Die jährliche Zeitumstellung oder auch: im Bann der Körperverletzung!

Familie & Freizeit von Claudia am 28.10.2011

An diesem Wochenende ist es wieder so weit, die Uhren werden zurückgedreht. Uns wird eine Stunde weggenommen. Aber warum eigentlich? Ist es dieses Stromsparen, von dem wir immer was hören? Ich habe mich da mal umgehört in der Zeitumstellungszene.

© Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Über die Prozedur mit der Stunde mehr oder weniger wurde sich schon vor mehr als 200 Jahren Gedanken gemacht, in unterschiedlichsten Regionen der Welt. Eingeführt, damals, noch zu Zeiten des Deutschen Reiches im Kriegsjahr 1916 um das Tageslicht besser zu nutzen und Energie zu sparen. Dabei zogen die Briten und Iren nur drei Wochen später hinterher und taten es den Deutschen gleich. Bei uns wurde, und wird gebräuchlich von der Sommer- und Winterzeit sowie der Zeitumstellung gesprochen. In englischsprachigen Ländern hingegen wird dies explizit ‚Daylight Saving Time‘ genannt. Nach dem Krieg wurde davon wieder abgesehen. Erst zum Zweiten Weltkrieg 1940 hat man wieder auf Sommerzeit umgestellt, bis sich Europa 1950 wieder normalisiert hatte. Es gab ja keine Krisen mehr und wozu sollte man so eine Ausnahmesituation auch weiter führen? Aufgrund der Ölkrise Ende der 70er Jahre haben einige Länder Europas die Zeitumstellung erneut eingeführt. Für Deutschland bestand die Problematik, dass das Land, aber vor allem Berlin geteilt war und man nicht wollte, dass es auch noch verschiedene Uhrzeiten gibt. Verwunderlicherweise konnten sich die BRD und die DDR einigen und haben 1980 gemeinsam am selben Tag die Zeitumstellung eingeführt. Seit 1996 wurde dank der Europäischen Gemeinschaft, der wir ja schon so einiges zu verdanken haben, auch eine einheitliche Zeitumstellung gewährleistet. Nun machen wir und alle anderen Länder in Europa, ausgenommen Island, zur selben Zeit Daylightsaving. Jeder stellt seine Uhr am letzten Sonntag im März um eine Stunde vor. So machen wird in Deutschland den Zeiger von zwei Uhr in der Früh auf drei Uhr. Zurück drehen wir ihn dann am letzten Wochenende im Oktober. Da wird er zurück vom drei auf zwei gestellt. Ja und damit man auch durchblickt und ein wenig was zu schmunzeln hat, heißt es regulär beim ersten Mal auch 2A Uhr und nach dem zurückdrehen wurde 2B Uhr. Wie originell. Ach egal, viel lustiger agiert da Die Bahn. Statt mal überpünktlich zu sein, möchte man die deutsche Pünktlichkeit nicht enttäuschen und Fahrgäste wütend machen. Denn es werden Züge für eine Stunde auf einem Bahnhof anhalten, damit es mit der fahrplanmäßigen Ankunftszeit übereinstimmt. Was für ein Quatsch. Jedenfalls so langsam wundert einen bei der Bahn nichts mehr.

