Das ist das Licht, das auf mich scheint, und aus dem Kühlschrank meiner Küche kommt

News von Fabian am 23.02.2016

„AN!

ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, heißt es im Buch Matthäus. Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – die Älteren werden sich erinnern, das sind die Evangelisten des Neuen Testaments, für die Jüngeren klingt das eher nach Boyband. Wie dem auch sei, viel wichtiger ist die Frage, wie schaffe jetzt ich eine inhaltliche Verbindung zwischen Überschrift und Einleitungssatz? Ach ja, Früchte, Obst und Gemüse, das sind Dinge, die in meinem Kühlschrank eher unterrepräsentiert sind. Das einzige Grüne in meinem Gemüsefach sind die Becksflaschen. Abgesehen von einem hartnäckigen, ebenfalls grünen Schwammpilz, der sich ganz hinten am Abfluss festgesetzt hat, und dessen Existenz ich nach einigen, zugegebenermaßen halbherzigen Versuchen mich seiner zu entledigen, mittlerweile als Dauerzustand akzeptiert habe. An meinen Früchten, oder besser gesagt, am nicht Vorhandensein derselben, erkennt man den Männerkühlschrank. Zeig mir, was du isst, und ich sage dir, was du bist – Männlein oder Weiblein. Dass Frauen anders sind und Männer auch, ist ein alter Hut, die einen können angeblich nicht einparken, die anderen nicht zuhören, am anschaulichsten aber werden einem die Unterschiede zwischen den Geschlechtern anhand des Kühlschrankinhalts demonstriert.

Quelle: www.erf.de

Wer kennt das nicht? Samstagnacht, die Stimmung ist ausgelassen und da steht sie, eine Erscheinung wie aus tausendundeiner Nacht, beiderseitige Sympathie oder Alkohol, jedenfalls kommt man sich näher, eine Nacht voller Leidenschaft, zu wenig geschlafen, zu viel getrunken, völlig egal, das war es wert. Am nächsten Morgen, verkatert, körperlich geschunden, aber irgendwie glücklich, deutet sich am Frühstückstisch allmählich an, was für Heldentaten man eigentlich vollbracht hat. „Hast du Hunger?“ Und wie, schließlich habe ich die halbe Nacht Höchstleistungen abgeliefert. Seit dem Aufwachen träume ich schon von Rühreiern, Schinken oder zumindest einem Käsebrötchen, irgendetwas, was die Maschine wieder auf Touren bringt. Oh Mann, die Kleine hat mir aber auch alles abverlangt, und während ich gedanklich noch einmal meine besten Moves Revue passieren lasse, werde ich gnadenlos auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Durch die halb geöffneten Augen erblicken meine geweiteten Pupillen die kulinarischen Köstlichkeiten, die mir meine Königin der Nacht serviert hat: Reiswaffeln, Magerquark und Naturjoghurt, eine halbe Avocado, dazu hübsch aufgereiht, ein Sortiment aus Apfel-, Gurken-, und Tomatenschnittchen. Die letzte Nacht läuft noch einmal im Zeitraffer vor meinem inneren Auge ab, und ich frage mich, ob es das wirklich wert war. So ähnlich muss sich ein Nahtoderlebnis anfühlen.

Kühlschrank

Nun ja, Paradies ist nirgends. Zudem ist sie ja wirklich nett, und ein Gutes hat die Mangelernährung meiner Liebesgöttin, ihre Figur kann sich wirklich sehen lassen. Ach, ich bin wirklich ein chauvinistisches Schwein! Während ich mir Reiswaffel an Magerquark, serviert mit einem Hauch von Tomaten-Avocadocreme einverleibe, kreisen meine Gedanken um meinen eigenen Kühlschrank. Die Vorstellung von Schinken, Käse – bis zu drei verschiedene Sorten! – Leberwurst, Salami, und anderen Leckereien lassen mir derart das Wasser im Munde zusammenlaufen, dass ich es irgendwie schaffe, die nach Dachpappe schmeckenden Reiswaffeln meiner Auserwählten runterzukriegen. Ist ja auch schön so ein Frühstück zu zweit, und sie sieht ja auch wirklich heiß aus. Plötzlich gehen die Pferde mit mir durch. Wenn ich nur genug von dem Grünzeug und den Magermilchprodukten in mich reinstopfe, wäre ich vielleicht in der Lage für Runde zwei. Doch während ich stark konzentriert auf dieses riesige Hindernis zu galoppiere, höre ich eine Stimme aus dem Off, die sämtliche Hoffnungen zunichte macht: „Möchtest du auch einen Möhrensaft oder lieber grünen Tee zum Frühstück?“ Ich falle in mich zusammen, atme ganz langsam, um keine unnötige Energie zu verschwenden, mein Kopf ist leer. Wer ist diese Frau und wo bin ich? Was war letzte Nacht und warum zum Henker gibt´s hier keinen Kaffee? Da ist schon wieder diese Nahtodahnung und ich habe den starken Verdacht, dass Fräulein Sojamilch und ich uns nicht wiedersehen werden. Das weiße Licht am Ende des Tunnels wird langsam greller und ich beruhige mich wieder etwas. Ich fasel etwas von dringenden Terminen und verlasse die ökologisch kontaminierte Wohnung der unbekannten Frau.

Auf der Straße angelangt, schießen wir einige Fragen durch den Kopf. Wie soll ich jemals mit einer Frau zusammenleben, wenn ich nicht einmal mit ihr essen kann? Wer hat eigentlich Magermilch erfunden, wenn es die Kühe nicht waren, und vor allem, wie erkläre ich der Redaktion von „AN!gesagt“ diesen Text? Vielleicht kann ich es als einen soziologischen Beitrag zur besseren Verständigung zwischen Mann und Frau verkaufen…vielleicht.