Brexit – oder, warum wir die Engländer gar nicht brauchen

News von Fabian am 28.06.2016

AN!geblich befindet sich die Welt ja kurz vorm kollektiven Kollaps. Könnte man zumindest meinen, wenn man die Berichterstattung rund um den britischen Volksentscheid gegen den Verbleib in der EU verfolgt. Regelrechte Horrorszenarien werden von den sogenannten Fachleuten ausgemalt. England sei nur der Anfang, und löst womöglich eine Kettenreaktion aus. Was kommt nach dem Brexit? Grexit, Departugal, Italeave, oder gar Finish?! Für Wortakrobaten ist die größte Krise Europas seit dem Zweiten Weltkrieg ein wahres Fest. Für Politiker dies- und jenseits des Kanals gibt es dagegen eine Menge zu tun. Bei den britischen Politikern treten viele Brexitgegner zurück aus Enttäuschung über das Abstimmungsergebnis. Paradoxerweise verlassen auch die Befürworter jetzt nach und nach das sinkende Schiff. Tja, das hätten sich die Erfinder der parlamentarischen Demokratie wohl auch nicht träumen lassen, dass ihnen ihre eigene Idee mal so um die Ohren fliegt, und diese widerspenstigen Bürger ihnen die europäische Suppe versalzen. Die siegreichen Royalisten hingegen feiern das Resultat, wetzen ihre Säbel, und sind damit beschäftigt, eine Mauer zwischen Europa und England hochzuziehen, und die Außengrenzen des wiedererstarkten Commonwealth zu sichern. Die Europapolitiker in Brüssel helfen überraschenderweise fleißig mit. Eben noch war der Brexit für sie das Worst-Case-Szenario schlechthin, nun kann ihnen der Rausschmiss der Britten nicht schnell genug gehen. Man darf gespannt sein, ob der Eurotunnel wohl seinen Namen behält, einfach zugeschüttet wird, oder eventuell in Zukunft so eine Art Glienicker Brücke im Kalten Krieg wird. Britische und europäische Agenten treffen sich in der Mitte des Tunnels, um ihre Gefangenen auszutauschen. Letztendlich ist es müßig darüber zu spekulieren, wie sich der Brexit auf das Verhältnis Englands zum Rest Europas auswirkt. Man wird sehen. Fakt ist, wir brauchen die Briten doch gar nicht!

brexit europa
Quelle: Jktu_21

Was kam denn jemals Positives oder gar Nützliches von dieser kargen, verregneten Nordseeinsel zu uns rüber? Schwarztee, Fliegerbomben und Pfefferminzsoße zum Wildbraten – danke, hätten wir auf alles sehr gut verzichten können. Und die Engländer selbst? Rothaarige, blasse, überdurchschnittlich unattraktive Menschen, die sich einbilden, sie hätten das Fußballspielen erfunden, können aber bis auf einen erschlichenen Weltmeistertitel keinerlei Erfolge vorweisen. Über das jämmerliche Ausscheiden der britischen Elf gegen Island im Achtelfinale der EM schweigen wir aus Respekt gegenüber den Geschändeten an dieser Stelle. Darüber hinaus saufen die Briten jedes Jahr auf’s Neue unsere Lieblingsinsel Mallorca leer, und beleidigen das menschliche Auge mit ihren unansehnlichen, hummerfarbenen, von der Sonne verbrannten Körpern. Die große Chance des Brexit für uns Europäer besteht darin, dass in Zukunft einfach weniger britische Insulaner unsere Kreise stören. Die Betonung liegt dabei auf britisch, denn im Gegensatz zu den Betonköpfen in London, wollen die Schotten und Iren gar nicht heim ins englische Königreich. Sie sehen ihre Chancen ganz klar in Europa, was für ehemalige Vasallen des britischen Empires natürlich nicht überraschend ist. Die Schotten rüsten sich schon für das nächste Referendum, um sich von England unabhängig zu machen, und die Chancen, den über Jahrhunderte herrschenden Okkupator loszuwerden, stehen diesmal gut. Vielleicht könnte man Schottland einfach von der englischen Insel abtrennen, und bei Dänemark andocken lassen, um den Schotten zu zeigen, dass wir sie in Europa willkommen heißen? Ähnliches gilt in noch größerem Maße für die Iren. Jahrzehntelang lag die kleine grüne Insel hinter der allmächtigen britischen versteckt, viele auf dem europäischen Festland wussten ja nicht einmal von der Existenz Irlands. Das hat sich spätestens seit der EM in Frankreich geändert. Die ganze Welt schwärmt von den sympathischen, singenden Iren, und viele Kontinente würden dieses fröhliche Völkchen nach der Abspaltung von England sicherlich mit Handkuss aufnehmen, aber nein, wir Europäer haben das unverschämte Glück, dass sie nur zu uns wollen. „The EU is on Fire“. Also, alles gar nicht so düster wie gedacht. Gerade wir Deutschen sollten uns über den Brexit freuen. Jetzt wo die Engländer raus sind, wird Deutsch vielleicht sogar die Amtssprache auf dem europäischen Parkett. Logisch wäre es, denn warum sollten wir Europäer in der Sprache des Feindes unsere Verhandlungen führen?