Kindernamen – oder warum ich für Nummern plädiere

Familie & Freizeit von Fabian am 08.02.2016

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Kinder sollen vor Neid erblassen und ihren Eltern die Kinnlade runterfallen, wenn sie diesen Namen hören. Doch wie lautet der richtige Kindername? Das eigene Kind ist einzigartig und das muss im Namen unbedingt zum Ausdruck kommen. Was als Idee noch nachvollziehbar klingt, endet in der Realität häufig im Desaster, und wird für das gepeinigte Kind zur lebenslangen Geisel. Auf der Suche nach einem unbekannten, noch nie verwendeten, aber möglichst wunderschön klingendem Namen laufen werdende Eltern zur Höchstform auf. Umfragen werden gestartet, Namensbücher studiert und aufmerksam jeder Film, jedes Lied und Buch gescannt, um die richtige Inspiration zu bekommen. Das Ergebnis ist oft ernüchternd und verantwortungslos den Kinder gegenüber, die die geistigen Verwirrungen der Eltern ausbaden müssen. Wie ein vergilbtes Tattoo aus längst vergangenen Tagen, das man bereut, haftet dann der Name als Signum der Geschmacklosigkeit ihrer warum auch immer Erziehungsberechtigten an den jungen Heranwachsenden. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Alle Namen sind irgendwann schon einmal dagewesen, und wenn ein Name nicht populär ist, oder es ihn schlicht nicht gibt, dann aus gutem Grund. Entweder klingen sie nicht gut oder sie haben eine zweifelhafte Bedeutung. Luzifer und Hitler mögen in anderen Teil der Welt durchgehen, aber in Deutschland tun sich die Ämter schwer bei diesen Namen.

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Okay, Sandy und Kevin – beliebte Namen in Ostdeutschland – sind jetzt auch nicht der Hit, aber zumindest handelt es sich um Namen, die als solche noch erkennbar und vertretbar sind. Die Eltern wollten etwas westlichen Glanz in den tristen Maueralltag bringen, und Ronny und Jaqueline klingen lediglich in unseren Breitengraden befremdlich, anderswo würden sie nicht auffallen. Das viel ernstere Problem ist die Kombination von Namen mit – ja, mit was eigentlich? Was bringt Eltern dazu, ihre Tochter Shanna Lillian Melody Sunshine zu nennen? Lisa-Peyton klingt wie eine Schlangengattung, Luna Sky nach einem Parfüm, und Latitia Tyreen könnte auch ein Games of Thrones-Charakter sein. Mein persönliches Highlight: Tatum Fortuna Ventura! Vielleicht hätten Gespräche mit den Eltern im Vorfeld, die über die Tücken der Namensfindung aufklären, das Schlimmste verhindern können. Justus Angel, Lennox-Udo und Romeo Percy Zantia – jeglicher Kommentar überflüssig. Ganz schlimm wird es beim Versuch mit anderssprachigen, exotisch klingenden Namen dem eigenen Sprössling einen Hauch von internationalem Jet-Set zu verleihen. Mit den Namen Booker Jay, Lucy-Savanna und Jeremy Stean ist die Karriere in der Pornobranche quasi schon vorprogrammiert.

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Letztendlich ist Uwe Ochsenknecht mit schuldig am Namenswirrwarr. Alles begann vor 25 Jahren mit der Geburt seines ersten Sohnes Wilson Gonzales, und es wurde danach nicht besser, Jimmy Blue und Cheyenne Savannah heißen seine weiteren Kinder. So viel kann man eigentlich gar nicht trinken, um auf derartig bescheuerte Namen zu kommen. Man muss sich stets die Kombination mit dem Nachnamen vergegenwärtigen: OCHSENKNECHT. Dass ihn noch keines seiner Kinder dafür umgebracht hat, ist erstaunlich. Wie dem auch sei, Prominente finden natürlich viele Nachahmer. Fans benennen ihre Kinder nach den Idolen oder deren Kindern. Vor allem im Niedrighirnsektor ist diese Art von Namen weit verbreitet. Wie Kleidung und Aussehen sagen auch Namen viel über das betreffende Klientel aus. Wenn Madonna-Princess aus Köln-Kalk und Rocco-Elvis aus Berlin-Hohenschönhausen sich paaren, kann man sich ausmalen wie die Namen des Nachwuchses lauten werden.

Kindernamen

Aber das soll hier nicht zum Sozialbashing ausarten; Bildung und Geld allein schützen nicht vor den Fallen der Namensgebung. In bürgerlich-akademischen Kreisen herrscht grundsätzlich dasselbe Problem: Die lieben Kleinen sollen durch repräsentative Namen entsprechend gewürdigt werden. Statt dem Assitouch kommt bei diesen Eltern die Wir-sind-was-Besseres-Attitude durch. Anton-Leander und Emil lassen Emma Ida Sophie Magdalena und Lilith-Elisa Ingrid nicht mit ihrem Holzspielzeug spielen. Zum Glück kommt es aber zu keiner handfesten Auseinandersetzung, denn die kleinen Tausendassas diskutieren das wie zivilisierte Menschen bei grünem Tee und veganer Currywurst aus – und wahrscheinlich auf Chinesisch. Man weiß wirklich nicht, was besser ist. Letztendlich geht es um die Kinder und um den Schutz ihrer Würde. Wie die Kindstaufe ist auch die Kindsnamensgebung deshalb strikt abzulehnen. Über die Köpfe Unmündiger hinweg entscheiden Erwachsene über zukunftsweisende Dinge. Denn genauso wenig wie ein Baby weiß, ob es später als Kreuzritter gen Mekka ziehen möchte, oder als Märtyrer westliche Städte in die Luft jagen, genauso wenig hat es konkrete Vorstellungen vom eigenen Namen. Deshalb plädiere ich dafür, Neugeborene einfach durchzunummerieren. Es erspart den Eltern einen unglaublichen Stress, entledigt sie von der großen Verantwortung, einen angemessenen Namen zu finden, und den Kindern hält es alle Möglichkeiten offen, sich zu gegebener Zeit selbst den passenden Namen zu geben.