„Und das ist erst der Anfang“ von Anja Reschke

News von Fabian am 11.12.2015

AN!gelesen: Im August 2015 verurteilte die NDR-Journalistin Anja Reschke in einem Tagesthemen-Kommentar die ausländerfeindliche Hetze im Internet scharf. Über Facebook, Twitter und Co hatten sich die „Wutbürger“ Luft verschafft über die hohen Flüchtlingszahlen und die angeblichen Gefahren, die damit einhergehen würden. Viele dieser öffentlich geäußerten Kommentare waren rassistisch und erfüllten den Tatbestand der Volksverhetzung. Die strafrechtliche Verfolgung der Täter reiche laut Anja Reschke aber nicht aus, um das Problem zu bekämpfen. Vielmehr müsse unsere Gesellschaft als Ganzes gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit deutlich Stellung beziehen. Mit sehr persönlichen Worten forderte sie einen „Aufstand der Anständigen“, um den „Hassschreibern“ zu zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen nicht hinter ihnen stehe. Über die sozialen Medien ging der Kommentar sofort viral, wurde innerhalb eines Tages fast vier Millionen Mal aufgerufen, und hinterließ auch international ein großes Echo.

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Nun hat die Chefin des ARD-Politmagazins Panorama ein Buch herausgegeben, welches sich mit der Flüchtlingskrise als ganzheitliches Phänomen beschäftigt. „Und das ist erst der Anfang“ lautet der zunächst bedrohlich wirkende Titel dieser Sammlung von Beiträgen, in denen Experten die Fluchtbewegung von über 60 Millionen Menschen weltweit analysieren. Es werden sowohl die Beweggründe der Flüchtlinge als auch die Bedenken der Menschen in den Aufnahmestaaten beleuchtet, und entsprechende Antworten und Lösungen präsentiert. Das Buch soll vor allem aufklären und den Lesern eine Orientierungshilfe sein, um sich auf die größte globale und gesellschaftspolitische Herausforderung des 21. Jahrhundert einstellen zu können. Unzureichendes Wissen über die tatsächlichen Ursachen und Auswirkungen sei die Hauptursache für Missverständnisse, Ängste und Ablehnung, sowie für daraus entstehende Vorurteile und Ausländerfeindlichkeit. Das Buch will ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der „reiche Westen“ eine Mitverantwortung an der Misere trägt und sich fragen muss, warum die Menschen aus ihren Heimatländern überhaupt flüchten.

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Dieser „Anfang“ könne aber auch als Chance für eine gesellschaftliche Umwälzung und eine Neudefinition des wohlstandsverwöhnten europäischen Selbstverständnisses wahrgenommen werden. Humanitäre Hilfe, Nächstenliebe und persönliches Engagement an den Tag zu legen, hätten viele Deutsche verlernt, wenn sie abends vor dem Fernseher von Kriegen und Krisen in entfernten Teilen der Welt hören. „Wenn man diesem Sommer etwas Gutes abgewinnen will, dann, dass er Deutschland aus seiner Gemütlichkeit, aus seiner Lähmung gerissen hat. Die Deutschen sind aktiv geworden“, heißt es in dem Buch. Die mit der Flüchtlingsbewegung einhergehenden Veränderungen würden tiefgreifend sein und nachhaltigen Einfluss auf die künftige politische und gesellschaftliche Gestalt des Hauses Europa haben. „Und das ist erst der Anfang – Deutschland und die Flüchtlinge“ ist im Rowohlt Verlag erscheinen.