Tattoos – Wer will noch, wer hat noch keins?

Mode & Lifestyle von Birgit am 08.11.2016

Sie kommen in unterschiedlichen Formen und Farben. Fast jeder hat heute eins. Erraten, worum es geht? Richtig! Es geht um Tattoos! An diesem Körperschmuck scheiden sich die Geister: Tattoos sind die Resultate unreifer Entscheidungen, die man ein Leben lang bereut, sagen die einen. Das ist doch nur die Meinung von Spießern, sagen die anderen. Wir haben uns mal etwas tiefer mit dieser polarisierenden Materie beschäftigt.

Quelle: Shutterstock/beornbjorn
Quelle: Shutterstock/beornbjorn

Wie lange gibt es schon Tattoos?

Auch wenn man immer gerne annimmt, dass Tattoos eine neumodische Modeerscheinung sind, geht ihre Geschichte sehr weit zurück – wirklich weit.

In Ägypten gab es Tattoos schon vor rund 2000 v.Chr., wie man anhand von archäologischen Funden feststellte. Unter den gefundenen Mumien mit Tattoos waren einige sogar über 8000 Jahre alt. Noch ältere Belege sind Figuren, wie sie oftmals als Grabbeigaben verwendet wurden: Die tattoo-artigen Zeichnungen geschmückten Körper wurden sogar noch älter geschätzt als die gefundenen Mumien, nämlich auf ca. 10.000 Jahre!

Doch auch in heimischen Breitengraden können Tattoos eine ansehnliche Geschichte vorweisen. Den frühesten Beleg dafür lieferten die gefrorenen Überreste von “Ötzi”, der auf ca. 5.250 Jahre geschätzt wird. Der Mann aus dem Eis hat auf seinem unteren Rücken, seinen Knöcheln, Knien und einem Fuß eine Reihe von schmalen Linien, die dadurch entstanden, dass Kohle in vertikale Schnitte in der Haut gerieben wurde. Wie man sieht, sind Tattoos tatsächlich Körperschmuck für die Ewigkeit!

Auch wenn diese Funde auf eine sehr lange Geschichte der Tattoos hinweisen, können der tatsächliche Ursprung und der genaue Beginn von Tattoos nicht präzise bestimmt werden, da Tattoos sich ganz unabhängig voneinander entwickelt haben und zu unterschiedlichen Zeiten in den unterschiedlichsten Teilen der Erde aufgetaucht sind.

Warum lassen sich Menschen tätowieren?

Die Gründe, warum Menschen sich tätowieren lassen, sind so vielfältig wie die Menschen selbst.

Quelle: Shutterstock/SergeiAleshin
Quelle: Shutterstock/SergeiAleshin

Bei Ötzi, zum Beispiel, gehen Forscher davon aus, dass die Vorfahren der Mittel- und Nordeuropäer Tattoos als Behandlung von Schmerzen verwendet haben könnten, sozusagen als frühzeitliche Akupunktur. Röntgenaufnahmen von Ötzis Knochen zeigten nämlich genau an den Stellen, an denen sich die Tattoos befinden, Auffälligkeiten an den Knochen.

Im südpazifischen Raum dagegen waren und sind Tattoos ein wichtiger Teil des kulturellen Bewusstseins. In Hawaii, wird zum Beispiel die Zunge zum Zeichen der Trauer mit drei Punkten versehen. Oder in Tahiti wurden – und werden zum Teil auch heute noch – Mädchen zu Beginn ihrer Geschlechtsreife an ihrem Allerwertesten tätowiert. Vom tahitianischen Wort “tatau”, auf deutsch “Zeichen”, leitet sich übrigens auch der heutige Name des Tattoos ab.

In Japan hingegen sind Tätowierungen Zeichen des Aufbegehrens. Da es früher nur Adligen und der gesellschaftlichen Elite erlaubt war, kunstvoll verzierte Kimonos zu tragen, rebellierten Kaufleute und die niederen Klassen, indem sie sich ihren gesamten Körper tätowieren ließen  und zwar vom Nacken abwärts, bis zu den Ellenbogen und den Knien. 1870 wurden Tattoos als subversiv abgestempelt und sogar offiziell geächtet. Daraufhin interessierte sich auch die Yakuza, die japanische Mafia, für die Ganzkörper-Kunstwerke. Da das Stechen sehr langwierig und schmerzhaft war, galt das fertige Tattoo als Beweis für die Loyalität des Trägers und spiegelte symbolisch bestimmte Eigenschaften wider. So stand ein Löwe beispielsweise für Mut.

Doch nicht alle Träger von Tattoos haben sich ihre Tattoos freiwillig stechen lassen. Bei den Römern im Altertum wurden Sklaven mit Tattoos versehen, um sie so eindeutig ihrem Besitzer zuzuordnen und sie von einer Flucht abzuhalten.

