Was essen Astronauten zum Frühstück?

Familie & Freizeit von Birgit am 17.10.2016

Unser Frühstück, die bekanntlich wichtigste Mahlzeit des Tages, bietet uns schier endlose Möglichkeiten an Variation: Von schnellen Cornflakes, über das liebevoll zubereitete Müsli mit Obst bis hin zum ausgedehnten Sonntagsbrunch mit Freunden, bei dem geschlemmt wird, bis man sich mit größter Genugtuung selber ein mentales “High Five” dafür schickt, vom Schlafanzug direkt in die Gummibundhose geschlüpft zu sein, anstatt in die enge Jeans. Man gönnt sich ja sonst nix. Der Kreativität und den morgendlichen Begehrlichkeiten sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Für Thomas Pesquet wird sich genau das bald ändern: Im November bricht der französische Astronaut zu seiner ersten Mission ins All auf. Dort ist es vorbei mit “Oh nein, welche meiner zehn Marmeladen ess ich denn heute zu meinen Frühstückswaffeln oder meinem Baguette?!” Aber wie ist das eigentlich im All: Wenn sie monatelang oder noch länger auf ihrer Weltraumstation herumschweben, was essen Astronauten dann eigentlich zum Frühstück?

was-essen-astronauten-sandwich

Was essen Astronauten zum Frühstück?

Was der Astronaut John Glenn, der als erster Amerikaner in Schwerelosigkeit gegessen hat, 1962 auf seinem Flug um die Erde zum Frühstück verspeiste, hatte so gar nichts mit dem Frühstück auf seinem Heimatplaneten zu tun. Die ersten Mahlzeiten im All waren nämlich von der Auswahl her extrem begrenzt und überwiegend püriert, so dass man sie aus ihren Tuben direkt in den Mund quetschen konnte. So aß Glenn im Rahmen des Mercury-Programms zum Beispiel püriertes Rindfleisch mit einem Strohhalm aus einer solchen Tube.

Während des Gemini-Programms von 1963-66 bekamen die Astronauten dann gefriergetrocknete Nahrung, die sie mit kaltem Wasser aus einer Wasserpistole wieder aufweichen konnten. Zu dieser Zeit fand die NASA auch heraus, dass sich nicht alles für den Verzehr im All eignet: Der Astronaut John Young schmuggelte 1965 für sich und seinen Kollegen Gus Grissom ein Sandwich mit an Bord der Gemini 3, aber als sie sich über ihren Snack hermachten, krümelte das Sandwich und die Überbleibsel setzten sich in den technischen Geräten fest. Seitdem ist reguläres Brot, und damit auch so ziemlich alle anderen teigigen Frühstücksleckereien, aus dem All verbannt.

was-essen-astronauten-waterpistol
Copyright: airandspace.si.edu

Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Speisen der Astronauten kalt. Warmes Essen gab es für amerikanische Astronauten im All erst mit dem Apollo-Programm (1961-1972). Hier wurden auch erstmals temperaturstabile Lebensmittel für Astronauten im All erhältlich, das heißt, sie wurden vor dem Verpacken mit Hitze behandelt, um schädliche Mikroorganismen und Enzyme zu zerstören. Dabei handelt sich aber nicht um eine futuristische Space-Technologie, das Gleiche passiert auch mit vielen Lebensmitteln auf der Erde, die wir im Supermarkt in Dosen oder Tetrapacks kaufen. Für Astronauten war das allerdings eine bahnbrechende Innovation, weil sie dadurch feste Speisen essen konnten, ohne sie vorher mit Wasser versetzen zu müssen. Trotzdem konnte man da noch lange nicht von Gourmet-Essen sprechen.

Mehr Variation

Mittlerweile haben sich die Qualität und die Auswahl an Essen im Weltall stark verbessert – und das gerade rechtzeitig: Zweiwöchige Stippvisiten im All waren einmal, heute gehen Astronauten für mehrere Monate oder noch länger ins All. Der Astronaut Scott Kelly, zum Beispiel, hat erst im März 2016 eine lange Mission beendet: Sie dauerte ein ganzes Jahr. Mit den immer länger werdenden Missionen brauchen die Crews auch mehr Gerichte, um mehr Auswahl und damit mehr Abwechslung in ihrem Speiseplan zu haben.

