Wie sich Silvesterbräuche weltweit unterscheiden

Familie & Freizeit von Daniel am 23.11.2016

Raclette, Feuerzangbowle und Bleigießen am Abend, nachts Böllern und das ganze in Verbindung mit einer netten Party –  so sieht der typische Silvesterabend in Deutschland aus. In fernen Ländern kann das allerdings ganz anders aussehen. In Bulgaren schlägt man sich beispielsweise mit Ästen auf den Rücken, Chinesen werfen Mandarinen ins Meer. Ihren Ursprung haben alle Rituale und Bräuche im Aberglauben, und sie sollen Segen und eine bessere Zukunft bringen. Ob man daran glaubt oder nicht: Eine Menge Spaß macht das ganze definitiv – vorausgesetzt, man verschluckt sich nicht an einem tödlichen Mochi-Kloß, wie sie in Japan traditionellerweise serviert werden.

Weintrauben und Sektgläser

Spanien

Während die Deutschen ihr Glück heraufbeschwören, indem sie die Form von Bleiklümpchen interpretieren oder sich Marzipanschweinchen schenken, sind die Spanier bei ihren Traditionen ein wenig einfallsreicher: Um Mitternacht schlagen die Glocken zwölfmal, und es muss bei jedem Läuten eine Weintraube verzehrt werden. Verzählt man sich, wird das neue Jahr Unglück bringen, hat man es geschafft, im richtigen Rhythmus zu bleiben, darf man sich etwas wünschen. Straßenhändler schlagen aus der Tradition ein Geschäft und verkaufen Trauben in Zwölferpacks zu Wucherpreisen in Kneipenvierteln.

Bulgarien

Die Bulgaren schlagen sich aus anderen Gründen auf den Rücken – und zwar mit einem geschmückten Ast des Kornelkirschbaums, der sogenannten Surwatschka. Damit ziehen Kinder von einem Haus zum anderen, um den Bewohnern Reichtum, Gesundheit und Fruchbarkeit zu wünschen, während sie ihnen leichte Schläge mit dem besagten Zweig verpassen. Im Gegenzug bekommen sie Süßigkeiten, Früchte oder ein wenig Kleingeld.

Sylvesterbräuche

Griechenland

Die Griechen backen eine Münze in die sogenannten Vasilopita ein, ein sehr reichhaltiges Kuchenbrot, das traditionell an Silvester gebacken wird. Aufgrund eines alten Brauches wird eine Münze in die Vasilopita gebacken, welche demjenigen, der sie in seinem Stück findet, im neuen Jahr besonders viel Glück beschert. Hintergrund des Ritus ist die Geschichte des Bischofs Vassilios, der die Reichen des Landes bat, den unverhältnismäßig hohen Steueranteil der Armen an die Römer zu übernehmen, der deren Verhältnisse bei weitem überstieg und sie ansonsten in den Ruin getrieben hätte. Die Reichen zeigten sich tatsächlich spendabel und Vassilios konnte dem römischen Präfekten die gesammelten Gold- und Schmuckstücke überbringen. Dieser war von der rührenden Story dermaßen überwältigt, dass er sich kurzerhand entschloss, die Steuer zu erlassen. Da die Besitzer nicht mehr nachvollziehbar waren, wurden die Münzen in Brote gebacken und unter den Armen verteilt.

China

Was für eine Verschwendung: In manchen Regionen Chinas werfen unverheiratete Menschen Mandarinen ins Meer, um ihrem Liebesglück auf die Sprünge zu helfen. Manchmal wird die Frucht sogar mit dem Namen des Sehnsüchtigen versehen, damit der Finder sich gezielt auf die Suche nach dem begehrten Unbekannten machen kann. Ansonsten wird Silvester eher moderat im Kreise der Familie und ohne Geböller gefeiert. Umso größer wird das nach dem traditionellen chinesischen Lunisolarkalender berechnete Neujahrsfest gefeiert, bei welchem sich Millionen von Chinesen auf Wanderung begeben und ihre Heimatdörfer besuchen. Die Vorbereitungen beginnen schon viele Tage vor dem Fest, und mindestens eine Woche lang kommt das Kaiserreich praktisch zum Stillstand. Am Vorabend des Festes werden an Geldstücke erinnernde kleine Teigtaschen gebacken, die zu Glück und Reichtum verhelfen sollen.

Tschechien

Auch in Tschechien wird eine Frucht zweckentfremdet, um in das nächste Jahr glücklich zu beginnen. Ähnlich wie hierzulande das Bleigießen, übernimmt dort ein Apfel die Funktion eines Orakels: Er wird waagerecht in der Mitte durchgeschitten und die Form seines Kerngehäuses untersucht. Sieht es aus wie ein Kreuz, bedeutet das Unheil, bei Sternform kann auf ein gesegnetes neues Jahr gehofft werden. Wie in vielen anderen Ländern auch, werden hier traditionell Linsen gegessen, die Geld symbolisieren.

Japan – einer der gefährlichsten Silvesterbräuche weltweit

In Japan kann Silvester nicht nur aufgrund von fehlgeleiteten Raketen oder Böllern gefährlich werden: Im Jahr 1998 erstickten 21 Leute an den traditionell am Neujahrsmorgen servierten klebrigen Reißklößen Mochi. Die Feuerwehr rät deshalb dazu, ältere Menschen beim Verzehr zu beaufsichtigen oder die Mochi vorzugsweise kleingeschnitten in Suppen zu essen. Falls es doch zu Erstickungsanfällen kommt, soll man versuchen, den Mochi mit der Hand aus dem Rachen zu entfernen oder das auf dem Boden liegende Opfer mit fünf Schlägen zwischen die Schulterblätter behandeln, um sie so vor dem Mochi-Tod zu bewahren.

Mochi in Japan

Italien

Auch wenn diese obligatorische italienische Silvestertradition nicht gleich auffällt, ist sie doch eine der ungewöhnlichsten: Wer hier in ein glückliches, gesundes neues Jahr starten will, tut das in roter Unterwäsche. Von Spitzenhöschen über Dessous bis hin zu Boxershorts werden spätestens nach Weihnachten alle denkbaren Variationen in den Läden angeboten. Gefeiert wird meistens in Restaurants, wo ein ausgiebiges Festmahl eingenommen und anschließend getanzt, getrunken und Karten gespielt wird. Früher war ein mit Linsen gefüllter Geldbeutel ein traditionelles Silvestergeschenk, heute werden die besagten Hülsenfrüchte aus dem gleichen Grund mit Schweinefleisch verspeist. So unterschiedlich Silvesterbräuche weltweit auch sein können, so ähneln sich die Essgewohnheiten und Symbole dann doch.

Argentinien

In Buenos Aires schneit es zu Silvester – und zwar Papier. Als Symbol für einen Neubeginn und um sich metaphorisch alter Lasten des Vorjahres zu entledigen, schreddern die Bewohner der argentinischen Hauptstadt ihre sämtlichen Unterlagen und werfen sie ab der Mittagszeit komplett aus dem Fenster. Bis spät in die Nacht hinein rieselt somit die Vergangenheit in Form von Papierschnipseln vom Himmel.

Brasilien

Da Silvester für die Brasilianer gleichbedeutend mit dem Ehrentag der Meeresgöttin ist, feiern die Brasilianer das Fest am Strand, wo sie kleine Schiffchen mit Geschenken für die Heilige ins Meer fahren lassen. Schaffen es die Bötchen, über sieben Wellen zu hüpfen, bringt das ein gutes neues Jahr. Ein absolutes Unikat der Silvesterbräuche weltweit.