Die Macken der Fußball-Nationen: Welche Klischees stimmen?

Familie & Freizeit von Sarah am 11.06.2014

Im Juni 2014 ist es soweit, die Welt schaut nach Brasilien und verfolgt das größte Fußballturnier der Welt. Die Fußballweltmeisterschaft steht bevor. Innerhalb eines Monats wird die beste Fußballnation ermittelt. Insgesamt 32 Teams nehmen daran teil, doch nur zwei davon stehen sich am 13.7.2014 im Estadio do Maracana in Rio de Janeiro gegenüber. Ob der Sieger nun die Dribbelkünstler aus Brasilien oder die Meister der Defensive aus Italien sein werden, lässt sich nur erahnen. Zumindest werden viele Klischees der einzelnen Teams widerlegt beziehungsweise erfüllt werden.

  • Brasilien – Rüder Samba

    Die Spieler des Gastgeberlandes 2014 sind vor allem mit zwei klischeehaften Begriffen verbunden, Technik und Rhythmus. Der Brasilianer gilt von Geburt an als dribbelstark und technisch versiert, der Ball verlässt den Fuß nur beim Jonglieren und beim Torschuss, „o jogo bonito“. Was für die Offensive der Brasilianer rund um Superstar Neymar noch zutrifft, widerlegt hingegen die Defensive.Klischeecheck Fußball Brasilien
    In der Abwehr gibt es seit dem 21. Jahrhundert immer wieder sogenannte „Kanten“, die notgedrungen auch harte Fouls begehen können. Ob vor zwölf Jahren Lucio oder heute Thiago Silva oder David Luiz, die Seleção wehrt sich mit harten Zweikämpfern gegen das sambaversierte Fußballspiel.

  • Klischeecheck: Stimmt teilweise.

  • Deutschland – Es müllert wieder

    „Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ Ein legendäres Zitat von Englands Nationalspieler Gary Lineker aus dem Jahr 1990 belastet noch immer die Gegner der deutschen Nationalmannschaft. Doch 24 Jahre später versucht der DFB das Klischee vom körperbetonten Fußball ohne Flair zu beseitigen.Jubel Fußball Deutschland
    Dank den technisch starken Özils und Götzes stimmt das, auch weil seit 1974 wieder ein Müller im Sturmzentrum für Furore sorgt. Allerdings gibt es auch in der Offensive sowie in der Defensive schnörkellose Fußballer, die durch Einsatz und Kampf auffallen und dem Gegner somit das Fürchten lehren.

  • Klischeecheck: Stimmt teilweise.

  • England – Torhüter und Elfmeter

    Denkt man an das Geburtsland England als Fußballnation, denkt man an kullernde Bälle die sich durch die Beine der Torhüter ins Tor schlängeln. Man denkt an gestandene Männer, die einen ruhenden Ball aus elf Metern ohne Einfluss des Gegners nicht im gegnerischen Tor versenken.Torhüter
    Englands Nationalmannschaft besteht aus vielen namhaften Fußballern, denen im Vorfeld eines großen Turnieres immer viel zugetraut wird. Doch entweder ein Torwartpatzer oder ein schwaches Nervenkostüm beim Elfmeter, England scheitert häufig in entscheidenden Spielen an sich selbst. Vielleicht führt die WM 2014 zum Verlust des Stereotyps.

  • Klischeecheck: Trifft zu.

  • Italien – Catenaccio und Hinfallen

    Ein schnelles Tor erzielen und danach bis zum Abpfiff mit neun Spielern verteidigen – definitiv Italien. Ohne Einfluss des Gegners einen Freistoß, eine Karte, oder gar einen Elfmeter oder Platzverweis schinden – definitiv Italien. Auch Italiens Fußball kämpft mit Klischees.Schwalbe
    Mit 32 Schwalben überzeugten die Azzurri bei der WM 2006 in Deutschland auf ganzer Linie und ließen in dieser Statistik ihre Gegner hinter sich, mit Erfolg, denn sie wurden Weltmeister. Gegen diesen Stereotyp wehrt man sich nicht, doch der Abwehrriegel, der ergebnisorientierte Fußball wurde abgelegt. Diese Taktik, der sogenannte Catenaccio findet nur noch selten Anwendung, da Italiens fußballerische Klasse diese Spielart mittlerweile nicht mehr nötig hat.

  • Klischeecheck: Stimmt teilweise.

  • Spanien – Pass, Pass, Pass…

    Das Klischee besagt, dass Spaniens Fußball immer großartig ist und sich immer wieder mit der Weltspitze messen kann, Titel jedoch ausbleiben. 1964 wurden die Spanier im eigenen Land Europameister. Bis 2006 erlitten die Südeuropäer eine extreme Durststrecke mit herben Enttäuschungen und traurigen Niederlagen. Doch seit der Europameisterschaft 2008 dominiert Spanien den Weltfußball. Zweimal Europameister und Weltmeister 2010, so die Titelausbeute der Selección.Ballbesitz
    Der spanische Fußball praktiziert ein ballbesitz-orientiertes Spiel. Durch diese fiese Machenschaft kommt der Gegner nicht an den Ball, solang bis ihn ein Spanier im gegnerischen Tor versenkt und der Torwart die Kugel seinem Stürmer zum Anstoß übergeben darf.

  • Klischeecheck: Klischee nicht (mehr?) aktuell.

