Wie die Amerikaner Berlin vor einem Terroranschlag bewahren

Mode & Lifestyle von Fabian am 05.01.2016

AN!schlag

Homeland ist eine der erfolgreichsten amerikanischen Serien aller Zeiten und erfreut sich auch hier zu Lande großer Beliebtheit. Gerade ist die letzte Folge der mittlerweile fünften Staffel in den USA ausgestrahlt wurden. Statt mit einem lauten Knall ein furioses Finish einzuläuten, plätschert das Finale allerdings eher so vor sich hin, am Schluss gewinnen wie gewohnt die Guten. Die Guten, das sind natürlich die Amerikaner und in diesem speziellen Fall auch die Deutschen, denn die Handlung spielt zum größten Teil in Berlin. Zugegeben, das Ende passt irgendwie zur gesamten Staffel. Es gibt wenig Neues was den Zuschauer tatsächlich fesseln kann und insgesamt kommt die fünfte Staffel doch ziemlich blutleer daher. Es entsteht der Eindruck, dass Homeland eigentlich zu Ende erzählt ist. Nichtsdestotrotz haben der Sender Fox 21 und die Macher der Serie erst kürzlich die 6. Staffel angekündigt, was auch nicht wirklich verwundert. Trotz sinkendem Niveau ist die Serie weiterhin erfolgreich und die Kuh wird eben gemolken so lange es geht.

Die erste Staffel war 2011 wirklich ein Kracher und Homeland wurde zu Recht mit Preisen überhäuft. Spannung pur, gute Schauspieler und eine interessante Story – man konnte kaum wegschalten. Zunächst zeichneten die Amerikaner ein differenziertes Bild vom Krieg gegen den Terror, was man ihnen so kaum zugetraut hätte. Dem Zuschauer wird vermittelt, dass das kein sauberer Krieg ist und auch auf amerikanischer Seite Fehler gemacht werden. Auf der anderen Seite spielt das Storyboard mit vielen Vorurteilen und Klischees gegenüber der islamischen Welt, und geizt nicht mit inhaltlichen Pauschalisierungen und Vereinfachungen. Die Serie steht vor allem seit der dritten Staffel in der Kritik wegen ihrer indirekten Stimmungsmache für die amerikanische Außenpolitik im sogenannten Kampf gegen den Terror. Und sie hat auch qualitativ nachgelassen.

Claire Danes Homeland

Hauptdarstellerin in Homeland ist Carrie Mathison, gespielt von Claire Danes, CIA-Agentin mit einer bipolaren Störung, die als Spezialistin für den Nahen Osten verschiedene Missionen erfüllt. Stets geht es darum, eine terroristische Aktion zu unterbinden oder einen bekannten Terroristen zur Strecke zu bringen, und in der Regel geht Carrie auch als Siegerin vom Feld. Daneben sind die üblichen Geschichten um Liebe, Familie und Freundschaft gestrickt. Die Handlung der aktuellen Staffel ist schnell erzählt. Sie setzt zwei Jahre nach dem Ende der vierten Staffel und Carries Abschied von der CIA ein. Die ehemalige Agentin hat die USA verlassen und lebt mit Kind und deutschem Freund in Berlin. Der Zuschauer sieht, wie sie als fürsorgliche Mutter ihre Tochter in den Kindergarten bringt und als Sicherheitsexpertin für eine private Wohltätigkeitsorganisation arbeitet.

Plötzlich wird die einträchtige Ruhe gestört und ein Mordanschlag auf Carrie verübt. Natürlich beginnt die Exagentin auf eigene Faust mit den Nachforschungen. Sie findet heraus, dass ausgerechnet sie auf einer sogenannten Kill-List der CIA steht. Gemeinsam mit ihren alten Kollegen macht sie sich auf die Suche nach der dafür verantwortlichen Person innerhalb der CIA. Am Ende stellt sich heraus, dass eine Verräterin aus höchsten CIA-Kreisen für den russischen Geheimdienst arbeitet und in dessen Auftrag für die Eliminierung von Carrie sorgen sollte. Parallel zu diesem Handlungsstrang plant eine Gruppe von IS-Kämpfern aus Berlin einen Anschlag auf die deutsche Hauptstadt. Es entsteht ein Bild, wonach halb Kreuzberg von islamistischen Schläfern unterwandert ist, die über außergewöhnliche Ressourcen verfügen. Diese Gruppe angehender Märtyrer bereitet einen Giftgasanschlag auf den Berliner Hauptbahnhof vor, was aber in letzter Sekunde durch Carrie und ihren unerschütterlichen, oft auch kompromisslosen Einsatz unterbunden werden kann. Berlin ist seinem Schicksal noch einmal entkommen, weil letztendlich die Amerikaner in Zusammenarbeit mit deutschen Sicherheitsbehörden, in erster Linie dem BND, Deutschland vor einem Terroranschlag bewahrt haben.

Homeland Staffel 5

Was will uns dieser Plot nun sagen? Böse Zungen könnten behaupten, dass es ja sehr freundlich von den Amerikanern sei, den internationalen Terrorismus darauf aufmerksam zu machen, dass nach den USA, europäischen Großstädten wie London, Madrid und Paris, eigentlich nur noch Berlin auf der Liste von terroristischen Anschlägen fehlt. Zugegebenermaßen ist das deutsch-amerikanische Verhältnis nach dem Nein des damaligen Bundeskanzlers Schröder zum Irakkrieg nach wie vor gestört, und natürlich in Folge des NSA-Abhörskandals nicht gerade besser geworden. Den Amerikaner deshalb Boshaftigkeit zu unterstellen, wäre aber falsch, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Dass die Amerikaner uns Deutschen quasi Homeland geschenkt haben, indem sie eine ihrer erfolgreichsten Serien in Berlin spielen ließen, ist als wohlwollendes Zeichen ihrerseits zu interpretieren, die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA zu erneuern und zu festigen. Symbolisiert wird dies nicht nur durch Berlin als Spielort, sondern auch die große Anzahl deutscher Schauspieler in Homeland. Nina Hoss, Sebastian Koch und Martin Wuttke sind nur einige der Namen, die in der aktuellen Staffel mitspielen. Homeland ist ein Geschenk der Amerikaner, das den Deutschen sagt: „Sorry, ist irgendwie blöd gelaufen, aber ihr solltet auch nicht vergessen, was wir schon alles für euch getan haben!“

Wir sollten den Amerikanern gegenüber deshalb nachsichtig sein, die Entschuldigung annehmen und wirklich etwas mehr Dankbarkeit zeigen. Erst haben sie uns von den Nazis befreit und nun auch noch vom IS. Diese selbstlose Geste zeigt dem Rest der Welt, dass man sich auf die Amerikaner nach wie verlassen kann, den Terroristen, dass Berlin als Ziel nicht in Frage kommt, und den Deutschen, dass den Amis die Sache mit Merkels Handy doch irgendwie leid tut, zumindest peinlich ist.