Star Wars: Das Erwachen der Macht Premiere

Familie & Freizeit von Jennifer am 17.12.2015

Disney hat Star Wars zurückgebracht – das meine ich so wie ich es sage

In Zeiten beeindruckender Computergrafik und atemberaubender Animationen ist es jedoch eins, was gerade diese Saga ausmacht: Der Ursprung und wie eben dieser aussah. Nach Teil eins, zwei und drei (chronologisch betrachtet), für wahre Star Wars Fans selbstverständlich Teil vier, fünf und sechs, wurden die kritischen Stimmen lauter, Star Wars sehe nicht mehr aus wie Star Wars. Klar, die Effekte sind überzeugend und die Geschichte um die Anfänge der Reihe setzt sich durch und wird brav angenommen; doch irgendwie manifestiert sich in jedem von uns, wenn auch in den letzten Gehirnwindungen (gebt es doch zu), der Gedanke: „Das alte Star Wars ist und bleibt das echte Star Wars“.

Und dann kam Disney. Hach, was haben alle geschimpft. Ein Märchen-Studio soll eine der gewaltigsten Film-Serien in der Geschichte der Menschheit fortführen? Das funktioniert niemals. Die Massen haben sich gespalten: Ein Kampf entfachte. Ein Kampf um das Für und Wieder hinsichtlich des neuen Projekts, dass sich „Star Wars VII“ schimpft.

Und da sind wir nun. Am 17. Dezember 2015. Nach einem der größten Hypes, die je einem Sequel zugetragen wurden. Der rote Teppich erstreckt sich vor meinen Füßen, die zittrig, Schritt für Schritt auf die monumentale Glasfront zu laufen. Laserschwerter durchziehen den dunklen Mitternachtshimmel und aus den aufgestellten Boxen ertönen die Klänge des Krieges der Sterne. Da sind unzählige Menschen vor der Kamera die ich nicht kenen und die dahinter noch viel weniger. Cutscenes flackern über sämtliche Bildschirme um mich herum und bis auf ein paar Weibchen, die sich der adäquaten Abendgarderobe bedienten, gab es wirklich niemanden, der nicht zumindest ein R2-D2 T-Shirt trug oder sich an der Theke einen Star Wars Becher kaufte, um irgendwie dazuzugehören.

Mit tosendem Applaus wurde die klassische gelbe Schrift empfangen, die sich vom unteren Leinwandrand, hinein in die Galaxis verirrt und uns den Plot des siebten Teils der Saga, wie ein Keim in unser Hirn pflanzt. Es fallen Namen wie Leia, Luke Skywalker und Han Solo. Das wohl bekannteste Theme, welches über Generationen hinweg die Menschen in seinen Bann zieht, unterstreicht die Gänsehaut auf meinem Körper. Endlich ist es soweit – hoffentlich versauen sie es nicht.

Die dunkle Seite erhebt sich unter dem Namen „Die erste Order“ und will die Republik mitsamt dem Wiederstand vernichten. Luke Skywalker ist verschwunden und Leia, General des Wiederstandes, versucht ihren Bruder mit allen Mitteln zu finden, damit er ihr im Kampf gegen das Böse unterstützen kann.

Versaut haben sie es definitiv nicht. Star Wars sieht endlich wieder aus, wie ein Star Wars aussehen soll – und es fühlt sich irgendwie auch so an; ziemlich gut sogar. Meine Augen werden nicht permanent mit animierten und hoch ambitionierten Geschöpfen penetriert und zwängen sich auf, mir zeigen zu wollen, was denn heute alles mit Technik möglich ist. Sorgsam gewählte Locations und authentische Charaktere, umringt von Kreaturen, die an „alte Zeiten“ erinnern. Nichts wirkt wie ein Rückschritt, obwohl man sich offensichtlich nicht an dem Fortschritt der letzten Jahre bedient hat; zumindest nicht überwiegend. Natürlich kommen etliche Szenen mit beeindruckenden Kämpfen und Monstern, sowie damit zusammenhängende Animationen und grafischer Höchstleistung daher, aber es wirkt nichts übertrieben. Es wurde eine nahezu perfekte Balance geschaffen. Okay, das Gefühl stimmt schon mal.

