Das Schönheitsideal von heute – 5 schreckliche Trends

Mode & Lifestyle von Daniel am 14.10.2016

Mit dem Schönheitsideal von heute ist es so ähnlich wie mit Modetrends und Frisuren: Irgendwie gab es alles schon mal und trotzdem kommt alles immer wieder. So wie der Undercut den Fokuhila ablöst, kommt nach dem Heroin Chic das Po-Implantat. Natürlich darf kein Trend zu auffällig wiederholt werden, muss unbedingt einen neuen Namen bekommen, und nach Jahrzehnten geht alles ganz gerne auf bedenkliche Art ins Extrem. Wer bei  „Collarbone Challenge“ an ein Sportereignis oder bei „Ab Crack“ an eine neue Designerdroge denkt, der wird sich über Kreativität aber auch Perversion aktueller Ideale wundern.

Frau mit Oberschenkeltatoos
©www.n24.de

In den 90ern war man sich eigentlich noch relativ einig darüber, wie die Traumfrau aussehen musste, wenn Pamela Anderson in Zeitlupe und mit knallroter, perfekt auf ihren Badeanzug abgestimmter Schwimmboje zu bescheuerter Musik über den Strand geschwebt kam. Wie verschieden Geschmäcker sein können, wurde mir spätestens klar, als ein Model in einem damaligen Jeans-Werbespot eine seltsame Lücke zwischen den Schenkeln aufwies, die zwar in anspruchsvollen Nahaufnahmen präsentiert wurde, mich aber eher an die O-Beine eines Lothar Matthäus erinnerte als irgendeine Anziehungskraft auszuüben. „Zwischen den Beinen einer Frau muss man einen Hut durchwerfen können“ war dann ein unzureichender Erklärungsversuch, der mir bis heute nicht eingeleuchtet hat.

Mut zur Lücke

Heute gibt es für die sogenannte „Thigh Gap“, das scheinbar erstrebenswerte Schönheitsideal von heute, nicht nur einen trendigen Ausdruck, sondern im Falle von Cara Delevingne sogar einen eigenen Twitter-Account. Unter „CarasThighGap“ wurden eine Weile regelmäßig Bilder von der Beinlücke des Models gepostet, um Begeisterungsstürme zu ernten und Nachahmerinnen zu finden. “Ich bin so nah dran! Welche Übung kann mir helfen, meine Thigh Gap zu bekommen? Ich muss nur noch ein bisschen mehr Fett an den Beinen verlieren“, schreibt ein Mädchen mit dem Nickname Ana Guru. Normalgewichtige Models, wie zum Beispiel Robyn Lawley werden dagegen als „fettes Schwein“ beschimpft, weil ihre Schenkel sich berühren –  auf dem Cover der italienischen Vogue warnt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln eindringlich vor diesem Trend und stellt vor allem klar, dass er gar nicht für jeden erreichbar ist: „Wer eine sehr außengestellte Hüfte hat, kann auch mit Normalgewicht eine Thigh Gap haben. Wer dagegen leichte X-Beine hat, der wird das gar nicht hinkriegen, und kann noch so viel trainieren“.

©www.cosmopolitan.com
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Komm, ich zeig dir meine Münzsammlung

Für das nächste Schönheitsideal von heute, der Collarbone Challenge, versuchen Frauen, möglichst viele Münzen auf ihren abgemagerten Schlüsselbeinknochen zu legen und Bilder davon zu posten, was laut Froböse noch viel bedenklicher ist: „Der hervorstechende Schlüsselbeinknochen ist ein typisches Merkmal der Magersucht. Dieses Phänomen erreichen nur extrem dünne Menschen, den Knochen kann man nicht trainieren“ Auch sehr schwer erreichbar und mit keinem weiblichen Schönheitsideal von heute vereinbar ist die sogenannte „Ab Crack“, eine auffällige Spalte zwischen extrem trainierten und fettfreien Bauchmuskeln, die von der Brust bis zum Bauchnabel verläuft. Das funktioniert nur bei einem Körperfettanteil von etwa 12 Prozent, wobei der normale Anteil schlanker Frauen bei 15 – 18 Prozent liegt.  Die Meinungen gehen hier allerdings sogar bei Fans der Ab Crack Pionierin Emily Ratajkowsk auseinander, und viele finden, dass es eigentlich nach einer Narbe aussieht. Bleibt zu hoffen, dass sich der Trend nicht durchsetzt.

ab crack
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Ein Blatt im Wind

Bei der A4-Challenge müssen die Teilnehmerinnen ihre Taille hinter einem vertikalen DIN A4 Blatt verstecken können, um zu bestehen.  Wenig überraschenderweise stößt auch dieser Wettbewerb nicht nur auf Begeisterung, so wird er von manchen auf die Schippe genommen, indem sie sich ein Blatt Papier quer vor den Oberkörper halten, andere sagen flapsig: „Ich habe eine Nummer kleiner als A4. Ich hab A3“. Ebenfalls zum Knochengerüst abmagern muss man für eine „Bikini Bridge“, den Abstand zwischen Haut und Bikinihose im Liegen bei extrem herausragenden Knochen. Auch hier werden fleißig Vergleichsbilder gepostet, gedisst und Beifall geklatscht.

Hilfe zur Selbstzerstörung

Endgültig in eine bedenkliche Richtung geht das krankhafte Streben nach dem vermeintlichen Schönheitsideal von heute auf Blogs wie „foodisthe-enemy“, auf denen sich die jungen Frauen ganz offen über krankhafte Methoden zum Abnehmen austauschen. Entsprechende Hashtags wie #thinspiration, #thinspo, #proanorexia und #probulimia werden regelmäßig verboten und  im Gegenzug durch Abwandlungen wie #thynspiration ausgetauscht. Hier empfehlen sich die meist minderjährigen Teilnehmerinnen gegenseitig Medikamente zur Hungerunterdrückung oder propagieren, sich bei Hungerattacken selbst in den Bauch zu boxen oder Sit Ups zu machen, statt etwas zu essen.

Triple Zero

Für weltweite Empörung sorgte die neu eingeführte Größe 28 oder auch Triple Zero der Modemarke Abercrombie & Fitch, die sowieso schon ins Kreuzfeuer der Kritik genommen wurde, weil sie Kunden Schlange stehen lässt, ihre Mode „nur für coole, gutaussehende Personen gedacht ist“ und generell immer wieder durch diskriminierende, rassistische Tendenzen aufgefallen war. Wer diese Größe erreicht, könnte sich theoretisch den Kleiderschrank mit seiner siebenjährigen Tochter teilen. Immerhin eine Möglichkeit, Geld zu sparen.

magersüchtiger Bauch
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