Die 5 Schritte zur Unister Insolvenz

News von Fabian am 07.08.2016

Die Erfolgsgeschichte von Unister klingt wie ein Businesstraum aus Tausend und einer Nacht. Vom Tellerwäscher zum Millionär. In diesem Fall handelte es sich zwar um einen BWL-Studenten, aber das Märchen ist allemal filmreif. Der Dessauer Thomas Wagner gründete noch während des Studiums die Unister GmbH in Leipzig.

Unister spezialisierte sich auf das Betreiben und Vermarkten von Internetportalen, und das äußerst erfolgreich. Der Traum scheint nun allerdings ausgeträumt. Mitte Juli 2016 hat Unister Insolvenz angemeldet; wenige Tage nachdem Gründer und Geschäftsführer Wagner zusammen mit seinem Kollegen Oliver Schilling bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen war.

@ unister.de
@ unister.de

Das Muster-Start-up

Alles begann im Jahre 2002 als Tauschbörse für Studenten in einem Leipziger Studentenheimzimmer. Wagner schwebte eine Art „Schwarzes Brett“ im Internet vor. Die Idee hatte der Student aus England. Bald ging unister-netz.de online. Wo sich zunächst noch Leipziger Studenten über Klausurergebnisse und WG-Zimmer austauschten, informierten sich bald Kunden aus ganz Deutschland über entsprechende Angebote.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich die Studententauschbörse zu einem einer der größten Anbieter im E-Commerce-Bereich. Insbesondere seit der Gründung der Unister Media GmbH 2008 schoss das Start-up durch die Decke. Der ehemalige BWL-Student und sein Mitstreiter Mathias Krasselt waren mittlerweile Millionäre, und Unister betreute inzwischen über 40 eigene Internet-Seiten, die entweder neugegründet oder aufgekauft wurden. Neben dem Hauptaugenmerk Reise, war das Unternehmen auch im Bereich Versicherungen/Finanzen, Medien, Immobilien usw. tätig. Die Portale auto.de und hotelreservierung.de, sowie vor allem fluege.de und ab-in-den-urlaub.de waren und sind einige der Aushängeschilder von Unister, und das Unternehmen warb mittlerweile mit bekannten Gesichtern wie Reiner Calmund und Michael Ballack, sowie dem ehemaligen Dschungelcamp-Moderatorenduo Sonja Zietlow und Dirk Bach.

Unister-Urlaubsreisen zum Erfolg

Mit Urlaubsreisen zum Erfolg

Vor allem die Reiseportale fluege.de, reisen.de und ab-in-den-urlaub.de waren bei den Kunden sehr beliebt und entsprechend erfolgreich. Unister wurde einer der international größten Online-Vermarkter im Touristikbereich, beschäftigte zu Hochzeiten um das Jahr 2010 über 1.600 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 227 Millionen Euro.

Klingt eigentlich alles super. Aber der Hype war nur von kurzer Dauer. Zeitgleich mit dem Erfolg begann der Abstieg des Unternehmens. Wie konnte es also zur Unister Insolvenz kommen, und wer oder was ist für den krassen Niedergang des Branchenriesen verantwortlich?

