9 mal Ja! Skurrile Hochzeitsbräuche weltweit

Familie & Freizeit von Fabian am 16.09.2016

Endlich, nach Jahren des quälenden Wartens, erfolglosen Datens und zahlreichen missglückten Beziehungen, doch noch Hochzeitstag! Der schönste Tag im Leben. Angeblich. Tatsächlich bedeutet dieser Tag mit all seinen Abläufen und Bräuchen für viele Frischvermählte eine Menge Stress. Standesamt, Hochzeitskleid- und Anzug, kirchliche Trauung, Einladungsliste, Hochzeitstorte- und Kapelle, Blumenbouquet und Location, der Zukünftige heuchelt nicht genug Interesse an der Planung – es gibt einfach wahnsinnig viel zu beachten, besorgen und auszuwählen, damit dieser Tag in Erinnerung bleibt. Und zwar in guter! Wie also sieht der perfekte Hochzeitstag aus? Es gibt unglaublich viele verschiedene Hochzeitsbräuche weltweit. Wir stellen euch die witzigsten, schrägsten und schönsten vor.

lustige hochzeitsgesellschaft

Hochzeitsbräuche in Europa

#1 Deutsche Hochzeitsbräuche

Polterabend, Brautentführung und den äußerst peinlichen, hupenden Autokorso durch die Innenstadt kennen wir alle. Das gemeinsame Anschneiden der Hochzeitstorte ist ebenfalls einer der verbreitesten Hochzeitsbräuche weltweit. Dabei liegt das Interessante übrigens im Detail. Denn wer beim Schneiden seine Hand auf der des Partners am Messer hält, hat angeblich auch in der künftigen Ehe das Sagen. Es gibt allerdings auch einige Hochzeitsbräuche, die der Erläuterung bedürfen.

Traditionsbewusste Hochzeitspaare zelebrieren das Kranzbinden. Einige Tage vor der Hochzeit treffen sich hierbei Braut und Bräutigam mit ihren Freunden und basteln einen Brautkranz, den die Braut dann trägt, sowie zusätzlich einen kleineren Myrtenkranz. In einer Art szenischen Auslosung wird eine Trägerin für den Myrtenkranz ausgewählt, die als nächstes heiraten wird. Das Ganze erinnert etwas an das Werfen des Brautstraußes, inklusive kleiner Schauspieleinlage.

Brautstrauss

In einigen Regionen Deutschlands zersägen die frisch Getrauten gemeinsam einen Baumstamm. Ja, richtig gehört – sie sägen. Wichtig ist dabei, dass man gleichmäßig stark und im Rhythmus die Säge benutzt, sonst funktioniert das Ganze nicht. Das gemeinsame Sägen symbolisiert die eheliche Verbundenheit, die notwendige Balance in einer Ehe und die gegenseitige Aufmerksamkeit, die sich die Eheleute schenken sollten.

Ein besonders schöner Hochzeitsbrauch ist das Verbrennen der Hose. In einem rituellen Akt wird die Hose des angehenden Ehemannes von seinen Freunden in einem Loch verbrannt, während die Anwesenden sich mit Schnaps volllaufen lassen. Das Hoseverbrennen soll zeigen, dass das frivole Junggesellendasein ein für alle Mal vorbei ist. Böse Zungen behaupten, es könnte auch bedeuten, dass die zukünftige Ehefrau ab jetzt die Hosen anhat.

Wie dem auch sei, es wird deutlich, beim Heiraten in Deutschland geht es in erster Linie ums Hose runterlassen und ums Trinken. Es ist interessant zu sehen, was für andere Hochzeitsbräuche weltweit an diesem besonderen Tag begangen werden.

#2 Frankreich – mit den Zähnen

Noch ein Stückchen schlüpfriger als nur die Hosen runterzulassen, mögen es die Franzosen. Dort ist es eine beliebte Tradition, dass Strumpfband der Braut zu zeigen. Vor der versammelten Hochzeitsgesellschaft zieht die Braut langsam ihr Kleid höher. Für jeden Zentimeter nackter Haut bieten die Schaulustigen Geld. Hm, eine junge Frau, die sich für Geld vor Zuschauern langsam auszieht – in manchen Kulturkreisen nennt man so etwas Striptease. Wie dem auch sei, wenn das Strumpfband sichtbar wird, erhält der letzte Bieter dieses als Preis. Der Gewinner muss das Strumpfband dann mit den Zähnen vom Beim der Braut ziehen. Eine wirklich schöne Tradition, die eine Variante des Brautstraußwerfens ist, allerdings für die männlichen Gäste.

Strumpfband

#3 Something new in England

Ähnliches ist auch auf der Insel zu beobachten. Dort ist das Strumpfband tatsächlich der Brautstrauß für Männer. Der Bräutigam zieht seiner Braut vor versammelter Mannschaft langsam das Strumpfband vom Bein und wirft es anschließend in die anwesende Meute wartender Junggesellen. Wer es fängt, ist angeblich der nächste Heiratskandidat.

Ebenfalls aus England kommt einer der beliebtesten Hochzeitsbräuche weltweit. Erstaunlich, denn nicht erst seit dem Brexit, wissen wir, dass normalerweise nichts Gutes von den Engländern kommt. Jahrhundertealt allerdings ist der Spruch: „Something old, something new, something borrowed, something blue“. Demnach benötigt die Braut an ihrem Hochzeitstag diese vier Dinge, um für das eheliche Leben gewappnet zu sein. Etwas Altes, als Symbol für die nun endende Zeit als ledige Frau. Etwas Neues steht wenig überraschend für den neuen Lebensabschnitt. Etwas Geborgtes soll Freundschaft symbolisieren, und etwas Blaues, meist ist das Strumpfband dann blau, steht für die Treue der künftigen Eheleute.

