Medienkonsum bei Kindern – was ist schädlich und was sogar förderlich?

Familie & Freizeit von Daniel am 24.10.2016

Wann sind Kinder im richtigen Alter für den Umgang mit elektrischen Geräten? Ist es sinnvoll sich schon früh im täglichen Umgang daran zu gewöhnen? Es gibt unzählige Debatten, die sich mit den Vor- und Nachteilen befassen und es ist fast unmöglich, eindeutig Stellung zu beziehen, ob Medienkonsum bei Kindern Schaden verursacht oder nicht. Bei der rasanten Entwicklung der neuen Technologien hat es auch die Wissenschaft nicht leicht, auf dem neuesten Stand zu sein.

Kinder auf dem Teppich mit Tablet

Es führt zunächst natürlich überhaupt kein Weg an moderner Technologie vorbei, Kinder müssen sich in gewissem Maße damit befassen, soviel steht außer Frage. Es bleibt vielmehr zu klären, welchem Zweck Medienkonsum bei Kindern dient, wann einfach eindeutige Vorteile entstehen, wie die Ersparnis von Papier und in welchen Bereichen die Folgen noch gar nicht abwägbar sind.

Früh übt sich

Die Versessenheit auf neue Technologien haben alle aktuell Aufwachsenden gemeinsam. Medienkonsum bei Kindern ist eine absolute Selbstverständlichkeit geworden. Sie werden mit Computern groß und Eltern müssen keine offenen Türen einrennen, um sie an das Thema heranzuführen. Es ist verblüffend, wie souverän schon vierjährige auf ihren Smartphones herumtippen oder Spiele auf Tablets spielen. Bedienungen werden intuitiver, grafische Oberflächen faszinierender.

Was der Bauer nicht kennt….

Lange Zeit herrschte unter Eltern weltweite Besorgnis wegen des Konsums von Zeichentrickfilmen, da der Verdacht bestand, die Fantasie würde darunter leiden und die Filme hätten einen nachteiligen Effekt auf die Entwicklung des Gehirns. Inzwischen haben zahlreiche Studien das Gegenteil belegt und das gleiche gilt für Medienkonsum bei Kindern: Technologien sind um einiges interaktiver als Zeichentrickfilme und die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich. Klassische Beschäftigungsmethoden wie Malbücher sind ohne Probleme sehr viel umweltfreundlicher auf einem Tablet realisierbar, und das ist erst der Anfang. Lernprogramme sind inzwischen fast bis zur Perfektion ausgereift, und ein Schulalltag ohne Heft und Stift ist absolut nicht mehr unvorstellbar.

Kind mit Laptop am Strand

Motorik wird gefördert

Selbst solange Kinder nur Videospiele spielen, trainieren sie ihre Finger, Hände und motorischen Fähigkeiten, was definitiv gesund und von Vorteil ist. In einem US-Kindergarten wurde 2011 bereits ein Experiment durchgeführt, was für Gesprächstoff unter Experten geführt hatte: Probeweise wurde ein kompletter Jahrgang mit Tablet-Rechnern ausgestattet. Medienkonsum bei Kindern gefährdet die Entwicklung, sagen die einen. Tablets ermöglichen besseres Lernen, meinen die anderen.

Langeweile macht kreativ

Der US Psychologe Jim Taylor warnt in seinem neuesten Elternratgeber „Raising Generation Tech – Preparing Your Children For a Media-Fueled World“ bereits vor dem iPhone-Syndrom „Die Kinder lernen: Wenn sie quengelig sind, werden sie unterhalten. Was sie nicht lernen ist, geduldig zu sein oder gar ihrer Langeweile aus eigenen Stücken mit eigenen Ideen zu entfliehen.“ Diese These untermauert auch der Hirnforscher Gerald Hüther, der der Meinung ist, dass prinzipiell jedes Kind hochbegabt, ADHS eine Gesellschaftskrankheit ist und Langeweile die Entwicklung stärker fördert als frühe Lernexzesse:“ Im Grunde ist die ganze Kindheit davon geprägt, dass Kinder herausfinden, was sie alles können und wer sie selbst sind. Dafür muss man ihnen Raum geben, Spielräume schaffen, Freiräume, in denen sie nicht mit Erwartungen, Absichten, Zielen oder Ideen von außen konfrontiert werden.“ erklärt er gegenüber der WELT.

Mutter und Kind mit TAblet

Medienkonsum bei Kindern kann gefährlich werden

Christian Fricke, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums Werner Otto Institut in Hamburg hält die Folgen unter Umständen für weitaus drastischer: „Motorische Unruhe, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen: Das sind klassische Symptome, die auch durch falschen Mediengebrauch entstehen“. Das Elternratgeber-Projekt „Schau hin“ (http://www.schau-hin.info/) rät dringend davon ab, Kinder unter 2 Jahren überhaupt vor den Bildschirm zu setzen. Allerdings ist Fricke der Meinung, dass Verbote keinen Sinn machen und man eher positiv argumentieren und das Kind in seinen vorhandenen Interessen unterstützen muss. Auch von strikten Zeitvorgaben hält er wenig: „Wichtig ist weniger, wie lange ein Kind zum Beispiel fernsieht oder spielt, sondern was es schaut und spielt.“ Bei kindgerechtem Inhalt wäre das gleichgültig. „Kommt jedoch Gewalt darin vor, richtet das schnell Schaden an“.

Nützlicher Medienkonsum bei Kindern

Natürlich kann Medienkonsum bei Kindern auch produktiv sein. Der pädagogische Verein SIN – Studio im Netz e.V. (https://www.studioimnetz.de) zeichnet seit 1998 pädagogisch wertvolle Online-Angebote sogar aus und auf www.kindersoftwarepreis.de sind die Träger des Kindersoftwarepreises TOMMI zu sehen. Wichtig ist, dass die Medien Farben, Phantasie, Geschichten und Abenteuer nicht ohne eigene Anstrengung servieren, sondern die Kinder selber kreativ werden. Simulierte Erfolgserlebnisse sind ein Hauptgrund für Internetsucht, da sie eine direkte Auswirkung auf das Belohnungssystem im Gehirn haben und entsprechende Erlebnisse im wahren Leben nicht zu erreichen sind.

Kreativität fördern

Viele Programme und Portale geben den Kindern dagegen die Chance, selber schöpferisch tätig zu werden. Comics zeichnen, Fotografieren, das Formen von Figuren aus virtuellem Knetgummi oder das Drehen und Schneiden eigener Spots sind hier nur einige der vielfältigen Beispiele. „Wenn Kinder Kompetenzen bei der Nutzung moderner Medien erwerben sollen, dann müssten also Programme entwickelt werden, die ihnen Gelegenheit bieten, etwas zu gestalten oder zu erstellen.“ erklärt Prof. Dr. Gerald Hüther in diesem Zusammenhang.