Angela Merkel – Ein Leben, gesungen von den Rolling Stones

News von Fabian am 26.01.2016

„AN!gie,

Angie, when will this clouds all dissapear?“, heißt es in dem gleichnamigen Rolling Stones-Song. Natürlich konnte Mick Jagger, als er den Text vor über 40 Jahren schrieb, nicht ahnen, dass ausgerechnet dieses Lied zum Soundtrack des Lebens der ersten deutschen Kanzlerin werden würde. Dasselbe fragt sich nämlich auch Angela Merkel. Dunkle Wolken sind die ständigen Begleiter der ehemals mächtigsten Frau der Welt. Aus der Heldin der Wirtschaftskrise ist eine unglückliche Akteurin in der Flüchtlingskrise geworden. Merkel, 2015 vom Time-Magazin noch zur „Person des Jahres“ gekürt, steht mittlerweile gehörig in der Kritik, und böse Zungen behaupten, bereits die Abschiedsklocken ihrer Regentschaft läuten hören zu können. So genannte Fachleute und politische Gegner spekulieren, dass sie schon vor dem offiziellen Ende ihrer Legislaturperiode gehen muss. Das hätte das Mädchen aus dem brandenburgischen Outback aber definitiv nicht verdient. Ein politisches Märchen würde ein wirklich unwürdiges Ende nehmen, denn bis hierhin war das Leben von Frau Dr. Angela Merkel eine einzige Erfolgsgeschichte. Trotz supotimaler Voraussetzungen – Frau, DDR-Bürgerin, geschieden – hat sie es ganz nach oben geschafft. Auf dem Weg zur Macht hat sie so manchen männlichen Konkurrenten abgekocht, und ihre persönliche Entwicklung und Ausstrahlung vom verklemmt wirkenden Dienstmädchen zur gestandenen Landesfürstin, ist wirklich beeindruckend.

Angela_Merkel_jung
Quelle: DieWelt

„There ain’t a woman that comes close to you“, singt Mick Jagger weiter und auf niemanden passt das so gut wie auf Angie. Ihr erfolgreicher Lebensweg ist für Millionen Frauen Ansporn, und als sogenannte Wende-Gewinnerin ist sie ein Vorbild für viele Ostdeutsche. Mit dem Fall der Mauer ging der Stern von Angela Merkel auf. Als drittjüngste MinisterIn aller Zeiten wurde sie 1991 Teil der Kohlregierung. Dass sie, die kinderlos war und zudem noch aussah wie ein 13jähriger Junge auf der Suche nach seiner sexuellen Identität, ausgerechnet Familienministerin wurde, fanden viele noch belustigend, aber schon im zweiten Kabinett Kohl bewies sie als Umweltministerin, dass sie politische Fähigkeiten und vor allem Kalkül besitzt. Viele machten den Fehler, sie zu unterschätzen und so manche politische Leiche, Friedrich Merz und Co. können ein Lied davon singen, pflastert ihren Karriereweg. 2005 dann der absolute Höhepunkt: die CDU mit Angela Merkel an der Spitze stürzt Bundeskanzler Schröder und Merkel selbst wird die erste weibliche Kanzlerin Deutschlands.

Angela Merkel Bundeskanzlerin

„Angie, you´re beautiful, yeah“, und die Kanzlerin wurde tatsächlich von Tag zu Tag schöner. Das Gleichnis vom hässlichen Entlein wird oft zitiert, aber in diesem Fall ist daraus wirklich der schönste und mächtigste Schwan der politischen Weltbühne geworden. Die Metamorphose der Bundeskanzlerin kam natürlich nicht von ungefähr. Unzählige Fachleute nahmen sich der Gesamtproblemzone Angela Merkel an. Stylisten und Kosmetiker überredeten sie erfolgreich, sich wie eine Frau zu kleiden und zu schminken. Starfriseur Udo Walz machte aus dem Nachttopf auf ihrem Kopf eine Frisur, und so verwandelt zog die Politikerin aus der brandenburgischen Provinz hinaus, um die Welt zu erobern, und das überaus erfolgreich. Im Jahre 2012 wurde sie vom Forbes-Magazin auf Platz 2 der „Liste der mächtigsten Personen der Welt“ gewählt, nur US-Präsident Barack Obama war noch vor ihr. Gut, für Platz 1 hätte sie wahrscheinlich weiblich und dunkelhäutig sein müssen, trotzdem ist das die höchste Platzierung gewesen, die jemals eine Frau erreicht hat, und dementsprechend gebührt ihr Respekt.

Angela Merkel
Quelle: SpiegelOnline

Die Karriere der Angela Merkel schien unaufhaltsam. Was sollte danach noch kommen? Vielleicht Königin von Europa? Die erste weibliche Päpstin? Die Möglichkeiten schienen grenzenlos, blöderweise sprach die Kanzlerin dann in einem nicht erklärbaren Anflug von Euphorie den verhängnisvollsten Satz ihrer Karriere aus: „Wir schaffen das!“ – So lautete ihre Reaktion auf hunderttausende von Flüchtlingen, die aus Kriegsgebieten seit letztem Jahr ins Land strömen. Ob das jetzt naiv war oder aus politischem Kalkül geschah, sei dahingestellt. Fakt ist, dass jeder, der bis drei zählen kann, weiß, dass wir das nicht schaffen. Damit hat sich Angela Merkel ihrer eigenen Kompetenz und Glaubwürdigkeit beraubt. Ausbaden müssen das die tausenden von Ehrenamtlichen und Bürgern, die aufopferungsvoll versuchen, den Flüchtlingen bestmöglich zu helfen. Den guten Willen möchte man Angie ja gar nicht absprechen, aber sie hat sich verkalkuliert, und wenn Wähler etwas nicht verzeihen, dann den Umstand, dass verfehlte Politik auf ihren Schultern ausgetragen wird. Natürlich wird die Kanzlerin versuchen, noch irgendwie das Ruder rumzureißen und die Fehler zu bereinigen, aber ob das reicht! Zumindest wird sie sich am Ende keine Vorwürfe machen müssen. Wie heißt es am Schluss dieses wunderschönen Liedes? „They can´t say we never tried“.