Heutzutage gibt es ca. 200 verschiedene Speisen und Getränke zur Auswahl, die zusammen mit den Astronauten ins All geschickt werden, wobei die Produktionsprozesse an sich eigentlich gleichgeblieben sind. Dadurch können die Astronauten auch aus einem ganz ansehnlichen Frühstücksangebot auswählen, das wir wohl als kontinentales Frühstück bezeichnen würden. Mit dabei sind zum Beispiel eine ganze Reihe an verschiedenen Frühstücksflocken, die zusammen mit Milchpulver abgepackt werden – einfach Wasser aus der Wasserpistole dazu und voilá, fertig ist das Orbit-Müsli. Es gibt auch verschiedene Gerichte aus Eiern, damit die Astronauten auf ihren langen Missionen im All nicht auf ihr geliebtes Frühstücksei verzichten müssen. Rühreier sind allerdings ein bisschen schwierig zu essen, wie der Astronaut Garrett Reisman in einem Video der NASA demonstriert.

 

Auch für den nötigen Koffeinkick ist gesorgt: Der Kaffee für die Astronauten wird vor Reiseantritt individuell nach ihren Wünschen mit Zucker oder Kaffeeweißer in einem Trinkbeutel angemischt. Im Raumschiff selber müssen sie dann nur noch heißes Wasser dazugeben und können den fertigen Kaffee mit dem Strohhalm genießen.

Mittlerweile wurde auch eine nicht-bröselige Alternative für das verbannte Brot gefunden: Tortillas! Wenn man dem Astronauten Chris Hadfield glauben darf, eignen die sich hervorragend für Frühstücks-Tacos. Dafür nehme man einen Tortillafladen, darauf kommt dann gefriergetrocknetes Ei, in Stückchen geschnittene, ebenfalls gefriergetrocknete Wurst und Käsecreme aus der Tube. Auch für die süßen Frühstücker unter den Astronauten sind Tortillas die Lösung. Hadfield macht sich damit zum Beispiel sein geliebtes Erdnussbutter- Honig-Sandwich.

 

Zusätzlich dürfen Astronauten auch ihre ganz persönlichen Schmankerl mit an Bord nehmen, um so für mehr Abwechslung zu sorgen. Wenn man schon so lange unterwegs ist, muss man sich auch ab und an was gönnen dürfen. Das kann von Kimchi in der Dose bis hin zu Erdnussbutter in der Tube – genau das hatte sich Hadfield für sein Sandwich gewünscht – alles sein. Solange es die Produkte in Tuben oder kleinen Dosen gibt, sie sich lange genug halten und die Anzahl der enthaltenen Mikroben unter einem bestimmten Grenzwert liegt, dürfen sie mit ins All.

Jetzt können auch die gesunden Frühstücker unter den Astronauten aufatmen: Die NASA hat Versuche gestartet, frisches Essen im All anzubauen. Mit Salat hat das schon geklappt und bald sollen Cocktailtomaten folgen, um all die vorgekochten Gerichte aufzupeppen und nochmal mehr Abwechslung zu bekommen. Salat und Tomaten werden zwar nicht überragend zum Nährwert des Frühstücks beitragen – dafür gibt es davon zu wenig an Bord – aber sie haben einen wunderbaren Einfluss auf die Psyche der Astronauten – endlich mal wieder was Frisches!

was-essen-astronauten-tomate

Monotonie

Das ist die Krux am Frühstücken im All: Man kann nur eine begrenzte Auswahl an Essen mit ins All nehmen, das auch schon im Voraus zubereitet und verpackt wird, und hat damit natürlich auch nur eine begrenzte Abwechslung. Das heißt, Frühstück im All wiederholt sich sehr oft und nichts kann wirklich frisch zubereitet und damit neu kreiert werden, nur die schon vorhandenen Speisen finden die ein oder andere neue Kombination. Wenn man da alleine an frisches Brot denkt, an leckeren Honig vom Imker, an frisch gebackenen, noch warmen Kuchen, an frischen Obstsalat und an den Genuss, einen bunten Teller mit allen dargebotenen Frühstücksleckereien zusammenzustellen – das Auge isst ja bekanntlich mit – ohne dass alles prompt wieder davonschwebt, erscheint Frühstück im All ziemlich fade. Aber bei so einer Aussicht schmeckt das Weltraum-Müsli aus dem Schlauchbeutel bestimmt auch beim zehnten Mal.

Erdansicht
Copyright: spiegel.de