Ab jetzt nur noch: Gute Nacht!

News von Christian am 21.09.2015

Spätestens seit Mai diesen Jahres raubt die „Bodyguard“ von Bett1.de einigen Markenherstellern von Matratzen den Schlaf. Denn der Beiname „Anti-Kartell-Matratze“ (den der Hersteller selbst nicht mehr verwenden darf) ist nicht nur kurios, er ist Programm: Bett1 legt sich seit Jahren mit den Großen der Branche an und hat wegen überhöhter, angeblich abgesprochener Preisgestaltung Anzeige beim Kartellamt gegen sie erstattet – erfolgreich! Ganz nebenbei war der Kampf von David gegen Goliath beste Publicity für die neue Kaltschaummatratze von Bett1, die mit dem hitverdächtigen Einführungspreis von 199 Euro im Mai an den Start ging. Durch Stiftung Warentest, die das Modell als „gut“ getestet hat, kamen noch weitere Pluspunkte dazu. Inzwischen ist die Nachfrage so groß, dass mit einer Lieferzeit von bis zu 10 Wochen zu rechnen ist, wie der Hersteller informiert. Übrigens wird die Matratze nur online angeboten, wirbt aber mit 100 Tagen Probeschlafen und Rückgaberecht bei Nichtgefallen – beides absolut kostenlos. Klingt verlockend! Gleichzeitig stellen sich einige Fragen: Was sollte ein gutes Ruhepolster außer einem akzeptablen Preis noch drauf haben? Was muss man wissen? Wie steht‘s um die Materialien der Basics? Und warum überhaupt eine neue Matratze?

Auf die richtige Matratze kommt’s an

Zeit für neue Bettgeschichten

Im Gegensatz zum Partner, mit dem man sich das Nachtlager bestenfalls sehr lange teilt, ist die Bindung an die Matratze kein Fall für die Ewigkeit: Schlafexperten empfehlen spätestens nach 7 Jahren einen Wechsel. Obwohl in der Regel mit einer Garantie von 10 Jahren geworben wird, verlangt neben Verschleißerscheinungen wie nachlassende Stützkraft vor allem auch die Hygiene meist einen früheren Neukauf. Auch waschbare Bezüge oder die empfohlenen, regelmäßigen Wendemanöver von Matratzen schützen beispielsweise nicht vor Hausstaubmilben, was besonders Allergiker interessieren dürfte. Laut wohnberater.at kann eine 10 Jahre gebrauchte Matratze sogar bis zu 4 kg schwerer sein, als zu Beginn, allein wegen der Feuchtigkeit, die in den Jahren in die Matratze versickert. Wenn man dem viel zitierten Leitsatz „Wie man sich bettet, so liegt (bzw. schläft) man“ vertrauen möchte, stellt sich also die Frage, auf was man sich bestenfalls legen soll, um morgens gut erholt in den neuen Tag zu starten.

Kleine Grundlagenforschung

Bevor man sich der Material World der Matratzen nähert, gilt es, ein paar harte (oder eben besser nicht so harte) Fakten zu klären, die man als Käufer vor einem Neukauf kennen sollte.

Die richtige Matratzengröße

Um entspannt auf einer Matratze Platz zu finden, sollte sie etwa 20 cm länger sein als die eigene Körpergröße. Bei der Breite reichen Modelle von 90 cm, sofern es sich bei den Käufern um ruhige Schläfer handelt. Andernfalls, und für mehr Bewegungsfreiheit, lieber 100 cm Breite wählen. Übrigens: Auch wenn das sogenannte Französische Bett noch so romantisch klingt, ist eine durchgehende Matratze für zwei Personen nicht die richtige Lösung. Empfohlen wird für jeden eine individuelles Modell der gleichen Länge, bei dem die gefürchtete Besucherritze mit einer durchgehenden Auflage geschlossen wird.

