4K Player bringen Kino-Auflösungen nach Hause. Braucht man das?

Mode & Lifestyle von Daniel am 18.12.2016

Alle Jahre wieder wird der Heimkino-Markt von einem neuen Format erobert, und immer wiederholt sich das Prozedere: Die Auswahl an Filmen und Abspielgeräten ist klein, die Preise dementsprechend hoch. Technische Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen, interessieren aber niemanden außer Cineasten, die auf den Generationswechsel schwören. So auch bei der UHD-Blu-ray, die gerade vor der Tür steht. Lohnt sich der Umstieg auf 4K Player oder reicht es langsam mit dem ewigen Wettrüsten?

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Ständige Generationswechsel

Beim Aussterben der Videokassette handelte es sich noch um einen ganz logischen Prozess im Zuge der Digitalisierung, an dem niemand etwas auszusetzen hatte. Schließlich trauerte auch niemand dem Audiotape nach, und Schallplatten begeistern vorwiegend die Nostalgiker, die in dem atmosphärischen Knistern und Rauschen des prähistorischen Mediums einen Mehrwert erkennen. Auch die Einführung der Blu-ray machte noch Sinn, da ja die sich etablierenden Flachbildschirme mit hochauflösendem Material bespielt werden wollten.

Allerdings ist dieser letzte Umstieg nach zehn Jahren immer noch nicht vollständig vollzogen, und im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut Marktforscher GfK 71,5 Millionen DVDs und nur 28,8 Millionen Blu-rays verkauft. Es is eben schon eine enorme Hemmschwelle vorhanden, für eine bessere Bildqualität seine Filmsammlung aufzulösen und gegen ein neues Medium auszutauschen, nur um dann James Bonds Poren und Nasenhaare gestochen scharf und detailliert bewundern zu können.

Vorteile nicht von der Hand zu weisen

Wer allerdings bereits einen Ultra-HD-Fernseher sein Eigen nennt, hatte die Einführung der 4K Player im Frühjahr natürlich sehnlichst erwartet, da es bis zu diesem Zeitpunkt noch so gut wie keine Möglichkeit gab, das heiß geliebte, neu erworbenes Spielzeug auszureizen: Die volle Pixelzahl war nur von einigen Demos per Satellit geboten worden – Das übliche Problem von Technikfreaks, die immer ihrer Zeit voraus sein müssen. Die Ultra-HD-Auflösung liegt bei 3840 x 2160 Pixel und wird zwar oft als 4K-Auflösung bezeichnet und sogar beworben, was aber nicht ganz stimmt, da echte 4K bei 4096 × 2160 Pixeln erreicht wären.

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Datenbomben der 4K Player

Ultrahohe Auflösungen bringen natürlich ultrahohe Datenmengen mit sich, die selbst bei sehr schnellem Internetzugang von mindestens 25 MBit/s stark komprimiert werden müssen, was ein Argument für physische Datenträger ist. „Die Ultra-HD-Blu-ray lässt sich ohne Internet nutzen und arbeitet mit Datenraten, die in der Spitze um 50 MBit/s liegen“, wie das Fachmagazin „c’t“ erklärt. „Das ermöglicht eine schonende Komprimierung und verspricht dadurch eine bislang nicht erreichte Bildqualität.“

Schwarz ist das neue Blau

Im Gegensatz zur herkömmlichen Blu-ray wird die Ultra-Variante in schwarzen, statt in blauen Hüllen ausgeliefert und machen ihrem Namen zumindest rein äußerlich nicht mehr alle Ehre. Speicherplatz bietet sie bis zu 100 Gigabyte, inzwischen sind sogar dreischichtige Discs möglich. Dafür muss man zur Markteinführung auch etwa 30 Euro hinblättern, ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass DVDs für 3-10 Euro zu haben sind.

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Die Filmpublisher werden ihr Angebot nach und nach aktualisieren: Warner und 20th Century Fox haben bereits den Anfang gemacht, Universal, Paramount und Sony werden im Herbst starten. Die 4K Player werden rund 350 Euro kosten. Die etablierte Abspielsoftware Power DVD wird in seiner 16. Ausführung auch das Abspielen von Ultra-HD ermöglichen.

Mogelpackung

Doch nicht überall wo 4K draufsteht, sind auch native ultrahohe Auflösungen drin, zumindest nicht, bis sich das knackscharfe Bild endgültig am Markt etabliert hat: „Die meisten Filme sind von HD auf UHD hochgerechnet und noch nicht in UHD-Auflösung gedreht und geschnitten“, erklärt die Stiftung Warentest. „Echte UHD-Produktionen kommen wahrscheinlich erst in den nächsten Monaten und Jahren auf den Markt.“

Ick seh‘ nüscht!

Doch selbst dann, wenn doch die volle Bildinformation auf der Scheibe enthalten ist, wird die ganze Pracht nur auf entsprechend großen Bildschirmen, einem 4K Player und bei geringem Sitzabstand sichtbar. Logisch, ein Passbild braucht auch keine mehreren Tausend Pixel, um scharf zu sein. Und bei den Mini-Röhren, die im letzten Jahrtausend vorzugsweise am anderen Ende des Wohnzimmers standen, hat die miserable PAL-Auflösung auch niemanden gestört, weil man es einfach nicht gesehen hat. Hohe Auflösungen waren damals lediglich für große Kinoleinwände nötig.

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Kontrastreicher als die Realität

Beim aktuellen Generationswechsel geht es allerdings nicht nur um die Auflösung des Materials. Eine grundlegende Neuerung der 4K Player, die teilweise sogar für noch größere Begeisterung sorgt, ist die HDR-Technik (High Dynamic Range), die schon lange in der Fotografie Verwendung findet: Dort werden eine Über-, eine Unter- und eine Normalbelichtung miteinander kombiniert und aus jedem Bild die besten Bildteile übernommen, wodurch unfassbar kleine Kontrastunterschiede an sonst homogenen Stellen sichtbar werden. „Durch die Kombination von ultrahoher Auflösung und höherem Kontrast wirkt das Bild klarer und natürlicher“, erklärt die Stiftung Warentest.

4K Player spucken keine großen Töne

Was den Ton betrifft, wird es keine Neuerungen geben, hier ist scheinbar das Ende der Fahnenstange erreicht: „Alle Audio-Codecs, die auf der neuen Scheibe verwendet werden können, kennt man schon von der Blu-ray-Disc“, betont Jurran und empfiehlt weiter: „Wer sich die Anschaffung eines UHD-Blu-ray-Players überlegt, sollte stets im Auge behalten, über welche Fähigkeiten sein Display verfügt.“