Das Erwachen der Macht. Ja was regt sich denn da eigentlich? Ehrlich gesagt, ziemlich viel. Nicht nur, dass sich die dunkle Seite der Macht einmal mehr zu Wort meldet und einen jungen schwachen Geist auf ihre Seite zieht und ihn als Instrument des Bösen benutzt, auch auf der deutlich helleren Seite wächst Hoffnung heran – und zweifelsohne Talent. Um nicht den harten Spoiler über das Papier zu streuen, verrate ich an dieser Stelle nicht von welchem Stamm der dunkle Apfel (in diesem speziellen Falle) ganz weit weg gefallen ist. Auf der guten Seite der hohen Kunst der Mächte, betört uns hingegen eine athletisch gebaute Dame mit hinreißendem Lächeln und bestimmtem Blick. Gerufen vom Jedischwert der Familie Skywalker, auserwählt dieses zu tragen. Gemeinsam geht es mit dem Wiederstand (wie könnte es auch anders sein) gegen die sogenannte erste Ordnung. Zugegeben, hier trifft einen einmal mehr der Wink mit dem Zaunpfahl mitten ins Gesicht. An das NS Regime erinnernde Parolen und ein Kollektiv an gehorsamen Soldaten zeigen die vorhandene Macht des Gegners. Natürlich irgendwie in rot-weißer Kombination. Ein, für meinen Geschmack, überflüssiger Ansatz. Unter Beifall werden die Helden meiner Kindheit auf der Leinwand willkommen geheißen: Han Solo und Chewie – was für ein Moment. Leia und auch unsere freundlichen Blechbüchsen C-3PO und R2-D2 sind mit von der Partie. Und wenn es noch etwas gibt, dass auf ganzer Linie überzeugt hat in Star Wars: Das Erwachen der Macht, dann ist es der unbändige Humor. Ich habe auffällig viel gelacht und mich köstlich amüsiert. Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten. So gab es zwei Ansatzpunkte, die mich persönlich nicht so vom Hocker gehauen haben: Gegner hat große, böse Waffe (wie der Todesstern – nur VIEL böser), zerstört Völker (nur VIEL mehr auf einmal), besitzt allerdings Schwachstellen (wie der Todesstern), die mit Abschalten der Schilde ausgenutzt werden können (wie beim Kampf gegen.. genau, gegen den Todesstern). Selbes Problem, selbe Problemlösung. Die Story war an dieser Stelle leider sehr vorhersehbar und brachte wenig Neues und sparte somit auch an den Aha- und Wow-Effekten. Womit wir schon bei Punkt zwei wären. Bis auf eine ganz bestimmte Szene (ich spoilere nicht), gab es keinen Moment, in dem ich die Luft hätte anhalten müssen. Nichts, bei dem ich dachte, es zerreißt mich gleich vor Spannung. Und jetzt bitte nicht gleich alle auf einmal aufschreien. Ich fühlte mich perfekt unterhalten und sah mich einem außerordentlich gelungenem Star Wars gegenüber.

Mein Fazit:

Hammer! Mehr als ich zu hoffen wagte. Ich bin stolz darauf, mit Star Wars groß geworden zu sein – ein Fan. Von diesem Standpunkt aus kann ich also sagen: Ich habe unendlich viel Hoffnung in den neuen Teil der Serie gelegt und meine Erwartungen wurden übertroffen (bis auf diese eine Szene – ich komm nicht drüber weg!). Star Wars sieht nicht nur toll aus, es fühlt sich auch unglaublich echt an – endlich wieder. Starke Protagonistin mit protagonistischer Beihilfe, die ebenfalls überzeugt. Der neue Druide BB8 ist eine Wucht und nimmt eine würdige Position neben R2-D2 ein. Und auch wenn die Schurken auf der Schattenseite ein wenig wie ein früher Cast von Harry Potter aussehen, scheinen sie einen vielversprechenden und gnadenlosen Gegner zu verkörpern.