Born in the USA. Waffen für alle

News von Fabian am 14.06.2016

AN! dem 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten spaltet sich die Nation. Dieser Artikel besagt, dass es jedem Amerikaner erlaubt ist, jegliche Art von Schusswaffen mit sich zu führen, um sich persönlich sicher zu fühlen. Dazu benötigt man weder einen Waffenschein, noch irgendeine Art von Ausbildung oder Unterweisung. In den USA ist es schwieriger einen Führerschein zu erwerben als eine Waffe. Auf dieses Grundrecht sind die Amis unglaublich stolz, und jegliche Versuche in der Vergangenheit, den 2. Zusatzartikel zu entkräften, oder anderweitig in die Gesetzgebung einzugreifen, um den Verkauf und die Verbreitung von Waffen einzuschränken, scheiterten kläglich. Wie groß und mächtig die Waffenlobby in den USA ist, wird jedes Mal deutlich, wenn nach dem zigsten Amoklauf, Attentat oder Terroranschlag wieder Präsident Barack Obama vor die Öffentlichkeit tritt, und schärfere Regularien fordert. So auch jetzt wieder nach dem Blutbad von Orlando. Man merkt dem Präsidenten seine Verzweiflung und Wut an, wenn er gebetsmühlenartig immer wieder dieselben Begründungen aufzählt, und versucht, seinem waffenliebenden Volk klarzumachen, dass die Dinger halt auch töten. Eindrucksvoll seine Rede Anfang 2016 nach dem gefühlten 118. Amoklauf an einer amerikanischen Schule. Selten sah man einen Staatsmann derart ergriffen und gleichzeitig angepisst von unzeitgemäßen Gesetzen, die es jedem Idioten, Radikalen oder sonstigem Menschenhasser ermöglichen, sich eine Knarre zu kaufen, und auf seine Mitmenschen loszugehen. Erneut plädierte Obama für ein Umdenken bei seinen Mitbürgern und den verantwortlichen Politikern, und erneut wird es kaum jemanden interessieren, geschweige denn wird sich etwas ändern.

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Quelle: Coqrouge

Man muss sich das einmal vor Augen halten. Der 2. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung stammt aus dem Jahre 1791! Einer Zeit, in der sich die amerikanischen Pioniere und Farmer mit Indianern, Grizzlybären und Briten rumschlugen. Damals ging Daddy noch los und schoss den Sonntagsbraten für die Familie. Okay, dass zu jener Zeit das Recht, Waffen zur Jagd und zum eigenen Schutz besitzen zu dürfen, gesetzlich garantiert wurde, ist nachvollziehbar. Unabhängigkeitskrieg, Indianerkriege und wilde Tiere – Waffen gehören fest zum Gründungsmythos der amerikanischen Nation. Blut, Schweiß und Gewehre – so wurde der Wilde Westen erobert, und das sind nach wie vor die ideologischen Grundfeiler Amerikas. Mit solchen Argumenten schmettern die „National Rifle Association“ (NRA), mächtigster Waffenlobbiest der USA, und andere Befürworter dieser alten Law and Order-Einstellung sämtliche Reformen ab. Aber wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Cowboys und Indianer schießen nur noch recht selten aufeinander, und wenn sich Terroristen mit Flugzeugen auf die USA stürzen, kommen die Großstadtcowboys mit ihren Schrottflinten auch nicht weit. Seit 2010 hat die Obama-Administration wiederholt Anstrengungen unternommen, die Gesetzgebung zu ändern, und den Erwerb sowie die Nutzung von Waffen einzuschränken. Vergeblich! Die Republikaner – vergleichbar mit einer Mischung aus AfD und CSU – hat die Mehrheit im amerikanischen Kongress und lässt sich auf keine Kompromisse ein. Republikaner, NRA und alle anderen Holzköpfe stellen sich dann gerne als die einzigen Bewahrer der amerikanischen Verfassung dar, deren sakrale Stellung auf keinen Fall berührt werden darf.

50 Tote bei dem Massaker in Florida, ein Amoklauf nach dem anderen, und unzählige Gewalttaten in Verbindung mit Waffen lösen zwar Anteilnahme und große Sprüche in Politik und Öffentlichkeit aus, verpuffen aber ebenso schnell wieder. Die Amerikaner sind stur was ihre Waffen angeht. Verrückterweise dienen dann solche Katastrophen als Argument für den Besitz von Waffen, weil man sich und seine Familie angeblich schützen muss. Deeskalation, Gewalt erzeugt Gegengewalt, Unfälle mit Waffen und hohe Tötungsraten – all das erscheint dem amerikanischen Durchschnittscowboy unerheblich, und spielt überhaupt keine Rolle. Dabei geht es in den USA überhaupt nicht um ein rigoroses Verbot von Waffen, wie etwa in Deutschland, das wäre nie und nimmer durchsetzbar, nein, das Ziel sind lediglich Gesetze, die den Erwerb und den Umgang mit Schusswaffen regulieren sollen, um den unsachgemäßen Gebrauch zu unterbinden. Keine Chance! – der gemeine Amerikaner fühlt sich in seiner durch die Verfassung garantierten persönlichen Freiheit bedroht. Das Ergebnis: in den USA werden jedes Jahr mehr Menschen von Kindern erschossen, die mit den Waffen von Familienmitgliedern spielen, als von terroristischen Gewalttätern. Glück auf, Land of the Free!