Krawall und Remmidemmi am 1. Mai

Familie & Freizeit von Fabian am 03.05.2016

AN! was denkt man zuerst beim Stichwort „1. Mai“? Richtig, dieser abartige April ist endlich vorbei. Wettermäßig hat der Monat seinem Namen wirklich alle Ehre gemacht. Es gab Tage, an denen zogen gleich alle vier Jahreszeiten nacheinander an einem vorbei. Unmöglich, passende Kleidung auszusuchen, ganz abgesehen davon, dass es einem buchstäblich die Stimmung verhagelte. Gibt es irgendjemanden, der nicht erkältet war in den letzten vier Wochen? Egal, der April ist Vergangenheit, der Mai ist endlich gekommen, mit ihm die Sonne, und wie jedes Jahr begann der Wonnemonat traditionell auch mit Krach und Lärm. Die Demonstrationen und Festumzüge am 1. Mai treiben vor allem in den Städten die Menschen auf die Straße. Die meisten tanzen, wollen Spaß haben oder mit dem Bollerwagen umherziehen. Andere wiederum besinnen sich auf die Herkunft dieses Feiertages und lassen es ordentlich krachen. Ursprünglich war der 1. Mai nämlich der Tag der internationalen Arbeiterbewegung. An diesem Tag waren irgendwann Mitte/Ende des 19. Jahrhundert einst die Arbeiter auf die Straße gegangen und hatten für den Achtstundentag protestiert. Seitdem gilt der Maifeiertag im linken und Arbeitermilieu auch als Revolutionärer 1. Mai. Und auch heute noch ziehen Gewerkschaften, Arbeitnehmerverbände, linke Parteien und romantische Sozialrevolutionäre mit ihren Fahnen durch die Straßen, um für die Rechte und den Schutz von Arbeitnehmern, gerechtere Löhne, die berufliche Gleichstellung von Frauen und dergleichen zu demonstrieren. Aus diesen ehemals, vorwiegend friedvollen Umzügen entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten immer heftigere Ausschreitungen zwischen meist linken Randalierern und den staatlichen Organen. Überall auf der Welt kann man die gleichen Szenen am 1. Mai beobachten, Vermummte, die sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern, fliegende Pflastersteine, Wasserwerfer, Chaos, so auch dieses Jahr. In Istanbul forderten die Krawalle sogar einen Toten. Ein 57jähriger Passant wurde dort tragischer Weise von einem Panzer überrollt. Und auch sonst gab es weltweit wieder zahlreiche Verletzte, Sachschäden und Festnahmen durch die Polizei.

Maidemonstrationen
Quelle: Sadik Gulec

Stichwort Panzer. Es wird oft vergessen, wem wir hierzulande den Maifeiertag zu verdanken haben. Der Österreicher Adolf Hitler bestimmte den 1. Mai kurz nach seinem Machtantritt als Reichskanzler 1933 zum gesetzlichen Feiertag in Deutschland. Damit wollte er die traditionell eher linke Arbeiterschaft auf seine Seite ziehen. Hat ja geklappt, und so profitieren wir heute noch vom zweifelhaften Erbe der Nazis. Wer hätte das gedacht? Andererseits gibt es auch noch den Majestätsbeleidigungsparagraphen aus Kaisers Zeiten, wie Jan Böhmermann gerade erfahren musste, und in Hessen könnte theoretisch immer noch die Todesstrafe verhängt werden. Da ist ein Feiertag nicht das schlechteste Überbleibsel aus dunklen Zeiten. Zurück in die Gegenwart. Aus dem einstigen politisch motivierten Mob auf der Straße ist mittlerweile so etwas wie eine Spaßguerilla geworden. Ging es früher noch um Programme und Überzeugungen, verkommt der 1. Mai heute mehr und mehr zum Ausflugsziel für Gewalttouristen. In Deutschland stehen besonders Hamburg und Berlin für die Maikrawalle, was sicherlich mit den dortigen besonders zahlreichen beziehungsweise starken linken Zentren, Hausbesetzerszenen und alternativen Milieus zu tun hat. Alljährlich sammeln sich dort die Gewaltbereiten aus dem gesamten Bundesgebiet. Unter den Randalierern, die ihrem Unmut oder ihrer Lust freien Lauf lassen, sind aber auch Rechtsradikale und Neonazis, die die Gelegenheit nutzen für ihre Aufmärsche, wie dieses Jahr verhältnismäßig zahlreich in Plauen, und daran erinnern, dass der 1. Mai ursprünglich ein nationalsozialistischer Feiertag ist. Das ändert aber nichts daran, dass die Maikrawalle generell ein linkes Phänomen sind. Und das ist auch nicht wirklich überraschend, denn nach ihrem kurzen Ausflug in den Faschismus hat sich die Arbeiterschaft nach 1945 wieder auf ihre eigene Geschichte besonnen und fühlt sich längst wieder von eher linken Kräften vertreten, zumindest gilt das für die Masse. Wenn das der Führer wüsste…