Krank im Urlaub – Wieso passiert uns das immer und was können wir dagegen tun?

Familie & Freizeit von Daniel am 01.12.2016

Kennen wir das nicht alle? Endlich ist der lang ersehnte und wohlverdiente Urlaub gekommen, fängt der Hals an zu kratzen, das erste Husten ist zu vernehmen und einen Tag später liegen wir flach. Kein Jammern und Fluchen der Welt wird etwas daran ändern können: Wir sind mal wieder krank im Urlaub und dürfen alle angenehmen Termine canceln und die Pläne über Bord werfen, auf die wir uns so gefreut hatten.

Leisure sickness - Krank im Urlaub
Leisure sickness – Krank im Urlaub

Psychologen haben für dieses ärgerliche Phänomen sogar einen Fachbegriff erfunden: Leisure sickness, zu deutsch Freizeitkrankheit – körperliche Krankheitssymptome, die mit besonderer Vorliebe an Wochenenden oder in den Ferien auftreten. Üblicherweise bestehen diese aus grippeähnlichen Effekten wie Übelkeit, Migräne, Kopf-, Muskel und Gliederschmerzen. Professor Ad Vingerhoets, Spezialist für Psychologie und Gesundheit an der Tilburg Universität in Holland hat begonnen zu untersuchen, warum man immer krank im Urlaub wird, nachdem er festgestellt hatte, dass er selber unter „leisure sickness“ leidet. „Mir fiel auf, dass ich nur sehr selten krank war und die Symptome immer Freitag nachmittags um fünf Uhr begannen und Montag morgens vorbei waren“, erklärt er. “Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester schien meine Lieblingszeit zu sein, um krank zu werden.“ Er begann in seinem Bekanntenkreis herumzufragen und merkte, dass er nicht allein davon betroffen war.

Gewohnheiten weichen ab

Nach einer Studie mit mehr als 1800 Teilnehmern, kam er zu dem Ergebnis, dass etwa 3 Prozent der Menschheit darunter leidet, dass sie ständig krank im Urlaub sind. Vingerhoets fand dabei heraus, dass es die Persönlichkeitsstrukturen der Betroffenen Gemeinsamkeiten aufwiesen: Sie alle hatten sehr hohe Ansprüche an ihre Arbeit, waren perfektionistisch und trugen viel Verantwortung, weshalb sie ihre Arbeit gedanklich in der Freizeit nicht hinter sich lassen konnten.“ Es gibt meiner Meinung nach drei Erklärungsansätze,“ führt Vingerhoets weiter aus.“ Es könnte Zusammenhänge mit abweichenden Lebensgewohnheiten am Wochenende und im Urlaub geben, wie beispielsweise mehr oder weniger Schlaf, Kaffee oder Alkohol. Es ist allerdings auch anzunehmen, dass die Aufmerksamkeit des Gehirns während der Arbeit von Körpersignalen abgelenkt wird, in ruhigeren Phasen dagegen die Signale empfangen und als Symptome interpretiert werden.“

Körper in Alarm

Die dritte Theorie besagt, dass der Körper schlicht und ergreifend in „Alarmbereitschaft“ bleibt, wenn man eigentlich zur Ruhe kommen sollte. „Wir fanden heraus, dass Leute mit mehreren diffusen Beschwerden ihren Adrenalinhaushalt nicht reduzieren konnten. Es scheint offenbar, dass überschüssige Energie unserer Gesundheit schaden und unser Abwehrsystem schwächen kann.“

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Dass unser Immunsystem unter Stress anders funktioniert, ist allgemein bekannt, es fällt allerdings auf, dass wir ja erst krank werden, nachdem das Stressniveau wieder gesunken ist. Das Stresshormon Cortisol wirkt sich in doppelter Hinsicht auf unser Immunsystem aus: Zum einen erhöht es die Anfälligkeit für Viren und Bakterien, zum anderen unterdrückt es die Immunantwort, was die Erklärung für das verzögerte Ausbrechen des Infektes ist. Macht auch durchaus Sinn: Unsere Vorfahren hätten es häufig mit dem Leben bezahlt, wenn sie in körperlich aktiven Phasen krank geworden wären.

Stressmanagement lernen

„Während einer Stressphase kann man sich durchaus mit Erregern anstecken“, erklärt Hartmut Schächinger, Mediziner und Stressforscher der Universität Trier. „Weil Stresshormone wie Cortisol die Immunantwort unterdrücken, können allerdings die Symptome zunächst ausbleiben, etwa die einer Erkältung.“ Vingerhoets fand heraus, dass diejenigen, die früher oft krank im Urlaub waren, mittlerweile aber nicht mehr von dem Syndrom betroffen sind, ihr Arbeitspensum endweder reduziert oder ihr Arbeitsmanagement verändert haben und aufmerksamer auf Signale achten, die ihnen zeigen, dass sie kürzer treten sollten. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Sarah Brewer ist ebenfalls der Meinung, dass Prävention besser funktioniert als Heilung. „Als ich noch in Krankenhäusern gearbeitet habe und sehr gestresst war, wusste ich schon im Vorraus, dass ich ein paar Tage lang krank werden würde, wenn ich eine Pause einlege. Manchmal kann man einfach nichts dagegen tun.“

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Besser vorsorgen

Sie empfiehlt, bereits vor Antritt der Reise, alle denkbaren Maßnahmen zu ergreifen, um Stress zu kompensieren, wie beispielsweise Sport zu treiben. „Körperliche Betätigung setzt den Alarm-Mechanismus des Körpers außer Kraft,“ sagt sie. Desweiteren rät sie dazu, das Immunsystem durch gesunde Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel zu unterstützen, viel Obst und Gemüse zu sich zu nehmen und auf Omega-3-Fettsäuren zu achten. Sibirischer Ginseng soll ihrer Meinung nach den Körper bei der Stressadaption unterstützen und erkältungen abwehren. „Vitamin C kann Menschen sowohl unter physischem, als auch unter mentalem Stress helfen, der dessen Speicher ebenfalls leert. Einer kürzlich vom Magazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie zufolge kann Echinacea die Erkältungschance um 50 Prozent reduzieren.“

Ick brauch‘ keen Hawaii

Des Weiteren empfiehlt sie, darauf zu achten, wo man seine Ferien verbringt, um nicht im Urlaub krank  zu werden. „Wieso sollte man eine weite Strecke bis ans andere Ende der Welt fliegen, nachdem man viel Stress ausgesetzt war? Das Immunsystem wird unterdrückt, man ist während des Fluges Keimen ausgesetzt und noch mehr von ihnen gibt es, wenn man am Ziel ankommt. Ich empfehle, den Urlaub in der Nähe zu verbringen. Oder warum nicht einfach mal zu Hause entspannen, herumhängen, ein bisschen Gartenarbeit erledigen und spazieren gehen?“