Auch heute lassen sich immer mehr Menschen tätowieren, teils aus ähnlichen Gründen, wobei der Fokus sehr stark zu Individualität und Einzigartigkeit tendiert.

1. Erinnerungen

Schöne Momente, Orte, Erlebnisse, und vor allem die Erinnerung an besondere Menschen soll festgehalten werden durch Symbole, Schriftzüge, Portraits, usw. So können Tattoos einen sehr intimen Einblick geben in das Seelenleben ihres Trägers, über Liebe, Schmerz und Verlust.

Quelle: Shutterstock/Versta
Quelle: Shutterstock/Versta

2. Aufmerksamkeit auf ein Thema ziehen

Gleichzeitig werden oftmals bestimmte Themen in Tattoos aufgegriffen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen. So lassen sich manche Nachfahren von Überlebenden des Holocaust die Nummer, die ihre Verwandten im Konzentrationslager bekamen, auf den Arm tätowieren, um ihrer Verwandten zu gedenken und an diese Zeit zu erinnern. Aus dem gleichen Grund lassen sich auch HIV-Patienten oder deren Angehörige ein entsprechendes Tattoo stechen, das Aufmerksamkeit auf dieses Thema zieht, damit Menschen sich damit auseinandersetzen.

Quelle: Shutterstock/MarcusVDT
Quelle: Shutterstock/MarcusVDT

3. Ausdruck von Kreativität und Kunst

Getreu dem Motto “Mein Körper, mein Tempel” ermöglichen Tattoos die kunstvolle Verschönerung des Körpers ganz nach dem eigenen Geschmack. Stell dir vor, du lässt dir dein Lieblingsbild deines Lieblingsmalers stechen oder ein Künstler designed ein Tattoo ganz speziell und nur für dich – damit bekommst du nicht nur ein einzigartiges Kunstwerk, sondern dein Körper wird zu einem! Und das kannst du wirklich für immer und ewig behalten!

4. Ausdruck der inneren Haltung

In solchen oft sehr individuellen Lösungen schwingt auch oft der Gedanke mit, sich in einer bestimmten Art und Weise von anderen abzugrenzen. Damit kann das Tattoo zum Zeichen der Rebellion werden, zu einem Ausdruck seiner Überzeugung, des Lebensstils und des Lebensgefühls. Man trägt also sein Inneres nach außen.

Quelle: Shutterstock/chaoss
Quelle: Shutterstock/chaoss

5. Überstandene Herausforderungen

Tattoos sind auch oft Zeichen dafür, dass man etwas überstanden hat, eine schwere Krankheit, Krieg oder ähnlich Traumatisches. Brustkrebspatienten zum Beispiel haben sich nach überstandener Therapie bzw. Operation Blüten anstelle ihrer abgenommenen Brustwarzen tätowieren lassen.

6. Selbst-Bewusstsein und Solidarität

So können Tattoos, die Narben oder Hautverfärbungen verdecken, ihren Trägern auch ein Stück Lebensqualität wieder zurückgeben. Auf der anderen Seite können aber auch Menschen mit ihren Tattoos ihren Mitmenschen Solidarität zeigen. Ein Ehepaar aus den Vereinigten Staaten, zum Beispiel, hat sich das Feuermal ihres Kindes, das sich über das gesamte Bein zieht, tätowieren lassen, damit es sich nicht so alleine fühlt.

7. Mode & Trends und Spontaneität

So tiefgründig manche Tattoos auch scheinen, nicht jedes Tattoo muss eine Bedeutung haben. Manche Tattoos sind einfach Modeerscheinungen – das bekannte “Arschgeweih” ist uns wohl allen noch lebhaft in Erinnerung – oder das Ergebnis einer spontanen Laune. Kein Grund, deswegen den Kopf zu schütteln, jeder kann/soll/darf mit seinem Körper machen, was er will.

8. Kontrolle

Der Aspekt, der sich wahrscheinlich bei allen Gründen einschleicht, ist die Kontrolle. Auch wenn unser Leben manchmal den Anschein macht, uns aus den Händen zu gleiten oder unberechenbar zu sein, unsere Tattoos können wir selbst bestimmen. Das gibt uns ein Gefühl von Macht zurück, dadurch haben viele Menschen den Eindruck, sich mal wieder ganz zu spüren und bei sich zu sein.

Wie werden Tattoos gestochen?

