Knüller oder Falter? Am 26.8. ist offizieller Tag des Toilettenpapiers

Fun von Fabian am 26.08.2016

In die Kategorie, jeder macht es, aber niemand spricht wirklich gerne darüber, gehört sicherlich auch alles, was irgendwie mit Toilettengang, Toilettenpapier und der damit verbundenen Körperhygiene zusammenhängt. Völlig zu Unrecht, schließlich verbringt der Mensch durchschnittlich fast 190 Tage seines Lebens auf der Toilette, und zudem ist die Erfindung des Toilettenpapiers eine der bahnbrechendsten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Um ein Bewusstsein für dieses vernachlässigte Thema zu schaffen, wurde der Tag des Toilettenpapiers ins Leben gerufen.

Wer genau allerdings dafür verantwortlich ist, und wann der erste Tag des Toilettenpapiers begangen wurde, lässt sich leider nicht mehr rekonstruieren. Fakt ist, das Toilettenpapier hat es auf jeden Fall verdient. Klopapier, wie es im Volksmund auch oft genannt wird, erleichtert die täglicher Erleichterung ungemein, und das seit Jahrhunderten. Zuvor mussten die Menschen oftmals improvisieren, um ihr Geschäft sauber zu Ende zu bringen. Die verrücktesten Ideen wurden ausprobiert, auf der Suche nach einem adäquaten Behilfsmittel: Steine, Schwämme, Pflanzen, Tierhäute, die nackte Hand und unzählige weitere Variationen probierten die Menschen im Laufe der Jahrhunderte aus. Wie so oft waren es die alten Chinesen, die ihrer Zeit und der restlichen Welt einen ordentlichen Wischer voraus waren, und das erste wirklich als solches zu bezeichnende Toilettenpapier erfanden und benutzten.

Die Anfänge der Toilettenhygiene

Früheste Aufzeichnungen aus dem 5. Jahrhundert dokumentieren bereits die Existenz von Toilettenpapier. Offensichtlich hatten die Chinesen ein anderes Verhältnis zur Hygiene als die es mit der Sauberkeit und Körperpflege nicht so genau nehmenden Europäer. Spätestens ab dem 14. Jahrhundert wurde Toilettenpapier in Fernost schon in Massenproduktion hergestellt, während in der mittelalterlichen Gesellschaft des alten Europas noch stinkende Notdurftkanäle durch die Städte flossen, in die sich jeder nach Lust und Laune erleichterte, und von Toilettenpapier nicht einmal zu träumen gewagt werden durfte. Der Tag des Toilettenpapiers ist also auch eine Hommage an die alten Chinesen. Chapeau!

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Natürlich war damaliges Klopapier nicht mit heutigem Papier vergleichbar. Zu dünn, zu dick, zu weich, zu rau – Nutzerfreundlichkeit und Herstellungsmöglichkeiten klafften noch weit auseinander. Wirklich klar war nur, dass es sich bei Toilettenpapier bestenfalls um ein Einwegprodukt handeln sollte. Ein Quantensprung war dann das Aufkommen von perforiertem Toilettenpapier im 19. Jahrhundert. Es bestand aus rauem Krepppapier, und war noch weit entfernt von dem, was wir heute benutzen. Deutschlands erste Toilettenpapierfabrik öffnete übrigens 1928 in Ludwigsburg ihre Pforten. Ein Schwabe, wie sollte es auch anders sein, vertrieb unter dem Namen Hakle das erste Klopapier in Deutschland. Hakle war in den 1970er Jahren auch der erste Hersteller von feuchtem Toilettenpapier, und wie Uhu, Tempo und Edding gilt Hakle mittlerweile als Deonym – Nichtsprachwissenschaftler könnten auch Gattungsname sagen – für das eigentliche Produkt. Für die Firma Hakle ist das Klopapier auf jeden Fall eine Erfolgsgeschichte.

