Ooooh, Champs Elysees…Endlich EM!

Familie & Freizeit von Fabian am 10.06.2016

AN!pfiff zum (zweit)größten Fußballereignis der Welt. Alle zwei Jahre, entweder zur EM oder WM, tritt man für vier Wochen in einen Zustand der Glückseligkeit, der seinesgleichen sucht. Einen Monat lang Fußball, rund um die Uhr – gibt es etwas Schöneres! Heute startet nun endlich die EM in Frankreich. Um 21 Uhr empfängt der Gastgeber im Eröffnungsspiel in Paris den Außenseiter Rumänien zum ersten von 51 Spielen. Ja, 51 Spiele. Erstmals in der Geschichte der Fußballeuropameisterschaft nehmen 24 Mannschaften teil, statt zuvor 16. Daher auch die hohe Anzahl an Spielen. Das soll gar keine Beschwerde sein, mitnichten, je mehr Spiele desto besser. Viel Feind, viel Ehr! Schließlich sind wir Weltmeister und als solcher gibt es für uns ohnehin nur potentielle Opfer. Jawohl! Auf geht´s. Jogis Jungs sind bis in die Haarspitzen motiviert und die Fans sowieso. Deutschland ist natürlich einer der Topfavoriten auf den Europameistertitel, neben Gastgeber Frankreich, den Titelhamstern aus Spanien und dem so genannten Geheimfavoriten Belgien. Ich persönlich habe auch noch England auf der Rechnung, obwohl es irgendwie gegen sämtliche Naturgesetze verstieße, wenn die angeblichen Erfinder des Fußballs tatsächlich mal was reißen würden. Außer dem durch Lug und Betrug erschlichenen Weltmeistertitel 1966 gegen die deutsche Elf – Stichwort Wembley Tor! – haben die Insulaner aus dem nicht-europäischen Ausland nichts vorzuweisen. Zugegeben, einen richtigen Lauf haben wir seit dem Weltmeistertitel 2014 auch nicht gerade hingelegt. Bilanz seitdem: 19 Spiele – 10 Siege, 7 Niederlagen, 2 Unentschieden. Weltmeisterlich sieht anders aus, schön war´s selten. Sieht man mal von dem grandiosen 4:1-Sieg gegen Italien im März 2016 ab, war es meist schwere Kost für den verwöhnten deutschen Fußballfan. Schließlich hatte unsere Elf in den letzten Jahren sensationellen und begeisternden Fußball geboten. Große Spiele gegen Brasilien, Argentinien und England in denen sich Jogis Jungs in einen regelrechten Rausch spielten und am Ende völlig verdient Weltmeister wurden. Irgendwie bekommt man so ein wenig den Eindruck, die Jogi Löw-Erfolgsgeschichte könnte nun auch vorbei sein.

Die Mannschaft_EM_Frankreich_2016
Quelle: dfb.de

Aber sind die Unkenrufe berechtigt? Traditionell spielen die meisten Gewinner großer Titel in der Zeit danach nicht überzeugend. Oft ist die Luft raus; die Anspannung fehlt. Dazu hatte die deutsche Nationalmannschaft einen großen Umbruch zu bewältigen und zudem echt Pech. Immer wieder Verletzungen. Erst Boateng, Hummels angeschlagen, dann der EM-Ausfall von Reus, jetzt erwischte es auch noch kurzfristig Antonio Rüdiger; dazu haben Leistungsträger wie Klose, Mertesacker und vor allem Capitano Philipp Lahm ihre Nationalmannschaftskarrieren beendet. Insbesondere der Weggang von Lahm hat auf der rechten Abwehrseite eine Lücke hinterlassen, die bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht adäquat besetzt werden konnte. Die Abwehr sah in letzter Zeit generell alles andere als stabil aus. Nun muss wieder umgestellt werden nach dem Ausfall von Rüdiger. Neu-Bayer Hummels fehlt sowieso die ersten ein, zwei Spiele. Neu-Capitano Bastian Schweinsteiger hat seit Monaten nicht mehr gespielt. Ob er rechtzeitig fit wird, und ob überhaupt noch ein Platz für ihn im Mittelfeld gefunden wird, darf beides angezweifelt werden. Links offensiv drängt sich nach der Verletzung von Marco Reus auch niemand wirklich auf. Schürrle, Podolski oder vielleicht Götze? Keiner hat bleibenden Eindruck hinterlassen; am engagiertesten zeigt sich noch Julian Draxler auf der von ihm eigentlich ungeliebten Position. Gomez oder Götze im Sturmzentrum? Auch da gibt es noch keine eindeutige Präferenz bei Jogi Löw. Fazit: Zwei Tage vor dem ersten Spiel der deutschen Elf in Lille gegen die Ukraine ist die halbe Mannschaft noch eine Baustelle.

Aber all das ist kein Grund, um sich die Vorfreude auf die EM nehmen zu lassen. Wir sind doch eine Turniermannschaft! Oft zitiert, noch öfter bewahrheitet, sollte uns das optimistisch stimmen. Vor zwei Jahren waren Schweini und Khedira auch nicht fit, Klose im Sturm fraglich, und wir hatten keinen echten Linksverteidiger, doch die Mannschaft hat sich im Laufe der WM gesteigert und ist überzeugend der verdienteste Weltmeister aller Zeiten geworden. Klose wurde WM-Rekordtorschütze, Höwedes der beste Linksverteidiger der Welt, und die Bilder des blutverschmierten, im Finale die Argentinier niederkämpfenden Schweinsteigers rührt einen heute noch zu Tränen. Deshalb steht der Europameister eigentlich auch schon fest. In diesem Sinne: Allez l’allemagne!