Das Gewicht bestimmt den Härtegrad der Matratze

Mit Härtegrad ist bei einer Matratze nichts anderes gemeint als der Druck, den sie dem auf ihr liegenden Körper entgegensetzt. Unterschieden wird von Stufe H1=weich bis H4=fest. Dabei gilt als Faustregel: Je geringer das Körpergewicht, umso weicher die Matratze. Meistverkauft sind die Härtegrade H2 für Personen, die weniger als 80 kg wiegen, auch passend für große schlanke Schläfer mit weniger als 90 kg Körpergewicht. H3 ist ideal für Menschen, die zwischen 80 bis 100 kg auf die Waage bringen. Also nichts wie rauf auf die Waage und besser nicht schummeln. Der Rücken wird es danken.

Matratzenkauf: So findet man die richtige Höhe

Damit die Matratze der Belastung eines darauf liegenden Körpers gut nachgeben kann, gelten folgende Empfehlungen:

  • Für Jugendliche mit durchschnittlichem Körpergewicht können 14-16 cm Matratzenhöhe durchaus ausreichend sein
  • Schwergewichtige Personen sollten auf mindesten 18 cm hohen Matratzen zurückgreifen. Denn als Faustregel gilt: Je schwerer eine Person ist, umso höher sollte die Matratze gewählt werden.
  • Für den durchschnittlichen Erwachsenen sind in der Regel 16-22 cm hohe Kaltschaum-Matratzen (Matratzenkern + Bezug) ausreichend.
  • Bei Taschenfederkern-Matratzen werden 20-25 cm empfohlen (Federkern + Polstermaterialien + Bezug)

Auf die Komfortzonen achten

Damit die Wirbelsäule beim Schlafen möglichst gerade liegt, ist es erforderlich, dass z.B. die Schulter tief genug einsinken kann. Daher sind Matratzen mit drei bis sieben Komfortzonen ausgestattet, die Kopf, Schulter, Lenden, Becken, Oberschenkel und Unterschenkel sowie Füsse stützen. Diese Funktionen gelten allerdings für normale Körpergrößen. Federleichte Damen unter 155 cm oder gestandene Herren über 200 cm finden hier nicht mehr den richtigen Halt. Da hilft nur: maßanfertigen lassen!

matratze komfortzonen

Was bedeutet Raumgewicht?

Beim Raumgewicht handelt es sich um eine technische Größe, die z.B. bei Kaltschaum- oder Latexmatratzen angibt, wie viel Material (in kg) pro Kubikmeter für den Matratzenkern verwendet wurde. Die Einheit für das Raumgewicht ist RG. Je höher das Raumgewicht, desto schneller erreicht eine durch Druck verformte Matratze wieder ihre Ursprungsform – ein wichtiges Qualitätskriterium also, wenn es darum geht, wie schnell eine Matratze Kuhlen bildet und wie lange man bequem und gesund auf ihr schlafen kann. Gute Matratzen weisen ein Raumgewicht von mindestens 30 RG auf. Das heißt, es wurden 30 kg Kaltschaum pro Kubikmeter verwendet.

Mit solchem Wissen aufgepolstert, lohnt sich nun ein Blick unter den Matratzenbezug:

Die inneren Werte sind entscheidend

Kaltschaummatratze

Die synthetische Schaumfüllung auf Polyurethan-Basis wird bei niedrigen Temperaturen aufgeschäumt und ist daher gesundheitlich unbedenklich. Bei einem Blick auf das Raumgewicht, das den Materialeinsatz in Kilogramm pro Kubikmeter anzeigt, liegen hochwertige Produkte bei 50 – 60 kg/m³. Je höher das Raumgewicht, umso elastischer und stabiler der Schaumstoff. Der Hinweis HR-Schaum bedeutet „high resilient“, also hochelastischer Kaltschaum, der beim Aufstehen in seine Ursprungsform zurückkehrt. Perfekt für Schläfer, die sich nachts gerne wälzen, so wie die Kaltschaum-Matratze „Luxus HR XXL“ mit 7 Zonen (199,99 Euro von Schlafwelt.de).

