Valentinstag – WTF

Familie & Freizeit von Fabian am 15.02.2016

AN!

dem Tag bleibt man am besten zuhause, es sei denn man befindet sich in einer glücklichen, funktionierenden Partnerschaft und möchte den Losern und Außenseitern da draußen einmal zeigen, was sie alles verpassen. Bunte Blumen, romantisches Essen, Händchenhalten auf der Straße – die offensichtlichen Segnungen einer harmonischen Zweierbeziehung werden gerne gezeigt. Dieses temporär verstärkte Aufkommen von Ekelpärchen, die meinen, ihr Glück öffentlich zur Schau stellen zu müssen, erzeugt bei den meisten Alleinstehenden Brechreiz und regt zu Lästerattacken an. Dabei darf man nicht vergessen, dass der ganze Mummenschanz am 14. Februar natürlich nicht repräsentativ ist für eine durchschnittliche Beziehung. Es gibt durchaus Parallelen zum Karneval und nicht zufällig liegen diese beiden Ereignisse auch zeitlich beieinander. Wir lassen raus, was sich das ganze Jahr über angesammelt hat, was man sich sonst nicht traut, einfach mal fünfe gerade sein lassen. Am Valentinstag passiert Ähnliches, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Es wird alles aufgefahren, was den Rest des Jahres vernachlässigt wurde. Das was sonst den Routinen des Alltags und dem Verschleiß einer langjährigen Partnerschaft zum Opfer fällt, erfährt am Valentinstag eine kurzweilige Wiederbelebung. Denn natürlich hat niemand täglich romantische Dinner, verbringt ständig sogenannte quality time mit dem Partner, und vor allem von den Damen wird der chronische Mangel an kleinen Aufmerksamkeiten zwischendurch moniert. Nicht so am Valentinstag, da werden alle Register gezogen, um diesen einen Tag zu etwas Speziellem zu machen, und quasi die Verfehlungen des Restjahres auszubügeln.

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Doch warum dieses ganze Theater, denn letztlich kommt der Valentinstag als eine groß angelegte Verblendung daher. Weil wir ihn brauchen! Der Tag der Liebenden ist wie eine Frischzellenkur für alle eingeschlafenen Beziehungen. Die Familie wird an Weihnachten besucht, die besten Freunde an Geburtstagen mit Aufmerksamkeiten bedacht, und der Partner eben am Valentinstag besonders verwöhnt. In unserer schnelllebigen Zeit ist durch den Kalender organisiertes Schenken und Lieben vielleicht die einzige Chance, um überhaupt zwischenmenschliche Beziehungen am Leben zu halten. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Dieses romantische Großereignis ist zudem ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor und das traditionelle Valentinsgeschenk an die Liebste oder den Liebsten ein kommerzieller Geniestreich. Rote Rosen, teure Parfüms und ausgewählte Süßigkeiten werden in dieser Größenordnung sonst nur noch an Weihnachten verkauft. Ob der heilige Valentin, nach dem dieser Feiertag benannt wurde, eine derartige Kommerzialisierung im Kopf hatte, ist eher fragwürdig, zumal er seinen Kopf buchstäblich wegen des Valentinstages verlor. Im 3. Jahrhundert hatte der Priester Valentin Paare trotz des kaiserlichen Verbots christlich getraut. Der Legende nach übergab er den Liebenden während der Zeremonie Blumen aus dem eigenen Garten. Die von ihm geschlossenen Ehen standen angeblich unter einem besonders guten Stern. Leider kann man das von Valentin selbst nicht behaupten, im Jahre 269 ließ ihn Kaiser Claudius II. enthauptet.

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Der Valentinstag ist also schon sehr alt, wurde zunächst allerdings vor allem im anglo-amerikanischen Einflussbereich zelebriert. In Deutschland wird der Tag der Liebenden erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begangen. Neben Lucky Strike und Lewis Jeans brachten die amerikanischen Besatzungstruppen auch diesen schönen Brauch mit nach Deutschland. Seitdem klingeln die Kassen der Blumenverkäufer, die Herzen der Damen und die Alarmglocken der Herren, wenn es darum geht, das passende Valentinsgeschenk auszuwählen. Wenn man bedenkt wie viele Anstrengungen zur Realisierung des perfekten Valentinstags unternommen werden, und was alles dahintersteckt, sei den Paaren die Zurschaustellung ihres kurzweiligen Glücks doch zu gönnen. Der Alltag und die damit einhergehende Beziehungstristesse hat sie früh genug zurück, und dann sind sie es, die wieder voller Neid auf die sich ufer- und willenlos amüsierende Singlewelt blicken.