Wo liegt Club Mate, und was ist ein Club Mate Hipster?!

Mode & Lifestyle von Fabian am 24.09.2016

Bei Club Mate handelt es sich natürlich weder um einen Club noch um den besten Kumpel. Club Mate ist ein sogenanntes In- oder It-Getränk, von vielen auch liebevoll Hipster-Brause genannt. Ein aufputschendes Brausegetränk, das aus der Teepflanze Mate gewonnen wird. Tatsächlich ist der große Hype auch schon wieder vorbei. Wer aber vor fünf, sechs, sieben Jahren ohne eine Club Mate in die Partynacht startete, war sowas von out. Heute hat sich die Szene wieder beruhigt, man wird nicht gleich erschossen, wenn man ohne Club Mate in der Hand an der Clubtür ansteht, und darf auch ohne In-Getränk mitfeiern.

Party mit Club Mate

Club Mate – aus dem Dschungel an den Computer

Warum eigentlich Mate, und warum wird ausgerechnet ein südamerikanischer Tee zum Kult- und Szenegetränk? Das Geheimnis liegt in der Substanz Mate, die eine vitalisierende Wirkung hat. Als koffeinhaltiges Aufgussgetränk wird Mate in Mittel- und Südamerika seit Jahrhunderten von den indianischen Ureinwohnern getrunken. Vor allem die Argentinier lieben Mate und trinken jährlich knapp sieben Liter pro Kopf. Alles schön und gut, aber wie kam das Lieblingsgetränk der lateinamerikanischen Indianer nach Deutschland?

Club Mate – also die Mischung aus Limonade und Mate – ist tatsächlich eine deutsche Erfindung. Sekt-Bronte, wie das Brauseteegetränk damals noch hieß, wurde um 1930 im thüringischen Köstritz entwickelt, ohne allerdings große Berühmtheit über die Stadtgrenzen hinaus zu erlangen. Weder die Nazis noch die DDR-Wirtschaft hatten Interesse an diesem Getränk, und auch als Club Mate, jetzt unter neuem Namen, in den 1950er Jahren in das bayerischen Dietenhofen kam, steigerte das nicht den Bekanntheitsgrad.

deutsche landschaft

Das änderte sich erst, als schließlich im Jahre 1994 die Firma Loscher in den Besitz des Club Mate-Rezepts geriet, und in dem bayerischen Kaff eine Limonadenfabrik gründete. Ohne aufwendige Werbestrategien begann Club Mate seinen beeindruckenden Siegeszug durch Deutschland. Irgendwie entdeckte die Hackerszene das Getränk für sich. Wahrscheinlich war den Computerfreaks Red Bull zu süß, Kaffee zu heiß und Koks zu teuer, jedenfalls hielt das Koffeingetränk die Hacker bei ihren stundenlangen Hacks wach, und es erreichte in der Szene Kultstatus.

Der Club Mate Hipster

Was Kult ist, spricht sich natürlich irgendwann rum. Und welche Spezies ist extrem empfänglich für jeden noch so dämlichen Modetrend, verrückte Musikrichtungen und ausgefallene Essen- und Trinkgewohnheiten? Richtig, die Hipster Szene sprang bereitwillig auf den Hype an. Bier und Whiskey Cola ist was für Männer, die Mädels trinken Sekt und Cocktails, aber für die gegenderte, vegetarisch-vegane und politisch korrekte Hipsterszene ist so ein indianisches Brause- und Teegetränk genau das richtige, um sich von der primitiven Masse abzuheben.

Hipster

Die Hardcore Hipsters liefen teilweise mit eigenem Kochgeschirr und kleiner To-Go-Teeküche herum, um sich bei Gelegenheit selbst ihren wirklich total echten, ökologisch einwandfreien Fair Trade-Matetee zubereiten zu können. Das war schon ein Highlight, wenn samstagnachts auf der WG-Party wiederholt der Ruf erschallte, „Ich mach mir ma kurz ne Mate!“, und in der Küche seltsame Düfte aufstiegen. Also noch mehr seltsame Düfte, als man es sowieso schon gewohnt war. Weil aber selbst ein ökoteetrinkender Hipster ohne Alkohol keinen Spaß am Feiern hat, begannen die Hipsters irgendwann damit, diverse Spirituosen in die Club Mate zu mischen.

Geile Idee! Da hat man ja gleich zwei Dinge auf einmal: betrunken und wach. Eine Club Mate hat einen Koffeingehalt von 20 Milligramm pro 100 Milliliter. Dazu die richtige Menge Alkohol und man erhält eine Mischung, mit der man arbeiten kann. Und so schütteten diese grenzdebilen Gestalten mit ihren Kassenbrillengestellen und Oberlippenbärten, Röhrenhochwasserhosen und Birkenstockschuhen Wodka und Rum in ihre Club Mate-Flaschen, und hielten sich für die Avantgarde des Undergrounds – der Club Mate Hipster war geboren!

Flasche und Hipster

Der Club Mate Hipster stirbt aus

Ein Club Mate Hipster ist natürlich selten zuhause, denn dort sieht ihn ja niemand. Vielmehr hängt er in hippen Bars rum und ist in Elektroclubs unterwegs, und so wurde Club Mate Ende der 2000er Jahren zum In-Getränk der Technoszene. Kein angesagtes Event ohne die Wunderbrause. In Bars und Clubs bekam man einen ordentlichen Schuss Wodka in die Club Mate-Flasche und ab auf die Tanzfläche. Streng genommen ist die Szene mittlerweile schon wieder durch mit Club Mate, weil das ehemalige Hacker- und Clubgetränk mittlerweile von der Masse konsumiert wird. Blöderweise wird ja alles was Kult ist, irgendwann vom Mainstream überrollt, und so mussten die armen Club Mate Hipsters mitansehen, wie ordinäre Studenten, Fußballfans und sogar ältere Menschen zur Club Mate griffen, um zu feiern und wachzubleiben.

So plötzlich der Club Mate Hipster auf der Tanzfläche erschien, so schnell war er auch wieder in der Versenkung verschwunden. Heutzutage ist Club Mate in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Schüler im Klassenzimmer, Politiker im Bundestag und Rentner im Seniorenheim greifen gleichermaßen auf das beliebte Aufputschgetränk zurück, um angesichts der vor ihnen stattfindenden Reden und Veranstaltungen irgendwie wachzubleiben. Längst ist aus dem ehemaligen Club Mate Hipster ein einfacher Hipster geworden, der angeekelt das Gesicht verzieht, wenn ihm in einem Club oder auf einer Party eine Club Mate angeboten wird. Das ist ja sowas von 2010!

Mittlerweile wird Club Mate in die halbe Welt exportiert. Die Firma Loscher macht Umsätze im zweistelligen Millionenbereich. Das Kultgetränk erobert Europa und die USA, und die Clubs und Bars in den Großstädten. Selbst in New York City wird Club Mate immer beliebter. Wen wundert´s? New York versucht ja schon seit Jahren verzweifelt, jeden Trend aus Berlin aufzunehmen. Zu Club Mate befragt, antwortete ein New Yorker Clubbetreiber: „Wir verkaufen Club Mate, weil wir daran glauben, dass es eine metaphysische Beziehung zu Technomusik besitzt“. Na ja, wenn sie meinen, diese Amerikaner.