#4 Küsse in Dänemark

Aber nicht nur Franzosen und Engländer, auch die Dänen gehen gerne auf Tuchfühlung. Bei den sonst so kühlen Skandinaviern kann es in Sachen Hochzeitsbräuche durchaus heiß werden. Hier gibt es die nette Sitte, dass die Hochzeitsgäste Braut oder Bräutigam küssen dürfen, wenn der jeweils andere den Raum verlässt. Man sollte sich also zweimal überlegen, ob der Toilettengang wirklich nötig ist, denn in der Zwischenzeit wird der frischgebackene Ehepartner von den anwesenden Damen oder Herren mit Küssen überhäuft.

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#5 Griechenland und das Geld

Dass in Griechenland das Geld knapp ist, wissen wir nicht erst seit der Wirtschaftskrise. Um den künftigen Eheleuten den Start in das gemeinsame Leben zu erleichtern, pflegen die Griechen den Brauch, einfach unter den Hochzeitsgästen Geldscheine einzusammeln. Angesichts des Umstandes, dass es vor allem auf dem Lande üblich ist, das gesamte Dorf zur Hochzeitszeremonie einzuladen, ist es sicherlich legitim, die Unkosten wieder irgendwie reinzukriegen.

#6 Pragmatisches Grönland

Eine grönländische Hochzeit ist völlig unspektakulär, und zudem ein Schnäppchen. Da die Grönländer aufgrund der widrigen Lebensumstände auf ihrer Insel keine Zeit zu verlieren haben, heiraten sie sehr jung. Der Hochzeit geht normalerweise keine große Planung voraus. Mit Verlobungen und Polterabenden halten sich die Inuit nicht auf. Meist wird als Symbol der Vermählung ein Schmuckstück zwischen den Eheleuten ausgetauscht. Teure Brautkleider, Hochzeitstorten und pompöse Feiern Fehlanzeige! Der Ehe wird an sich nicht zu viel Bedeutung zugewiesen. Man trennt sich auch schnell wieder. Erst wenn ein gemeinsames Kind da ist, gilt die Verbindung wirklich ein Leben lang.

Hochzeitsbräuche in der Welt

#7 Brasilien stürzt ab

In Brasilien wird nicht gespart. Was protzige Hochzeitsbräuche weltweit betrifft, lassen sich die Brasilianer wirklich nicht lumpen. Hier gibt es keine halben Sachen. Weißes Brautkleid, teurer Anzug, Blumenkinder, eine riesige Hochzeitsgesellschaft und üppiges Essen sind ein Muss. Viele Hochzeitsbräuche, die uns bekannt vorkommen, wie das Reis- und Brautstraußwerfen und Torte anschneiden, werden auch in Brasilien gepflegt. Eigentlich nichts Außergewöhnliches, nur teuer und reichlich sollte alles sein. Fast wichtiger als die Hochzeit, sind die Jungesellenabschiede, und zwar von Bräutigam und Braut. Dabei geht es definitiv zur Sache. Während der künftige Ehemann sich klassisch mit seinen Freunden im Stripclub dem Alkohol hingibt, lässt es die Braut richtig krachen.

In Form eines Trinkspiels muss sie die verpackten Geschenke ihrer Freundinnen erraten. Errät sie den richtigen Inhalt, darf sie das Geschenk auspacken. In der Regel handelt es sich bei den Geschenken um Haushaltsgegenstände. In Brasilien ist die Welt einfach noch in Ordnung. Im Gegenzug muss die Braut für jedes nicht erratende Geschenk einen Shot trinken. Diese Abende arten regelmäßig aus, so dass am Ende eine nackte, völlig betrunkene Ehefrau in Spe, oft nur noch bekleidet mit einer Haushaltschürze, auf der geschrieben steht: „Gut, dass Du morgen heiratest“, vor ihren feiernden Freundinnen hin und her schwankt. Man kann nur hoffen, dass der Zukünftige niemals Bilder dieses Events zu Gesicht bekommt.

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#8 Gäste im Bett in Thailand

In Thailand ist nach der Trauung erstmal nix mit Zweisamkeit. Dem thailändischen Brauch nach wird die gesamte Hochzeitsgesellschaft mit ins Schlafzimmer genommen, wo sich das älteste Ehepaar unter den Gästen erst einmal für eine Weile ins Bett legt. Danach wird das Bett dann gesegnet und auf besondere Weise hergerichtet: Geldmünzen, Sesam und Reis, ein Steinstößel sowie eine mit Regenwasser gefüllte Schale werden hineingelegt, und die müssen drei Tage lang mit im Bett bleiben, sonst gibt’s kein Glück in der Ehe.

#9 Nichts zu lachen in Kenia

Bei den Massai in Kenia hat die Braut während ihrer Hochzeit nicht viel zu lachen. Erst wird sie von ihrem eigenen Vater mit Milch bespuckt, um ihre Fruchtbarkeit zu stärken, und danach muss sie sich zu Fuß auf den oft weiten Weg bis zum Haus ihres Bräutigams machen – ohne sich umzuschauen, denn sonst könnte sie womöglich zu Stein erstarren! Beim Bräutigam angekommen, wird sie auch schon von seinen weiblichen Familienmitgliedern beschimpft und eventuell sogar mit Kuhmist eingerieben. Das soll sie auf eheliche Belastungen vorbereiten.