  • Holland – Anti-Turniermannschaft

    Wer Tante Käthe in die Haare spuckt, hat es nicht anders verdient, mag man sich im deutschen Ländle denken. Jahr für Jahr und Turnier für Turnier gehen die Holländer als Favorit in eine Europa- beziehungsweise Weltmeisterschaft. Diese Auszeichnung wird ihnen auf Grund eines Top-Trainers und einer Mannschaft, gespickt mit Super-Fußballern, durchaus zurecht verliehen.Holland Fußball
    1988 wurden die Oranjes Europameister, ihr einziger Titel in einer langen Turnier-Geschichte mit traurigen Höhepunkten. 2010 stand die Mannschaft im Finale der Weltmeisterschaft, scheiterte an Spanien. 2012 schied die beinahe gleiche Mannschaft in der Vorrunde der Europameisterschaft aus. Im Laufe der Zeit schaffte es Spanien Titel zu gewinnen, Holland nicht und muss weiter auf goldene Zeiten warten.

  • Klischeecheck: Trifft zu.

  • Frankreich – Divenhafte Stars

    Weltmeister 1998 im eigenen Land, Europameister 2000 in Belgien/Niederlande, 2006 Kopfstoß Zinedine Zidane. Seit dem legendären Platzverweis des französischen Spielmachers kommen die „Les Bleus“ auf keinen grünen Zweig. Es folgte 2008 sowie 2010 das Aus in der Vorrunde, letzteres vor allem extrem divenhaft, als sich einige Stars gegen den damaligen Trainer stellten, ein Fiasko für die L´ Equipe.Frankreich Fußball als Diva
    Obwohl einige der französischen Rebellen nicht mehr im Kader der Nationalmannschaft stehen, gibt es noch vereinzelt Diven, die sich nicht permanent in den Dienst der Mannschaft stellen. Frankreich wird zwar verstärkt als Kollektiv auftreten, doch sobald es nicht wie gewünscht läuft, könnte der nächste Schlamassel bei einem großen Turnier nicht ausbleiben.

  • Klischeecheck: Triff zu.

  • Argentinien – Messi und sonst nix

    Der wohl beste Fußballer der Neuzeit kommt aus Argentinien und steht im Aufgebot der Gauchos. Viele Vergleiche zu Maradona, der Superstar der Nationalmannschaft in den 1980er Jahren, wurden gezogen und trafen und treffen zu. Doch in Bezug auf die Nationalmannschaft von 2014 fällt das Klischee vom Ein-Mann-Star ab. Messi ist zwar dennoch der unangefochtene Spitzenspieler des Teams, wird aber von einem herausragenden Ensemble begleitet.Messi
    Maradona war zu seinen Zeiten der einzige Superstar und schoss die Albiceleste zum Titel. Dies wird nun von Kapitän Messi erwartet. Dabei wird komplett auf die Nennung anderer Stars wie Aguero, Champions League Sieger di Maria oder Higuain verzichtet. Die Mannschaft sollte der Star sein, doch es ist Messi.

  • Klischeecheck: Trifft zu.

  • Kamerun – Afrikas Exoten

    Eine erotisch schwingende Hüfte und den Arm gen Himmel gestreckt, so feierte der Kameruner Roger Milla 1990 seinen Torerfolg, die unzähmbaren Löwen drangen bis ins Viertelfinale vor. Seit dem ist die Euphorie im Land enorm groß. Trotz ihres Exotenstatus hofft man als Anhänger der Kameruner Mannschaft wohl insgeheim auf den Einzug ins Halbfinale oder wenigstens in Viertelfinale.Roger Milla
    Kamerun prägt ein laufintensives Spiel mit viel Kampf und Zweikampfhärte. In der Mannschaft befinden sich zwei Stars, Stürmer Eto´o und Mittelfeldregisseur Song. Auch nach dem 2:2 Unentschieden im Testspiel gegen Deutschland dürfte die Euphorie wieder aufgetreten sein und der Exot hat abermals für eine Überraschung gesorgt.

  • Klischeecheck: Stimmt teilweise.

  • Japan – Nippon im Anmarsch

    Das bis Anfang der 1990er Jahre unbeschriebene Blatt der japanischen Fußballnationalmannschaft füllt sich mehr und mehr. Seit 1998 kämpfen die Samurai Blue gegen den klischeehaften Titel „Fußballzwerg“ und dies erfolgreich. Obwohl bis zur Weltmeisterschaft 2014 noch keine WM-Teilnahme über das Achtelfinale hinausging, werden die Japaner immer mehr zum Stolperstein für große Fußballnationen.Fußballzwerg Japan
    Ihr Fußballspiel zeichnet sich durch ein Taktik, Ballbesitz und Pressing aus, kombiniert mit technisch gut ausgebildeten Fußballern, ergibt diese Mischung eine interessante Mannschaft, die durchaus für eine Überraschung gut ist. Ein Einzug ist Viertelfinale scheint möglich.

Klischeecheck: Trifft teilweise zu.
Fazit
Mit großer Erwartung darf nun auf die Weltmeisterschaft 2014 gewartet werden. Sicherlich bedient die eine oder andere Mannschaft einen angeführten Stereotyp und mit hoher Wahrscheinlichkeit schiebt eine Nationalmannschaft vorerst ein Klischee in eine Schublade, die beim nächsten Turnier wieder geöffnet werden kann.

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