Die 5 Schritte zur Unister Insolvenz

Die 5 Schritte zur Unister Insolvenz

  1. Auf dem Höhepunkt des Erfolges wurden vermehrt Gerüchte laut, dass das Geschäftsklima schlecht sei, Wagner seinen Expansionsdrang skrupellos vorantrieb, und vor allem die Transparenz des Unternehmens doch sehr zu wünschen übrigließe. Zwielichtige Zahlungsmethoden, unlauterer Wettbewerb und eine undurchsichtige Buchführung beim Reiseportal fluege.de ließen den Verbraucherschutz aufhorchen. Führende Mitarbeiter aus dem Touristikbereich sollen daraufhin aus persönlichen Gründen Unister verlassen haben. In der Folge war das Image von Unister vor allem im Reisesektor nachhaltig beschädigt, und das Vertrauen der Kunden empfindlich gestört.
  2. Die negativen Schlagzeilen häuften sich von nun an. Unister geriet zusehend in Verruf, unseriös aufzutreten. Verstärkt wurde dieser Eindruck 2012 durch die Posse um den geplanten Bau eines neuen Firmensitzes in der Innenstadt von Leipzig. Unisterchef Wagner und der Oberbürgermeister von Leipzig stritten sich um den Bauentwurf, nach dem der Unister-Neubau das übrige Stadtbild um einiges an Höhe überragen hätte, und das sei unakzeptabel. Unister machte auf bockig und erwog einen Umzug des Unternehmenshaupsitzes nach Magdeburg oder Schweinfurt. Schließlich kam es doch noch zu einer Einigung mit der Stadt Leipzig und eigentlich stand dem Neubau nichts mehr im Wege. 2015 gab Unister allerdings bekannt, darauf zu verzichten, was natürlich mit der damals schon äußerst prekären finanziellen Lage des Unternehmens zu tun hatte.
    Ebenfalls 2012 berichtete die Computer Bild über die zweifelhaften Arbeitsmethoden der Unister GmbH, und warf dem Unternehmen Abzocke der gutgläubigen Kunden vor. Schleichwerbung, undurchsichtige Servicegebühren und Lücken im Datenschutz lauteten die weiteren Vorwürfe. Natürlich wiesen die Verantwortlichen bei Unister alle Beschuldigungen zurück.
  3. Trotzdem durchsuchte das Landeskriminalamt Sachsen im Dezember 2012 den Unisterhauptsitz in Leipzig, beschlagnahmte Akten und Computer, und verhaftete zwei Mitarbeiter. Diese zwei Personen plus ein zusätzlich festgenommener weiterer Manager verbrachten eine Woche in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelte wegen des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten auf den Unister-Portalen sowie des Verdachts, bei dem Online-Partnervermittlungsportal partnersuche.de mit erfundenen Profilen gearbeitet zu haben.
  4. 2016 ging es dann richtig den Bach runter mit Unister. Im März erhob das Landgericht Leipzig Anklage gegen drei Personen. Doch damit nicht genug. Zeitgleich eröffnete die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ein zusätzliches Verfahren gegen vier weitere Mitarbeiter von Unister, denen Computerbetrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen wurde. Parallel dazu litt das Image von Unister immer stärker unter der negativen Berichterstattung, was sich auch strukturell und finanziell bemerkbar macht. Hunderte von Mitarbeitern wurden entlassen, die Verbindlichkeiten des Unternehmens stiegen an. Angeblich soll Unister allein bei Google circa 10 Millionen Euro Schulden haben. Erste Gerüchte, das Unister Insolvenz anmelden könnte, machten die Runde.
  5. Und es sollte tatsächlich noch viel schlimmer kommen. Unisterchef Thomas Wagner traf sich anscheinend vermehrt mit möglichen Investoren, um sein Unternehmen vor dem Bankrott zu retten. Dass Unister Liquiditätsprobleme hatte, war allgemein bekannt. Im Juli fand ein noch größtenteils nicht aufgeklärtes Treffen mit einem angeblichen Diamantenhändler aus Israel in Venedig statt, der wohl als Investor fungieren sollte. Bei dieser geschäftlichen Vereinbarung sollen einige Ungereimtheiten vorgekommen sein. Medien berichten, dass ein mit 1,2 Millionen Euro gefüllter Koffer, den Wagner von dem Israeli bekommen haben soll, voller Falschgeld gewesen sein soll. Als sich Wagner am nächsten Tag mit einem Privatflugzeug auf den Weg von Venedig nach Leipzig machte, stürzte die Maschine über Slowenien ab. Ein Zufall? Merkwürdig ist das Ganze sicherlich.
    Vier Tage nach dem Tod von Thomas Wagner, am 18. Juli 2016, meldete Unister Insolvenz an. Offensichtlich sahen die Verantwortlichen in der Geschäftsführung nach dem Tod Wagners keine andere Möglichkeit mehr.
Tod Wagners
@ lvz.de

Hoffnung für Unister

Mitten hinein in die Unister Insolvenz und die eigentlich völlig hoffnungslose Situation des Unternehmens platzten nun in den letzten Tagen vermehrt positive Meldungen. Unister scheint sich mit Google irgendwie geeinigt zu haben. Google hatte das Unternehmen natürlich aus der bezahlten Werbung herausgenommen, nachdem es die Schulden nicht bezahlen konnte. Doch jetzt erscheinen Unister-Reiseportale wie ab-in-den-urlaub.de und fluege.de wieder ganz oben in der Suchmaschine, und damit kommt es auch wieder zu steigenden Buchungszahlen. Und schon beginnt sich die Spirale wieder zu drehen, wenn auch ganz vorsichtig und langsam. Steigende Besucher- und Buchungszahlen machen die Reiseportale auch wieder für Werbeagenturen interessant, was natürlich Einnahmen verspricht. Jetzt heißt es erst einmal abwarten, was die Unister Insolvenz mit sich bringt. Gerade die Reiseportale sind für potentielle Investoren sehr interessant. Dass Unister in der jetzigen Form bestehen bleibt, ist allerdings eher unrealistisch.