Männer und Mode – eine natürliche Feindschaft

Mode & Lifestyle von Fabian am 21.06.2016

AN! Mode sind Männer einfach nicht so sehr interessiert wie ihr weibliches Pendant. Sitzt, wackelt und hat Luft. Der alte Handwerkerspruch scheint auch bei der Zusammenstellung des täglichen Outfits die Devise zu sein. Männer sind pragmatisch, farbenblind und vor allem faul, wenn es um das Tragen und insbesondere den Kauf von Kleidung geht. Frauen hingegen zelebrieren den Akt des Einkaufens, können ihn endlos ausdehnen, und es verschafft ihnen eine unglaubliche Befriedigung, die gemachte Beute in die heimische Höhle zu schleppen. Shopping bedeutet für Frauen neben Essen und Sex den größtmöglichen Lustgewinn, und das ohne lästige Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und Männer. Frauen sind nicht nur äußerlich ästhetischer, sie haben auch einen ausgeprägteren Geschmack als die Herren der Schöpfung, wenn es um die Gestaltung und Darstellung von Haus, Garten und auch den eigenen Körper geht. Ob es nun an der lebenslangen Beschäftigung mit Barbiepuppen, Modemagazinen und Germany’s Next Topmodel liegt, genetisch bedingt ist, oder schlicht am allgemeinen Desinteresse der Männer an derlei Dingen, lässt sich nicht hundertprozentig sagen. Fakt ist, Frauen kleiden sich besser. Deshalb sollten sich Männer ohne Bedenken entsprechende Tipps bei Frauen suchen und von deren reichhaltigem Erfahrungsschatz profitieren.

Es ist ja statistisch bewiesen, dass Männer, die sich in langjährigen Beziehungen befinden, länger leben als ihre einzelkämpfenden Artgenossen. Die Gründe sind trivial. Frauen setzen ihren Partnern Gemüse und Obst vor, kochen fett- und fleischarm, und zwingen sie zu Spaziergängen. Jedes Frühjahr dieselben schrecklichen Szenen, wenn die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen, und es die Damenwelt in einer kollektiven Hausflucht nach draußen zieht, während ihren Männer der ganze Sonnenwahn überhaupt nicht abgeht, und sie lieber zuhause das Bundesligasaisonfinale sehen würden. Und Frauen mischen sich natürlich auch in die Kleidungsproblematik ihrer Männer ein, und das ist auch gut so. Wenn wir schon älter werden, dann können wir dabei auch gut aussehen. Kennen wir doch von unseren Vätern und Großvätern. Hat von denen jemals einer neue Strümpfe oder Hemden gekauft? Quatsch, das hat Mutti erledigt. Erstens, weil sie wusste, dass der Herr Gemahl nicht einmal auf die Idee kommen würde, sich neue Kleidung zu kaufen, wenn er von Löchern durchsiebt, ausgefranzt und zerrissen, selbst den Pennern auf der Straße Konkurrenz macht. Zweitens, weil klar war, dass es völlig sinnlos ist, mit dem meckernden Alten die Kaufhäuser abzuklappern, und drittens, er sowieso nur Schrott kaufen würde. Daher übernahm die Hausherrin diese sensible Aufgabe. Schnell neue Schlüpper bei Otto bestellt, und die Welt zirkulierte in ihrem gewohnten Lauf.

männer und mode
Quelle: Mike Orlov

Was sich über Generationen bewährt hat, kann ja nicht auf einmal schlecht sein. Aber um sich selbst zu entlasten, sollten die Damen ihre anspruchslosen Partner an der wunderbaren Erfahrung des Einkaufs teilhaben lassen. Gerade im Zeichen der Gleichberechtigung könnten sie ihre Männer in die Kleiderauswahl mit einbeziehen, sie eventuell sogar auf ausgewählte Shoppingtouren mitnehmen, und den Herren diese völlig unbekannte Welt auf sanfte Art und Weise näherbringen. Männer sind ja lernfähig, und vor allem Gewohnheitstiere. Wenn man ihnen einmal sagt, das Socken in Sandalen einfach bescheuert aussehen, dann nehmen sie das auch an. Und sie brauchen diese Unterstützung. Gerade jetzt im Sommer ist die Hilflosigkeit der Männer was Mode-Fauxpas angeht, wieder allerorts zu beobachten. Erschreckende Bilder, die sich dem unbedarften Beobachter da bieten. Sandalen sind ja nur die Spitze des Eisberges. Deshalb laut und deutlich für alle: Hände weg von offenen Schuhen. Das gilt vor allem für den Berufsalltag. Es wird doch kein Mann von seinen Geschäftspartnern ernst genommen, wenn er das Schuhwerk eines Bettelmönchs auf dem Jakobsweg trägt. Sämtliche Variationen von Slippern, Sandalen, barfuß oder mit Socken enden im Desaster. Flip-Flops im Garten und am See, okay, alles andere dringendst vermeiden. Damit sind wir auch schon bei einer der modischen Großbaustellen der Männerwelt: kurze Hosen. Es gibt nichts Unappetitlicheres als entblößte und behaarte, knochige oder fleischige, blasse oder gebräunte Männerknöchel. Das will niemand sehen. Zudem ist die Gefahr einer katastrophalen Kombination mit angesprochener Schuh-Socken-Problematik exorbitant hoch. Kurze Hosen bei Männern sind einfach entwürdigend und deshalb ein totales No-go für den Alltag.

Ein weiteres unerschöpfliches Repertoire modischer Fehlgriffe finden wir im Bereich Mützen, Hüte und Caps. Generell gilt hier: Finger weg von jeglichen Kopfbedeckungen, das Gefahrenpotential ist in diesem Bereich einfach zu groß. Ihr seid weder Al Capone, noch unternehmt ihr Expeditionen durch die Sahara, noch könnt ihr mit der Coolness eines Baseballspielers mithalten. Der Versuch, der äußeren Erscheinung durch das Tragen einer Kopfbedeckung Eleganz, Style oder Lässigkeit zu verleihen, wird definitiv in die Hose gehen. Einzig Polizisten und Eisenbahnbeamte dürfen Mützen tragen, weil es zur Uniform gehört. Vielleicht lege darin sogar die Lösung, um die Feindschaft zwischen der Männer- und der Modewelt zu verringern. Uniformen, also ein festgelegtes Arrangement aus Schuhen, Hosen, Oberbekleidung, inklusive Mütze, würden den Männern den täglichen Anziehstress und den Augen ihrer Mitmenschen die beleidigenden Ergebnisse ihrer eigenen Kleiderwahl ersparen.