Das weiche und reißfeste Toilettenpapier, wie wir es heutzutage kennen, kam allerdings erst Ende der 1950er Jahren aus den USA in die Bundesrepublik herübergeschwappt. Das wissen die Wenigsten, denn gegen Lucky Strike und Coca-Cola kommt das Toilettenpapier in Sachen Popularität natürlich nicht an. Dabei möchte man mit Sicherheit nicht weniger darauf verzichten. In der DDR musste beispielsweise bis zum Mauerfall das alte, raue Krepppapier für die täglichen Bedürfnisse verwendet werden, aufgrund von Materialmangel und Misswirtschaft war keine verbesserte Produktion möglich. Reiseverbote, Muckefuck und stonewashed Jeans okay, damit hatte man sich arrangiert, aber gegen den Klassenfeind im Westen auf dem stillen Örtchen den Kürzeren zu ziehen, das ging zu weit. Kein Wunder, dass die Bürger irgendwann auf die Barrikaden gingen. Das weiche Tissue-Papier aus dem goldenen Westen war definitiv revolutionär und jeder wollte den hauchzarten Touch der Freiheit spüren.

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Heute gibt es unzählige Varianten des Toilettenpapiers, und der Vielfältigkeit der Muster und Aufdrucke sind keine Grenzen gesetzt. Tiermotive, Kalendertage, Sprüche und Weisheiten, bis hin zum persönlich erstellten Fotoklopapier, so dass einem die gesamte Familie buchstäblich am Allerwertesten vorbeigeht, treten die Reise in den Abort an. Wenig überraschend gibt es mittlerweile sogar Toilettenpapiersammler.

Ein-, zwei-, drei- oder gar vierlagige Blätter, von vorne nach hinten oder umgekehrt wischen, ökologisch bewusst oder Umweltsünder, mit Kamille- oder Rosenduft, Knüller oder Falter – beim Toilettenpapier scheiden sich in der Tat die Geister. Ja, Vorlieben und ganze Psychogramme werden heutzutage erklärt und erstellt aufgrund der individuellen Nutzung von Toilettenpapier. Wer knüllt, ist auch abseits der Toilette ein Chaot, die Falter dagegen kriegen ihr Leben bestens auf die Reihe. Wer ökologisch verträgliches Klopapier verwendet, liebt seine Umwelt, wer es nicht tut, zündet auch Flüchtlingsheime an. Wer Kamillenduft mag, hat einen Ödipuskomplex, und feucht mit Rosenduft ist tendenziell schwul. Gerüchte und Tatsachenberichte begleiten das Thema Toilettenpapier gleichermaßen, auch darauf macht der Tag des Toilettenpapiers aufmerksam. Der Gedenktag soll zum offenen Umgang mit einem Tabuthema anregen. Klopapier begegnet jedem von uns im Alltag, zumindest im Optimalfall, und das nicht selten. Deshalb ein paar hard facts zum Tag des Toilettenpapiers:

Tag des Toilettenpapier Facts

  1. Der Durchschnittsdeutsche möchte sein Toilettenpapier gerne weich, 3-lagig, unparfümiert und in schlichtem weiß. Bei circa 80 verschiedenen Sorten sollte jeder fündig werden.
  2. Die Deutschen geben im Jahr rund 1,2 Milliarden Euro für ihr Toilettenpapier aus.
  3. Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche 15 Kilo Toilettenpapier pro Jahr.
  4. 90 Prozent aller Deutschen sind Falter. Im Gegensatz dazu sind fast alle US-Amerikaner Knüller. Tja, andere Länder, andere Sitten.
  5. Bekanntermaßen gibt es zwei Möglichkeiten, Toilettenpapier von der Rolle laufen zu lassen: Das Papierende liegt entweder vor oder hinter der Rolle. Laut Umfragen bevorzugen rund Zweidrittel aller Nutzer die Variante vor der Rolle.