Hoch die Tassen – Teezeremonien zum Genießen

Mode & Lifestyle von Birgit am 15.11.2016

Tee und Teezeremonien sind hoch im Kurs – kein Wunder, ist Tee doch gleich nach Wasser das beliebteste und am meisten konsumierte Getränk weltweit. Beim jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch ist überraschenderweise Ostfriesland dabei der absolute Spitzenreiter. Die Zubereitung wird uns leicht gemacht: Tütchen auf, Beutel in die Tasse, heißes Wasser drauf – fertig ist die Instant-Entspannung, die Instant-Gesundung, die Instant-Wasauchimmer. Will heißen: Gönn dir was, genieß den Augenblick – aber möglichst schnell.

Foto: Shutterstock / Alexander Mazurkevich
Foto: Shutterstock / Alexander Mazurkevich

Wer sich eingehender mit der Materie beschäftigt, wird aber schnell feststellen, dass sehr viel mehr dahinter stecken kann, als einen Teebeutel in heißem Wasser ziehen zu lassen. Dass Teezeremonien im Alltag willkommene Pausen zur Entspannung und Besinnung sein können, zeigen die unterschiedlichen Teezeremonien und -traditionen aus der ganzen Welt.

Japan – Chanoyu

Der berühmte japanische Teemeister Sen no Rikyu (1522-1591) sagte einmal “Die Kunst des Tees muss man wissen, ist nichts anderes, als Wasser kochen, Tee zubereiten und trinken.” Wenn man sich die japanische Teezeremonie – chanoyu (dt. “Wasser für Tee”) – so anschaut, scheint das aber nicht ganz so einfach. Sie folgt nämlich sowohl in der Vorbereitung als auch Durchführung hunderten von exakt festgelegten Schritten.

Foto: Shutterstock / Elena Schweitzer
Foto: Shutterstock / Elena Schweitzer

Die Zeremonie, in der meist Matcha serviert wird, beginnt mit der feierlichen Begrüßung der Gäste im Garten, bevor sie zu kleinen Speisen ins Teehaus gebeten werden. Nach einer kurzen Pause bereitet der Gastgeber dann den eigentlichen Höhepunkt der Zeremonie vor, sämigen, vollmundigen Matcha, dem nach einer weiteren Pause im Garten ein zweiter, etwas leichterer Matcha folgt. Jeder dieser Schritte wird begleitet von Ausdrücken von Höflichkeit und Respekt – ansonsten wird nicht gesprochen – und langen Momenten der Meditation. Die minutiöse Ausführung aller Schritte dauert in etwa 3-4 Stunden und ist für maximal 4 Teilnehmer gedacht.

Matcha kann aber auch etwas schneller zubereitet und genossen werden. Wenn du das selber gerne ausprobieren möchtest, ist diese Anleitung sehr zu empfehlen:

 

China – Gong-Fu Cha

Die chinesische Teezeremonie ist im Gegensatz zur japanischen nicht ganz so strikt und perfektionistisch. Im Vordergrund steht hier das mehrfache Aufgießen der Teeblätter, was je nach Teesorte unterschiedlich oft wiederholt werden kann. Dadurch kann der gesamte Charakter des Tees erfahren und geschmeckt werden. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht, wenn man das nicht will. Was du dafür brauchst, ist

  • eine kleine Teekanne mit ca. 150-200 ml Fassungsvermögen
  • eine ebenso kleine Servierkanne
  • proportional passende kleine Teetässchen
  • losen Tee deiner Wahl
Teezeremonien-Shutterstock_Julenochek
Foto: Shutterstock / Julenochek

Für deine Gong-Fu Cha Zeremonie (dt. “Zeit für den Tee”) erwärmst du zunächst das Wasser auf die für deinen Tee bestimmte Temperatur.

Gib ein wenig Wasser in dein Teekännchen, um es aufzuwärmen.

Wenn du die Wärme des Wassers auch auf der Oberfläche des Kännchen spürst, wandert das Wasser in deine Servierkanne, damit auch diese erwärmt wird.

Dann gibst du die passende Menge an Teeblättern in dein jetzt warmes Teekännchen und gießt sie auf.

Kurz bevor der Tee fertig ist, gießt du das Wasser aus deiner Servierkanne weiter in die Teetässchen, damit auch diese erwärmt werden. Nach der Ziehzeit gießt du dann den fertigen Tee vollständig in deine Servierkanne. Bevor du den Tee ausschenkst, gießt du das Aufwärm-Wasser aus den Tässchen nun endgültig ab.