Aber nun mal zu den Vorteilen, die eine Umstellung mit sich bringt. Ein dickes Plus für uns alle ist natürlich, dass es länger hell ist im Sommer. Wir haben bis halb elf in die Nacht Tageslicht und können das tolle Wetter genießen. Auch stört uns der spätere Sonnenaufgang um halb fünf statt halb vier weniger, da wir da doch fast alle noch schlafen. Jedenfalls war es das nun auch schon mit den Vorteilen. Die Behauptung mit dem Energiesparen wurde schon oft widerlegt durch empirische Untersuchungen. Denn was im Sommer abends an Elektrizität eingespart wird, soll im Winter durch längeres Heizen in der Früh kompensiert worden sein, ja sogar den Verbrauch erhöhen. Ich vermute jedoch, dass diese Behauptung mit dem Mehrverbrauch am Morgen durch vermehrtes Häuserisolieren und effizienteres Heizen wieder ausgeglichen wird und wir hoffentlich in Zukunft Energie sparen können. Schlimmer kommt das Problem mit dem Biorhythmus. Die Verschiebung der Zeit hat Schlafstörungen und Konzentrationsschwankungen zur Folge. Auch wurde eine Schwankung der Herzfrequenz festgestellt. Ganz schlimm trifft es Menschen mit organischen Erkrankungen. Dies legen die Kritiker der Zeitumstellung als Körperverletzung aus! Wie schlimm! Man braucht einige Tage bis Wochen um sich anzupassen. Wahnsinn ist das. Da legt der Staat per Gesetz einen Akt der Körperverletzung fest. Also werde ich am Montag gleich zur Polizei gehen und die Zeitumstellung anzeigen, sodass diese schnell hinter Gittern wandert!

Quelle: amazon.de

Aber nicht nur die Menschen kommen damit nicht so einfach klar. Wie soll denn eine Milchkuh auf einmal damit zurechtkommen, dass sich die Melkzeiten verschoben haben? Die brauchen doch tatsächlich über zwei Wochen, um wieder die gewohnte Milch zu geben! Dieser volkswirtschaftliche Schaden scheint so groß zu sein, dass gefordert wird, die Zeitumstellung abzuschaffen. Auch die Schichtarbeiter werden ganz meschugge. Denn im Frühjahr müssen sie nur eine Stunde weniger Arbeiten, und dann im Winter heißt es eine Stunde mehr ran. Das ist ja so verwirrend. Und dann auch noch dieses Uhrumstellen bei der heutigen Technik! Das ist gar nicht so einfach. Ich denke gerne an meine Eltern und Großeltern, die mir immer mit einem verzweifelten Blick die Fernbedienung für alle möglichen Geräte in die Hand drückten und meinten ich soll das mal machen. Die konnten einfach das Unter-Unter-Unter Menü nicht finden. Auch zu Schwierigkeiten kann es kommen alle Wanduhren abzunehmen und umzustellen. Wie ich irgendwo gelesen hatte, steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Unfällen, wenn wir alle auf Stühle klettern, um die Uhr kurz abzuhängen. Russland hat auf diese furchtbaren Tatsachen reagiert und wollte das seinem Volk nichtmehr antun. Diese ganzen Milchkühe, die Kummer leiden müssen und weniger Milch geben. Auch die Leute mit Ihren Schlafstörungen und nicht zu vergessen die Menschen, die von den Stühlen fallen. Ich glaube einfach wir sollten es den Russen gleich tun und jeden Tag Wodka trinken. Das mit der Zeitumstellung ist mir eigentlich egal. Nur muss man ebend daran denken. Ansonsten steht man eine Stunde zu früh auf der Matte. Wenigstens der Chef würde sich freuen. Vielleicht sollte man sich Merkspruch einprägen, damit man für die nächsten Male Durchblick hat. Aber schaue ich mir die Empfehlungen im Internet so an. Gut, da habe ich schon bessere Eselsbrücken gehört. Denn die Tatsache, dass man Garten- oder Caféstühle vors Haus stellt im Frühling und im Herbst wieder zurück ist ja ganz toll. Aber ob ich mir es merke, dass es einen Stuhltrick gibt? Ach und dann noch der Hinweis, dass Sommer ein O enthält, genau wie vOr. Ja, was soll das jetzt mit dem Umstellen im Frühling und Herbst zu tun haben?! Da ist die Information, dass die Uhr immer Richtung Sommer gestellt wird etwas hilfreicher. Aber am coolsten ist die englische Hilfestellung. Da heißt es ‚Spring forward, fall back ‘. Easy zu merken. Jiha, ich denke mal nun wissen alle Bescheid. Spring nach vorne und fall nach hinten. Wunderbar. Nun können wir’s nicht vergessen!