Hurra, er lebt noch! Bob Dylan zum 75.

Familie & Freizeit von Fabian am 25.05.2016

AN! was denkt man normalerweise, wenn man „1941“ hört? Klar, da war der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion, Konrad Zuse stellte in Berlin seinen ersten Computer vor, und in den USA wurde der allererste Fernsehwerbespot ausgestrahlt. Alles richtig, aber viel wichtiger für den weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte war die Geburt des größten Folksängers aller Zeiten. Bob Dylan – der Mann trug schon Dauerwelle, als die noch gar nicht erfunden war; Ray Ban-Sonnenbrillen würde heutzutage kein Mensch kennen, hätte der lichtscheue Rocker sie nicht schon in den 60er Jahren bei seinen Auftritten getragen. Vor allem aber hat er Generationen von Fans und Musikern begeistert und beeinflusst. Gerade erschien Dylans 37. Studioalbum und viele seiner Lieder und Alben sind Meilensteine der Musikgeschichte. Songs wie „Blowing in the Wind“ oder „Like a Rolling Stone“ kennt jedes Kind, die Alben „Highway 61 Revisited“ und „Blonde on Blonde“ finden sich unter den Top 10 der besten Alben aller Zeiten. Seit 1989 spielt er auf seiner „Never Ending-Tour“ weltweit rund 100 Konzerte im Jahr. Gestern feierte Bob Dylan nun seinen 75. Geburtstag, und da das Jahr 2016 bisher eher für den Abgang großer Persönlichkeiten in die ewigen Jagdgründe steht, ist das definitiv ein Grund zur Freude – HURRA!

Bob Dylan
Quelle: Christian Bertrand

Bob Dylans Karriere begann kometenhaft. Innerhalb kürzester Zeit avancierte er in den 1960er Jahren zum gefeierten Popstar. Größer waren damals eigentlich nur Elvis und die Beatles. Sicherlich ist er der größte noch lebende Songwriter. Dabei war Dylan immer so etwas wie der Anti-Star. Ein Mann und eine Akustikgitarre trällerten Folksongs gegen Krieg, Ungerechtigkeit und Rassismus. Natürlich führte er auch das Leben eines Rockstars, Frauen, Drogen und Partys – das hat er alles mitgenommen – aber das allein reichte Dylan nicht. Er entwickelte sich ständig weiter. Als er 1965 auf dem legendären Newport Folk Festival seine Gitarre in einen Verstärker steckte, waren die alten Fans schockiert; „Judas“, ist sogar auf späteren Konzertmitschnitten zu hören. Die Folkfangemeinde hatte ihren Messias an den Rock´n Roll verloren. Doch das war Bob Dylan egal, er wollte sich nie festlegen lassen. Die Musik stand im Vordergrund und er machte weiterhin das, wozu er Lust hatte. Außerdem gab ihm der Erfolg Recht, seine Platten eroberten die Charts, und er wurde weltberühmt. Ende der 60er Jahre begann er unter anderem mit John Lennon zu musizieren. Und nicht nur das: „Wir nahmen eine Menge Chemikalien, wie sie der Arzt für Entertainer und Sportler verschreibt“, kommentierte Bob diese Zusammenarbeit. Bewusstseinserweiterung ganz im Dylan´schen Stile. Ende der 70er, Anfang der 80er mutierte der Folkpopstar zwischenzeitlich zum christlichen Fundamentalisten. Auf seinen Konzerten predigte er das Paradies im Himmel und verurteilte Homosexualität. Ob er damals die falschen Drogen nahm oder einfach auf der verzweifelten Suche nach sich selbst war, lässt nicht genau sagen, glücklicherweise handelte es sich nur um eine kurze Phase. Auf jeden Fall blieb er sich treu und zog sein Ding durch. Er spielte für den Papst, drehte Werbespots für Victorias Secret und reiste zum Klassenfeind nach China. Und auch aktuell spaltet Bob Dylan mal wieder die Gemüter. Auf seinem neuesten Album „Fallen Angels“ singt er Lieder von Frank Sinatra. Dylan und Sinatra – das ist so ungefähr wie Schalke und Dortmund – und für die Fans nur schwer zu vereinbaren. Der gescheitelte und geleckte Mafia-Kumpel Sinatra in seinem Nadelstreifenanzug verkörpert so ziemlich alles, was die Hippie- und Alternativszene abstößt. Doch davon lässt sich Bob Dylan wenig bis gar nicht beeindrucken, und für alle Hasser und Besserwisser hat er die passende Botschaft: „All those evil motherfuckers can rot in hell!“ In diesem Sinne: Happy Birthday, Bob!