In unseren Breitengraden werden Tattoos überwiegend mit der elektrischen Tätowiermaschine gestochen. Dabei kann die Nadel 800 und 3000 Mal pro Minute in die Haut eindringen und das Tattoo kann schnell und präzise gestochen werden. In anderen Ländern wie Asien oder Ozeanien werden Tattoos auch noch auf traditionelle Weise durch das Klopfen von Hand angefertigt. Dabei sind die Nadeln an Stöcken angebracht oder wie ein Kamm angeordnet, und werden dann vom Tattoo-Meister per Hand in die Haut getrieben. Hierbei haben die Meister ihres Handwerks die volle Kontrolle darüber, wie tief die Nadel in die Haut eindringt und geben ihren Tattoos dadurch eine beeindruckende Tiefe.

Quelle: Shutterstock/HalynaParinova
Quelle: Shutterstock/HalynaParinova

Stile

Mit der Zeit haben sich ganz unterschiedliche Stile entwickelt, die alle ihren ganz eigenen Charakter haben. Für welchen du dich entscheidest, hängt natürlich ganz stark von deinem persönlichen Kunstgeschmack ab und von deinem ausgewählten Motiv.

1. Oldschool oder Traditional

Dieser Stil beschreibt oft die stereotypischen Seefahrer-Motive, mit denen die Matrosen ihre Reisen, ihre Schiffe oder ihre Äquatorüberquerungen festhielten. Klassische Motive sind hier Anker, Schwalben, Segelschiffe, Herzen mit Flammen usw. Hier findet man häufig kräftige schwarze Konturen mit ebenso kräftigen Farben und einfach gehaltenen Designs.

Quelle: Shutterstock/rvvlada
Quelle: Shutterstock/rvvlada

2. Newschool oder Neo-Traditional

Dabei sind die Konturen oft schon ein bisschen dünner sowie die Auswahl an Farben und Motiven größer. Außerdem gibt es feinere Farbverläufe und Schattierungen.

3. Japan

Das Charakteristische an diesem Stil sind die japanischen Motive, die zum Beispiel Kirschblüten, Drachen, Kois, Geishas, etc. darstellen.

4. Blackwork & Tribal

Hier wird ausschließlich mit schwarzer Tinte gearbeitet, es gibt kaum Graustufen, sondern ausdrucksstarke Kontraste. Ursprung dieses Stils liegt in den Tribals, den Tattoos der Ureinwohner Neuseeland, Tahitis und Polynesiens. Diese Tattoos erzählen die ganze Familiengeschichte des Trägers und bestehen vor allem aus schwarzen, geometrischen Formen.

Quelle: Shutterstock/Buravtsoff
Quelle: Shutterstock/Buravtsoff

5. Realistic

Realistic-Tattoos sind unglaublich detailreich und aufwendig. Die Arbeit lohnt sich – sie sehen dem Motiv zum Verwechseln ähnlich. Deshalb werden oft Portraits oder Naturmotive in diesem Stil tätowiert.

6. Fineline

Hier wird mit ganz vielen, feinen Linien gearbeitet und schraffiert.

7. Dotwork

Diese Kunstwerke bestehen aus zahllosen Punkten, die zusammen ein hypnotisches und komplexes Ganzes ergeben.

Quelle: Shutterstock/Solveig
Quelle: Shutterstock/Solveig

8. Geometric

Wie der Name schon sagt, stehen hier geometrische Formen, wie Würfel oder Pyramiden im Vordergrund. Die symmetrischen und dreidimensionalen Tattoos erschaffen oft erstaunliche optische Täuschungen

9. Painting / Watercolour / Aquarell

Wie der Name schon sagt, sehen diese Tattoos aus, wie wenn hier wirklich mit einem Pinsel auf die Haut gemalt worden wäre, wobei die Farben an den Rändern oftmals auslaufen werden lassen, damit sie den Aquarell-Effekt schaffen.

Quelle: Shutterstock/MargaritaTkachenko
Quelle: Shutterstock/MargaritaTkachenko

Diese Stile stehen für ganz unterschiedliche Kunstrichtungen und erfordern spezifisches Fachwissen seitens des Tätowierers. Habt ihr euer Wunschmotiv gefunden und wisst, wie es aussehen soll, dann sucht ihr euch am besten einen Tätowierer, der euren gewählten Stil bedienen kann.

Preise

Die Preise für ein Tattoo hängen stark von Motiv, Größe, Stil, Körperstelle, Zeitaufwand, Farben und Tattoo-Künstler ab. Dabei müssen sehr hohe Preise nicht immer automatisch für eine ebenso hohe Qualität stehen. Da das Tattoo tatsächlich für immer auf deinem Körper bleiben wird, solltest du dich, unabhängig vom Preis, unbedingt ausführlich und so gut wie möglich über einen geeigneten Künstler informieren und vorherige Arbeiten von ihm sichten, damit es nicht zu bösen Enttäuschungen und viel verschwendetem Geld kommt. Außerdem sollte dir dein Tätowierer sympathisch sein, denn ihr werdet doch etwas Zeit sehr nah zusammen verbringen.