Jogginghosen – ein Alptraum aus Baumwolle und Synthetik

Familie & Freizeit von Fabian am 22.04.2016

AN!gezogen sieht nun wirklich anders aus. „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, stellte schon Modeikone Karl Lagerfeld fest. Folgte man dieser Aussage, so ist Kontrollverlust besonders unter Jugendlichen ein verbreitetes Phänomen, denn die Schlapperhose ist Teil der Alltagsgarderobe geworden. Normalerweise trägt man Jogginghosen, wie es der Name ja schon sagt, beim Sport, höchstens noch auf der heimischen Couch. Zugegeben, Sie sind bequem und man kann sich gut in ihnen bewegen, trotzdem gibt es keine Entschuldigung für das Tragen von Jogginghosen in der Öffentlichkeit, weil es einfach nur bescheiden aussieht. Seit geraumer Zeit ignoriert die Modebranche nun dieses Credo und hat das unsägliche Beinkleid zum angeblich straßentauglichen, modischen Assissoire erklärt. Stars und Sternchen lassen sich in Jogginghosen ablichten und sorgen zusätzlich dafür, dass Fans und andere Verblendete diesen Style für cool und angesagt halten. Das Ergebnis ist erschreckend: Scharen junger, leicht beeinflussbarer, junger Menschen folgen dem Diktat der großen Labels und Ketten und tragen diesen undefinierbaren Fetzen Stoff zu Hemd und T-Shirt, zu Sneakers und Halbschuhen. Es sind ja nicht einfach nur Jogginghosen, sondern die allerübelsten ihrer Art, die ihren Siegeszug in die Kleiderschränke der Jugendlichen feiern. Unten eng geschnitten und der Schritt bis in die Kniekehlen hängend, erinnert diese modische Verirrung an eine Mischung aus Skaterklamotte und Erwachsenenwindel, Marke Altersheim. Besonders die Hipsterszene greift hier natürlich gerne zu, denn was bescheuertes Aussehen betriff, sind Hipsters naturgemäß ganz vorne mit dabei.

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Beobachtet man die Vielzahl der Jogginghosenträger in ihren unterschiedlichen Ausprägungen, entsteht der Eindruck, es sei ein Ringen um den Preis des schlechtesten Geschmacks und des dämlichsten Outfits. Markenjunkies, Hipsters und Proleten – Schicht und Szene übergreifend scheinen alle miteinander im Wettstreit zu stehen. Derart entstellt bevölkern die Jünger der Werbeindustrie die öffentlichen Plätze, Bushaltestellen und Einkaufsmalls der Städte, und beleidigen mit ihrem Aussehen das Auge des Betrachters. Gut, es sind mehrheitlich Kinder und Jugendliche und die machen sowieso jeden Quatsch mit. In ein paar Jahren werden die meisten von ihnen mit Grauen auf die Fotos von heute schauen und sich nachträglich für ihre Verfehlungen schämen. Von daher sei ihnen diese Panne in ihrer Entwicklungsphase verziehen. Völlig daneben ist es allerdings, wenn erwachsene Menschen sich zu solch geschmacklichen Entgleisungen hinreißen lassen, um vermeintlich cool und trendy zu wirken. Was treibt einen jungen Mann dazu, Hemd und Sakko in Kombination mit einer Jogginghose zu tragen, die undefinierbar um die Hüften flattert und aussieht, als hätte er sich gerade selbst eingenässt? Wer glaubt, derart glamourös eingekleidet seinem künftigen Chef oder der Herzensdame imponieren zu können, hat wirklich die Kontrolle über sein Leben verloren. Frauen, die Jogginghosen tragen, geben beim Kauf des Liebestöters ihre Weiblichkeit, Grazie und den letzten Funken guten Geschmacks an der Kasse ab. Nach Gender Aspekten könnte man dem Ganzen sogar noch etwas Positives abgewinnen, denn die Jogginghose ist tatsächlich geschlechtsneutral – unterscheidet nicht nach Mann und Frau – alle sehen gleich dämlich aus.

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Der Spruch „Kleider machen Leute“ besaß selten mehr Gültigkeit, denn letztlich ist die Jogginghose eine Assiklamotte. Vor allem im Billigsektor setzen die Hersteller auf den Verkauf dieser Fashionhighlights, weil die entsprechende Käuferschicht traditionell sehr aufgeschlossen ist, was zweifelhafte Modetrends angeht. Von der obligatorischen Eastpack-Gürteltasche, über bunte Turnschuhe bis hin zu pinken Haarsträhnen macht das einschlägige Klientel jeden noch so zweifelhaften Mode-fauxpas mit. Eine besondere Vorliebe für das Tragen von Jogginghosen überrascht daher nicht. Da sich der Tagesablauf größtenteils zwischen Kiosk, Jobcenter und heimischer Couch abspielt, ist die Jogginghose die Allzweckwaffe, um den gesellschaftlichen Herausforderungen des Alltags gewachsen zu sein. Wie ist diesen Verwirrten aus allen Schichten zu helfen? Ein bundesweites Verbot von Jogginghosen in der Öffentlichkeit lässt sich demokratisch leider nicht durchsetzen. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit und ähnliche Paragraphen sichern ihre Existenz. Strafanträge wegen Verletzung der Menschenwürde, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder persönliche Beleidigung hätten wenig Aussicht auf Erfolg. Rechtlich lässt sich das Problem also nicht in den Griff bekommen. Letztlich kann man nur an die Vernunft der Jogginghosenträger appellieren und hoffen, dass sie irgendwann einsichtig werden. Aufklärung ist der erste Schritt in Richtung Ausstieg aus dem Modesumpf, doch die Betroffenen werden das alleine nicht schaffen. Wie bei Alkoholikern, ausgestiegenen Neonazis und resozialisierten Straftätern darf unsere Gesellschaft nicht wegsehen, sollte den ehemaligen Jogginghosenträgern die Hand reichen, und sie auf ihren ersten Schritten zurück in die Zivilisation begleiten. Auf Facebook gibt es Gruppen wie „We love Jogginghosen“, in denen sich Gleichgesinnte austauschen können. Klar, hierbei geht es in erster Linie darum, sich gegenseitig zu versichern, wie geil man in der Assihose aussieht, aber vielleicht hat das sich gegenseitig den Spiegel vorhalten ja auch therapeutische Auswirkungen, und bei dem einen oder anderen wird dadurch ein Denkprozess initiiert. Im Sinne des Allgemeinwohles und um die Erhaltung unserer zivilisatorischen Errungenschaften zu garantieren, wäre dies äußerst wünschenswert.