Für die weiteren Aufgüsse wiederholst du diesen Prozess, solange du magst oder bis dein Tee geschmacklich verbraucht ist. Weil der Tee beim Gong-Fu Cha kürzer und dafür öfter aufgegossen wird, ist das Teekännchen hier auch kleiner.

Türkei & Russland

Obwohl Tee nicht überall auf der Welt angebaut werden kann, wie beispielsweise in Japan oder China, gibt es weltweit sehr viele verschiedene Teezeremonien. In der Türkei und Russland sind diese von der Zubereitung des Tees her sehr ähnlich. In beiden Ländern wird Wasser in einem großen Gefäß erhitzt, das in der Türkei Semaver und in Russland Samowar heißt. Dieses Gefäß hatte früher in der Mitte einen Schacht für Holzkohle, um das Wasser zu erhitzen und heiß zu halten. Heute funktioniert das mit Strom. Das Gefäß verfügt außerdem über eine Art Zapfhahn, mit dem das Wasser ausgeschenkt werden kann.

Wenn das Wasser heiß ist, wird in einer Kanne auf dem Semaver bzw. Samowar ein sehr starker Schwarztee gemacht, sozusagen ein Konzentrat, das dann je nach Geschmack mit dem heißen Wasser aus dem Semaver/Samowar vermischt werden kann.

Foto: Shutterstock / Marina Onokhina
Foto: Shutterstock / Marina Onokhina

Teetrinken

So unterschiedlich diese Teezeremonien auch sein mögen, sie sind Wege, innere Ruhe einkehren zu lassen, indem man sich in einer angenehmen Umgebung Zeit nimmt und sich ganz auf den Tee konzentriert. Dabei steht der Genuss des zubereiteten Tees im Vordergrund, und zwar mit allen Sinnen, von der Teebeschauung, über das Anfassen und Riechen bis hin zum Schmecken. Damit eröffnet Tee dem Genießer ganz neue Welten an Geschmack, an Geschichte und an Kultur und verhilft gleichzeitig zu wertvollen Momenten innerer Harmonie und Entschleunigung. Wenn auch ihr jetzt Lust bekommen habt, euren Teeweg zu beschreiten, dann immer los!

Hier sind unsere persönlichen Favoriten für perfekte Teezeremonien in Berlin:

  1. Nannuoshan

Foto: Nannuoshan / nannuoshan.org

Foto: Nannuoshan / nannuoshan.org

Nannuoshan ist ein wunderbarer Ort, um noch wunderbarere chinesische Tees zu entdecken, zu genießen und zu kaufen. Die beiden Inhaber begeistern mit ihrem Wissen und der Leidenschaft für ihre Tees, die sie direkt von vor Ort ausgewählten Teegärten in China beziehen. Sehr zu empfehlen sind auch die Seminare und das sonntägliche Teefrühstück.

In den Heckmann Höfen, Oranienburger Straße 32, Berlin-Mitte

  1. Tadshikische Teestube

Foto: Tadshikische Teestube / tadshikische-teestube.de
Foto: Tadshikische Teestube / tadshikische-teestube.de

Auf gemütlichen Sitzkissen lässt sich Tee am besten genießen, vor allem wenn man dabei auch noch allerhand Leckereien verschnabulieren kann. Wenn dabei auch noch Märchen vorgelesen werden, ist das Tee-Erlebnis perfekt!

Im KunstHof, Oranienburger Str. 27, Berlin-Mitte

  1. Berliner Teesalon

Foto: Berliner Teesalon / berliner-teesalon.de
Foto: Berliner Teesalon / berliner-teesalon.de

Im Berliner Teesalon findet ihr vor allem pure Tees aus Asien, von Oolong bis hin zu Pu-Erh ist alles dabei. Bei der Inhaberin seid in äußerst fachkundigen Händen und seid eingeladen, Tees zu verkosten… genauso wie die selbstgebackenen Scones mit Clotted Cream. Und wer nach einem passenden Kännchen für seinen Tee sucht, ist hier ebenfalls an der richtigen Adresse

Stuttgarter Platz 15, Berlin-Charlottenburg

Ihr kennt deutschlandweit fantastische Tee-Orte, die unbedingt erwähnt werden müssen? Immer her damit, schickt uns eure Kommentare!