Zlatan Ibrahimovic – der größte (schwedische) Fußballer aller Zeiten tritt ab

Familie & Freizeit von Fabian am 14.07.2016

AN! ihm scheiden sich wirklich die Geister. Genie und Wahnsinn liegen bei Fußball-Superstar Zlatan Ibrahimovic gefährlich nahe beieinander. Er ist das Enfant terrible des internationalen Fußballs. Die einen, und das sind vor allem seine schwedischen Landsleute, vergöttern ihn als genialen Fußballer, die anderen sehen in ihm eine Reizfigur mit schlechten Manieren. Wie dem auch sei, dem zehnmaligen schwedischen Fußballer des Jahres gefällt seine kontroverse Rolle offensichtlich sehr gut. „Du kannst einen Typen aus dem Ghetto holen, aber du holst niemals das Ghetto aus dem Typen“ – schreibt der Sohn bosnischer Einwanderer in seiner Autobiografie „Ich bin Zlatan“. Die Rolle des Ghettokids musste er nicht lernen. Aufgewachsen in schwierigen familiären Verhältnissen in den sozialen Brennpunkten der schwedischen Stadt Malmö, als Schulabbrecher und leidenschaftlicher Martial Arts-Fan, dessen Körper völlig zu tätowiert ist, erfüllt er dieses Klischee mehr oder weniger zwangläufig. Das ehemalige Ghetto-Kid hat dank des Fußballs den sozialen Aufstieg erlebt, und das überaus erfolgreich.

Zlatan Ibrahimovic ist mit einem schwedischen Model verheiratet und hat zwei Kinder. Er spielt in den besten europäischen Ligen, bei den größten Vereinen und zählt zu den bestbezahltesten Fußballern der Welt. Dabei sammelt er Titel wie andere Briefmarken und wird mit Ehrungen überhäuft. Allein 13 Meisterschaften in vier verschiedenen Ländern hat er zu verzeichnen, dazu kommen mehrere Pokalerfolge und Torjägerkanonen. In einem Pariser Restaurant, wo er die letzten vier Jahre für Paris St. Germain spielte, und viermal in Folge französischer Meister wurde, hat man ihm zu Ehren sogar einen Zlatan Burger kreiert. Das ist aber kein Vergleich zu seinen Landsleuten. Die Schweden huldigen ihrem King Zlatan auf alle erdenklichen Weisen. Die Krönung ist die Wortschöpfung zlatanieren – was so viel bedeutet wie stark dominieren – die mittlerweile sogar in schwedischen Wörterbücher zu finden ist. Natürlich kommen diese Ehrungen auch nicht von ungefähr. Ibrahimovic ist unglaublich erfolgreich, ein außergewöhnlich guter Fußballer, der immer seine Tore geschossen hat, und das oft auf spektakuläre Art und Weise. Sein legendäres Fallrückziehertor gegen England im Jahre 2012 aus knapp 30 Metern ist für die Ewigkeit.

Zlatan Ibrahimovic
Zlatan Ibrahimovic im Trikot von Inter Mailand (Foto: Paolo Bona)

Dass einem Jungen aus dem Malmöer Vorort Rosengård bei dem ganzen Rummel mal die Sicherung durchknallt, überrascht ja nicht wirklich. Auf und neben dem Platz polarisiert der Torjäger und vor allem gegnerische Spieler bekommen den ganzen Zlatan buchstäblich zu spüren. Aber auch verbal lässt der Schwede keine Gelegenheit aus, um seine Position zu stärken. Auf die Frage einer Reporterin nach seiner vermeintlichen Homosexualität entgegnete er, dass sie gerne mit ihrer Schwester zu ihm nach Hause kommen dürfe, dann würde sie schon merken, wie schwul er wirklich sei. Wer nicht einstecken kann, sollte sich nicht mit King Zlatan anlegen. Im Frühjahr informierte er die Öffentlichkeit darüber, dass er sich durchaus vorstellen könne, noch länger bei Paris St. Germain zu bleiben, vorausgesetzt, die Pariser wären bereit, den Eifelturm durch eine Statue von ihm zu ersetzen. Nun ja, vielleicht gehört zu einem großen Spieler mit großen Fähigkeiten einfach ein großes Ego. Zlatan befindet sich im sogenannten Herbst seiner Karriere mit 34 Jahren, und der neue Vertrag wird wohl der letzte bei einem großen Verein sein. Nach Stationen in Holland, Italien, Spanien und Frankreich haben nun Manchester United und Trainer José Mourinho den Zuschlag bekommen, und das Mutterland des Fußballs darf sich auf einen Zlatan Ibrahimovic im Zenit seines Schaffens freuen.

Klar, der Schwede ist nicht mehr der Jüngste, und wer weiß, wie lange er noch auf diesem Topniveau spielen kann, aber Zlatan ist eine Attraktion für jeden Verein, und es ist davon auszugehen, dass es neben aufsehenerregenden Toren auch die eine oder andere Provokation von ihm geben wird. Seine Fans werden ihn trotzdem oder gerade deswegen weiterhin lieben. Bei der EM in Frankreich zeigte die schwedische Nationalmannschaft eine dürftige Leistung, und auch ihr Superstar konnte daran nichts ändern. Ohne persönlichen Torerfolg und enttäuscht vom Gesamtauftritt der Mannschaft, erklärte Zlatan Ibrahimovic nun seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft Schwedens. Natürlich nicht ohne das dazugehörige Pathos. „Ich eroberte Schweden und machte es zu meinem Land. Auf meine Art. Ich bin Schweden“, verabschiedete er sich. Aber er schlug auch milde Worte an und bedankte sich bei den Schweden, ohne deren Unterstützung er niemals so erfolgreich geworden wäre. Und das ist ihm sehr wohl bewusst: „Ich liebe euch“, sendete Ibrakadabra an seine Jünger. Selbst die härtesten Kanten haben eine weiche Seite. Die Schweden werden ihren King Zlatan definitiv vermissen. Seine Fans weltweit freuen sich schon darauf, zu sehen, wie er die Premier League auseinandernimmt.