Akte X – „I want to believe“

News von Fabian am 29.02.2016

ParAN!ormale

Phänomene, Verschwörungen, Liebe und der verzweifelte Kampf zweier Idealisten um die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Ach, war das schön. Ich sinke zurück in meinen Sessel und seufze vor Glückseligkeit. „Dümdümdümdümdüm“  – gebannt lausche ich den letzten Takten der Titelmusik von Mark Snow. Das ist definitiv der Soundtrack meiner Generation, also zumindest wäre er es, wenn es Nirvana nicht gegeben hätte. Tränen, Sabber, fast vergessene Glücksgefühle, ich lasse meinen Emotionen freien Lauf, und das bereits zum sechsten Mal innerhalb von vier Wochen. Seit der ersten Folge der neuen Akte X-Staffel bin ich buchstäblich aus dem Häuschen, und nun dieses Finale. Von der Einstellung der Serie 2002 an hatte ich zwar von einer Fortsetzung geträumt, aber je mehr Jahre ins Land zogen, desto unwahrscheinlicher schien eine Wiederbelebung. Und das zu Recht, denn Akte X hatte ihren Auftrag eigentlich erfüllt. Für unzählige erfolgreiche Serienformate, wie zum Beispiel Fringe und Supernatural, stand die Kultserie Pate. Vor allem aber hatte sie dafür gesorgt, dass man sich traute, das Unmögliche zu denken. Wer an Außerirdische, Ufo´s und dergleichen glaubte, wurde früher schnell als Spinner abgetan. Seit Akte X ist alles anders. So war auch ich ein Gläubiger geworden, hatte mich mit der Existenz außerirdischen Lebens arrangiert, ohne mein Leben gezielt darauf auszurichten oder direkt auf der Suche danach zu sein. Aber ich wäre auf jeden Fall bereit für den ersten Kontakt gewesen. Was haben sich die Macher der Serie nur dabei gedacht, mich jetzt so plötzlich und unvorbereitet aus meinem saturierten Leben zu reißen und 20 Jahre in der Entwicklungsstufe zurückzukatapultieren? Nennen wir es eine Hommage an die alten Zeiten und die Fans von damals.

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Mensch, was waren das auch für Zeiten! Die Haare lang, die Hosen baggy, und Grungerock war auf seinem absoluten Höhepunkt. Neben Mädchen, Musik und Skateboard fahren gab es eigentlich nur zwei Ziele im Leben: Volljährig werden und raus aus der Schule. 1994 sollte mein Jahr werden. Tja, haste gedacht. Das Jahr wurde richtig beschissen, am 5. April 1994 erschoss sich Nirvana-Frontmann Kurt Kobain und für einen kurzen Moment stand mein kleiner Skateboard-Grunge-Weltschmerzkosmos still. Alles Mögliche schoss einem durch den Kopf (zugegebenermaßen ein völlig unpassendes Bild). Darf man wirklich nur 27 Jahre alt werden, um ein Idol zu werden? Ist der verdammte Euro-Dance noch aufzuhalten, und wer kam auf die hirnrissige Idee eine Fußball-WM in den USA auszurichten? Die Prognosen für 1994 waren somit alles andere als gut. Als wir dann im Achtelfinale gegen Bulgarien rausflogen, war das Jahr für mich im Juli eigentlich schon gelaufen. Durch die Zeitverschiebung der TV-Übertragungen war mein Biorhythmus völlig am Boden und meine Laune auch. Und wenn du glaubst, es geht nicht mehr, blablabla – doch plötzlich wendete sich das Schicksal. Exakt fünf Monate nach Kurts Selbstmord und vier Wochen vor meinem 18. Geburtstag, die nahende Freiheit war das einzige, was mich bis hierhin ein wenig aufgemuntert hatte, traten Außerirdische in mein Leben.

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Der 5. September 1994 war ein Montag und beim abendlichen Zappen durchs Fernsehprogramm blieb ich bei Pro Sieben hängen. Akte X – eine amerikanische Science-Fiktionserie fesselte meine Aufmerksamkeit. Ein junger FBI-Agent namens Fox Mulder versuchte zusammen mit der jungen Wissenschaftlerin Dana Scully mysteriöse Vorkommnisse aufzuklären. Ihr erster gemeinsamer Fall führte sie an eine Highschool in Oregon, an der sich merkwürdige Todesfälle ereignet hatten. Während Scully vom wissenschaftlichen Standpunkt aus für alles eine rationale Erklärung suchte, glaubte Mulder an die Existenz des Übernatürlichen. Seine Schwester wurde von Außerirdischen entführt und der FBI-Agent hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Beweis für die Existenz paranormaler Phänomene zu erbringen. Die Arbeit an den X-Fällen, den ungeklärten Fällen des FBI´s, wurde für ihn zur Passion. Damals veränderte Akte X mein Leben und das ist nicht nur so daher gesagt. Die Serie war bahnbrechend und veränderte alles. Dass worüber seit Roswell 1947 spekulierte wurde, und worum sich die abstrusesten Verschwörungstheorien rankten, gelangte nun frei Haus in unsere Wohnzimmer. Was war noch Wirklichkeit und was schon Fiktion? Die Grenzen verschwammen, nichts war mehr sicher, aber alles möglich.

Für mich ging eine unglaubliche Faszination von Akte X aus. Ich habe nie an Gott geglaubt oder Wiedergeburt oder sonst irgendeine religiöse Variante der Heilsbringung, aber in diesem Fall war ich eins mit Fox Mulder: „I want to believe“. Es wäre doch ziemlich größenwahnsinnig von uns Menschen, zu glauben, wir seien wirklich die Einzigen in diesem riesigen Kosmos. Zudem fände ich es auch einfach wahnsinnig cool, wenn wir nicht alleine da draußen wären. Ich stellte mir vor, wie ich mit außerirdischen Mädchen Hand in Hand auf meinem Skateboard durch die Galaxien sauste. Vielleicht wüsste irgendjemand da oben sogar, wo Kurt Kobain sich jetzt aufhält.