Latexmatratze

Matratzen dieser Art bestehen aus natürlichem oder synthetischem Rohstoff. Alternativ ist auch eine Mischung aus beidem möglich. Der Unterschied ist für User kaum spürbar. Das Material überzeugt mit hoher Punktelastizität. Will heißen: es gibt nur an den Stellen nach, die belastet werden und ist ideal für Seitenschläfer. Daneben wirken senkrechte Luftkanäle wärmeisolierend und sorgen für gute Belüftung des Materials. Weiteres Plus: Hausmilben halten sich von Latex fern, also beste Voraussetzung für Allergiker. Trotzdem gibt es bei Latex einen wirklich schwerwiegenden Nachteil: das Gewicht. Und das ist z.B. beim Wenden oder Reinigen mit der jeweiligen Spezialpflege des Herstellers nicht unerheblich. Schnäppchenjäger kommen auch nicht wirklich auf ihre Kosten: Die Naturlatexmatratze „Supra Comfort“ (7 Zonen, H1) von Allnatura.de, Testsieger bei Stiftung Warentest, geht ab 598 Euro an den Start.

Matratzen mit Federkern und Taschenfederkern

Federkern-Schlafsysteme setzen auf Stahlfedern, die miteinander verbunden sind und auf denen Wolle, Baumwolle oder andere Materialien das Polster bilden. Solche Modelle gehören zu den preisgünstigen Varianten. Beim teureren, weil exklusiveren Taschenfederkern ist jede Feder in eine Textiltasche eingenäht, die in Reihen aneinander gesetzt und miteinander verbunden sind. Im Gegensatz zur einfacheren Version reagieren diese Federn punktelastisch: Nur die belasteten geben auf Druck nach, alle anderen bleiben gespannt. Ausserdem werden bei Luxusmodellen Federn unterschiedlicher Stärke verarbeitet, um mehrere Komfortzonen zu gestalten. Mit hoher Atmungsaktivität sind Feder- oder Taschenfederkerne für Schläfer, die nachts stark schwitzen, die richtige Wahl. Neckermann bietet die Taschenfederkernmatratze „Bettina 1000“ mit 7 Zonen und Härtegrad 2 ab erstaunlichen 199,99 Euro an.

Boxspringbetten

Für komfortable Nachtruhe in Luxushotels längst Standard und besonders in Amerika beliebt, machen sich Boxspringbetten jetzt mehr und mehr in gewöhnlichen Schlafzimmern breit. Das System besteht aus drei Elementen: ganz unten die Box, eine Unterkonstruktion mit Holz- oder Metallrahmen, die mit Federkern (englisch: Feder = „spring“) bestückt ist und quasi das Bettgestell ersetzt. Darauf liegt eine Obermatratze, ebenfalls mit Federkern, und on top noch eine Polsterauflage, der sogenannte Topper. Es wundert daher nicht, dass solche Betten deutlich höher sind als andere, was das Zubettgehen und Aufstehen erheblich erleichtert. Aber Boxspringbetten werden vor allem für ihr Schlafklima gelobt: weil das System ohne Lattenrost auskommt, dafür aus zwei Federkernen besteht, kann die Luft gut zirkulieren, natürlich nur mit Fußgestell darunter. Das Boxspringbett „Mjölvik“ ist bei Ikea komplett mit Kopfteil und Füssen ab 899 Euro zu haben.

Fazit: So liegen Sie richtig!

Wenn man bedenkt, dass wir ein Drittel unseres Lebens im Bett verbringen, davon die meiste Zeit schlafend, erklärt sich der Kauf einer guten Matratze von selbst. Welches Modell man wählt, bleibt individuell gespürter Schlafkomfort und hängt nicht unbedingt vom Geldbeutel ab, wie die Bodyguard von bett1.de beweist. Es setzt allerdings voraus, eine Matratze über mehrere Wochen testen zu können, um sie unter Umständen wieder zurückzugeben. Ein Aspekt, den man beim Neukauf auf keinen Fall verschlafen sollte.