vierte in Folge. Gratulation, das hat keine deutsche Mannschaft zuvor geschafft. Beste Abwehr, gefährlichster Torjäger, ausverkauftes Stadion – der FC Bayern war auch diese Saison mal wieder das Maß aller Dinge. Ein souveräner Start-Ziel-Sieg, nur gegen Ende ließen es die Bayern etwas schleifen, und tüteten die Meisterschaft erst am 33. Spieltag endgültig ein; fest stand sie gefühlt schon seit Weihnachten. Der FC Bayern hat wirklich eine sehr, sehr, sehr, sehr, sehr gute Saison gespielt, um es mal mit den Worten des scheidenden Trainers Pep Guardiola zu umschreiben. Guardiola, die fleischgewordene Schaufensterpuppe für Armanianzüge an der Außenlinie, hat aus den Bayern die Überbayern gemacht. Dass sie erneut im Champions League-Halbfinale scheiterten, sei dahingestellt. So weit, so schön. Anders gesagt, war es wieder mal eine extrem langweilige Meisterschaft für den neutralen Zuschauer. Borussia Dortmund begeisterte zwar mit tuchelschem Offensivfußball, Aubameyang, Mkhitaryan und Reus nahmen die gesamte Liga auseinander, und der BVB wurde der beste Bundesligazweite aller Zeiten. Ein ernst zunehmender Bayernjäger waren sie trotzdem nicht, zu übermächtig die Kicker aus München. Die selbsternannte neue Nummer Zwei in Fußball-Deutschland, der V(W)FL Wolfsburg, letztes Jahr noch Pokalsieger, spielte eine katastrophale Saison und erreichte nicht einmal die internationalen Plätze. Chaosclub Schalke, einstiger Meister der Herzen, wurde wieder einmal den selbst gesteckten Zielen nicht gerecht. Was dort intern alles schief- und abläuft, durchblickt niemand, zumindest spielen sie nächstes Jahr Europa League. Leverkusen und Gladbach haben dagegen wirklich Spaß gemacht, schönen Fußball gespielt, und sich mit der Champion League-Teilnahme bzw. Qualifikation belohnt, aber ein ernsthafter Konkurrent für die übermächtigen Bayern war auch von denen niemand. Dass Mainz 05 und Hertha BSC sich für die Europa League qualifizierten, sind letztlich auch nur Randnotizen.

Ververidis Vasilis
Quelle: Ververidis Vasilis

Während also der FC Bayer München einsam seine Kreise an der Spitze zog, und dessen Nichtverfolger sich um die Plätze dahinter stritten, spielte sich das wirklich Interessante der Bundesliga-Saison 2015/16 in den unteren Gefilden der Tabelle ab. Der Abstiegskampf war diese Saison so spannend wie selten. Letztlich hatte die halbe Liga damit mehr oder weniger lange zu tun. Die üblichen Verdächtigen der letzten Jahre, Stuttgart, HSV, Bremen, Hannover 96, Augsburg, Köln und Hoffenheim sowie die Neulinge Darmstadt und Ingolstadt wurden zu Saisonbeginn als Abstiegskandidaten ausgerufen. Am deutlichsten wurde Hannover diesem Anspruch gerecht. Eine unterirdische Saison mit Graupenfußball wurde schließlich am 31. Spieltag mit dem wohlverdienten Abstieg besiegelt. Überraschenderweise spielten die Hannoveraner danach die Saison noch recht ansehnlich zu Ende. Absolut sympathisch die Auftritte der beiden Aufsteiger. Während Ingolstadt frühzeitig die Klasse sicherte, machte Darmstadt es etwas spannender und stellte erst am vorletzten Spieltag die Weichen für die nächste Erstligasaison. Spielerisch und kämpferisch überzeugten beide Teams und haben den Klassenerhalt mehr als verdient. Das Gleiche gilt für Köln, die ja fast schon klassisch zum Kreise der Abstiegskandidaten gehören. Nicht so dieses Jahr, die Mannschaft spielte erfrischenden Fußball, hatte mit Anthony Modeste einen richtigen Torjäger in ihren Reihen, und fast hätte der FC noch am internationalen Geschäft geschnuppert, aber das wäre des Guten sicherlich zu viel gewesen. Dasselbe gilt auch für den FC Augsburg. Was die Verantwortlichen dort seit Jahren zu Stande bringen, ist wirklich beeindruckend. Immer wieder fängt die Mannschaft die Abgänge wichtiger Spieler auf und ist weiterhin erfolgreich. Diese Saison spielte Augsburg sogar Europa League, und sicherlich war die Doppelbelastung, neben Verletzungen, ein Grund dafür, dass es wieder gegen den Abstieg ging. Aber das Team rettete sich aus eigener Kraft.

Lario Tus
Quelle: Lario Tus

Der Retortenverein aus Hoffenheim schien lange Zeit auf einem guten Weg in Richtung Liga zwei zu sein, selbst Feuerwehrmann Huub Stevens konnte diesem todlangweiligem Spielerensemble kein Leben einhauchen, doch dann rettete Babyface Nagelsmann den Verein doch noch vorm Abstieg. Schade, die Chancen standen lange nicht mehr so gut für einen Abstieg. Zu allem Überfluss hat ja auch noch RB Leipzig den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft. Die Zahl der unsympathischen Vereine steigt damit an. Apropos unsympathisch: Als Fußballfan hofft man seit Jahren, dass endlich Stuttgart und der Hamburger SV absteigen. Was diese beiden Vereine dem neutralen Zuschauer zumuten, ist einfach eine Frechheit. Totales Fehlmanagement, die Verantwortlichen geben sich die Klinke in die Hand und dazu spielen die Mannschaften einen Dreck zusammen, dass einem regelrecht schlecht wird. Das wird aber völlig ignoriert, stattdessen rufen jedes Jahr auf´s Neue beide Vereine fantastische Saisonziele aus. Vom schlafenden Riese ist dann die Rede und letzten Endes dümpeln beide wieder in den Niederungen der Tabelle herum. Irgendwie schafften sie es jedoch die letzten Jahre immer im letzten Moment dem Abstieg von der Klinge zu springen. Dieses Jahr hatte der Fußballgott zumindest teilweise ein Einsehen. Während der HSV es wieder einmal völlig unverdient schaffte, die Klasse zu halten, wird der VfB Stuttgart endlich den Gang in die zweite Liga antreten. Gerechtigkeit – endlich! Das und die Nachricht, dass sich Werder Bremen, der Sympathieträger aus dem Norden, und Fußballgott Claudio Pizarro nach aufopferungsvollem Kampf im letzten Moment vor dem Abstieg in die 2. Liga gerettet haben, sind die wirklichen Highlights der Bundesliga-Saison 2015/16.