WhatsApp bald wieder kostenlos

Mode & Lifestyle von Fabian am 19.01.2016

AN!

der Sache ist doch etwas faul. Gestern vermeldete Facebook, dass der Messengerdienst WhatsApp künftig auf die jährliche Nutzungsgebühr verzichten wird. Angeblich will Facebook mit dieser freundlichen Aktion die Laune unter den Nutzern verbessern und vor allem Kunden gewinnen, die sich bisher dadurch abschrecken ließen, dass die App kostenpflichtig war. Schon nächste Woche sollen die entsprechenden Umstrukturierungen vollzogen sein und dann kann jeder umsonst per WhatsApp chatten. Schön und gut, aber was steckt wirklich dahinter? An den selbstlosen Gutmenschen glaubt natürlich niemand, wenn es sich um milliardenschwere Konzerne handelt. Seit der Kurzmitteilungsdienst WhatsApp im Jahre 2014 vom Social Media-Giganten Facebook für den Schnäppchenpreis von 19 Milliarden Dollar übernommen wurde, hat sich der Userkreis von 450 Millionen auf rund 900 Millionen verdoppelt. WhatsApp gilt als der am schnellsten wachsende Internetdienst der Geschichte. Dass Facebook einen derart potenten Konkurrenten ausschaltete, überraschte daher nicht.

facebook whatsapp

 

Bisher kostete WhatsApp einen Dollar (89 Cent/Deutschland) im Jahr. Ein zugegebenermaßen erschwinglicher Betrag, aber bei 900 Millionen Nutzer kann sich jeder selbst ausrechnen, dass dabei durchaus eine schöne Summe rumkam. Mit der nun verkündeten Abschaffung der jährlichen Nutzungsgebühr bricht der Konzern angeblich zu neuen Ufern auf: „Die Übernahme hat uns erlaubt, uns aufs Wachstum zu konzentrieren und nicht ans Geldverdienen zu denken“, vermeldetet Mitgründer Jan Koum. Diese Aussage ist natürlich Nonsens, denn seit wann hat Wachstum nichts mit Geldverdienen zu tun, und vor allem, warum sollte ein Wirtschaftskonzern wachsen wollen, wenn es nicht um Gewinne geht!? Nur weil WhatsApp nicht länger Einnahmen durch eine direkte Gebühr erzielt, heißt das noch lange nicht, dass der Messenger in Zukunft sämtliche volkswirtschaftlichen Prinzipien über den Haufen wirft, und aus reinem Samaritertum seine Dienste den in nächster Zeit wahrscheinlich eine Milliarde zählenden Nutzern kostenlos anbietet. Auf eine Milliarde Dollar verzichtet nicht mal ein Milliardenkonzern.

versuch

 

 

Facebook und WhatsApp sind mittlerweile so groß, dass sie es sich erlauben können, diese Summe quasi zu reinvestieren. Durch den offensichtlichen Verzicht auf eine Gebühr, wird die Userzahl weiterhin steigen und damit auch die Anzahl an potentiellen Opfern für Werbekampagnen. WhatsApp gerät immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit und auch von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, weil Nutzerdaten und Nutzerverhalten weitergegeben werden. Der Dienst liest Nachrichten mit, hört Gespräche ab und kann auf Fotos und Videos zugreifen. Die gesammelte Masse an Daten hat einen unschätzbaren Wert für Unternehmen. WhatsApp verkauft Daten und Medien an diese Unternehmen und nimmt damit ein Vielfaches von dem ein, was eine jährliche Nutzungsgebühr erwirtschaften würde. Dass die Verantwortlichen damit das Vertrauen der Nutzer schamlos ausnutzen und teilweise gegen Gesetze verstoßen, kümmert diese offensichtlich nicht. Zeit ihres Bestehens werden deshalb sowohl WhatsApp als auch Facebook wegen mangelnder Sicherheitsbestimmung und Verletzung von Persönlichkeitsrechten stark kritisiert.

secret

 

Die Vermarktung durch die Werbeindustrie ist aber nur eine mögliche Art der zweifelhaften Verwertung von Nutzerdaten. Mitte 2015 wurde bekannt, dass WhatsApp es amerikanischen Behörden erlaubt, Nachrichten mitzulesen und Gespräche abzuhören. Natürlich kochte die Gerüchteküche hoch, Verschwörungstheorien gesponnen, und die Vorstellung, dass die Messenger App von Geheimdiensten genutzt wird, klingt gar nicht mal so abwegig. Dass gewisse Organisationen Interesse an einem Nachrichtenmedium haben, das demnächst von jedem siebten Erdenbürger benutzt wird, verwundert sicherlich nicht. Dass das gegen sämtliche rechtlichen und moralischen Rahmenbedingen und Sitten verstößt, versteht sich ebenfalls von selbst. WhatsApp ist ein Global Player, der auch nicht zimperlich ist, wenn es darum geht, unliebsame Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Beispielsweise wurde jüngst bekannt, dass Links zum Konkurrenzmessengers Telegram nicht per WhatsApp versendet werden und innerhalb des Dienstes angeklickt werden können. Wer auch immer tatsächlich über WhatsApp bestimmt und Zugang zu den gesammelten Daten hat, hält ein mächtiges Instrument in den Händen.