7. März 2017
Fabian in News

Data Dress: Kleiderwahl 2.0

Data hier, Data da – die digitale Welt kennt keine Grenzen. Und wenn es nach Google und H&M geht, wird das „Data Dress“ das nächste große Ding. Der Internetgigant und der schwedische Moderiese wollen mithilfe einer App das ultimative Wunschkleid der Frau von morgen kreieren. Was dahintersteckt? Die Idee ist denkbar einfach. Fast jede Frau

Data hier, Data da – die digitale Welt kennt keine Grenzen. Und wenn es nach Google und H&M geht, wird das „Data Dress“ das nächste große Ding. Der Internetgigant und der schwedische Moderiese wollen mithilfe einer App das ultimative Wunschkleid der Frau von morgen kreieren. Was dahintersteckt?

Die Idee ist denkbar einfach. Fast jede Frau wünscht sich ein spezielles, auf sie zugeschnittenes, oder noch besser, nur für sie hergestelltes Kleid. Das Lieblingskleid, ein Einzelstück, dass niemand sonst auf der Welt trägt. Die Sehnsucht nach dem Traumkleid ist so alt wie die Mode selbst, und genau da kommt das Data Dress ins Spiel.

Data Dress – Traumkleid per App

Google und das Modelabel Ivyrevel, ein Ableger von H&M, haben eine App entwickelt, die mit Hilfe gesammelter Daten ein individuelles Kleid entwirft. Das Kleid wird quasi vom Handy designed. Und das geht so: Die App zeichnet über eine Woche hinweg sämtliche Metadaten aus dem Leben der Handybesitzerin auf. Wohnort, beliebte Standorte, Wetter, Sport- und Freizeitaktivitäten und andere Lebensgewohnheiten.

Data Dress Kleiderwahl 2.0
© Ivyrevel

Daraus entsteht ein individuelles Profil, anhand dessen das künftige Data Dress entworfen wird. Die App sammelt jeden Tag neue Informationen und erkennt so den persönlichen Lebensstil. Ist die Nutzerin lieber zuhause oder geht sie oft aus. Treibt sie Sport, ist sie viel Draußen, geht sie ins Büro, oder liegt sie lieber auf der Couch.

Je nachdem, was die Nutzerin für Daten liefert, sieht das Kleid entsprechend später aus. Dünner oder dicker Stoff, kurz oder lang, sportlich oder eher elegant – das Ergebnis ist das personalisierte Data Dress. Nur läppische 90 Euro soll es kosten. Ein Schnäppchen verglichen mit sonstigen, individuell angefertigten Kleidern. Vorbei der tägliche Stress, und die Frage, was soll ich anziehen? Das Data Dress passt in jeder Lebenslage. So zumindest die Idee dahinter.

Ist das Data Dress tatsächlich realistisch?

Google und Ivyrevel wollen mit dem Data Dress die Modewelt revolutionieren. Angeblich sieht so der Kleiderkauf der Zukunft aus. Für die beiden Unternehmen ist es die erste Zusammenarbeit, und das erklärte, gemeinsame Ziel lautet, die Persönlichkeit der Trägerin mithilfe von Daten in das Kleid zu projizieren: „Data Dress reflects the way they live their lives“.

An der Umsetzung hapert es allerdings noch. Momentan ist eine Betaversion der App im Umlauf. Im Herbst soll dann die perfektionierte App ihren Siegeszug beginnen. Natürlich wird sie von Google angeboten; interessant wird sein, zu sehen, wie Apple auf das Produkt aus dem Hause des Hauptkonkurrenten reagierten wird.

In der Theorie hört sich das Data Dress ja ganz nett an, aber es gibt doch einiges Bedenkenswertes:

  • Lässt es sich technisch überhaupt umsetzen? Kann man persönliche Eigenschaften in Form von Daten in einem Kleid verarbeiten, und vor allem, wie individuell wird das Data Dress wirklich aussehen? Die Hersteller werden kaum drum herumkommen, gewisse Stereotypen vorzulegen.
  • Die wahrscheinlich wichtigste Frage betrifft die potentiellen Trägerinnen des Data Dress. Frauen gehen im Minirock zur Arbeit, lümmeln in weiten Assiklamotten auf dem Sofa rum und gehen abends im engen Schwarzen aus. Zu allen Anlässen dasselbe Kleid zu tragen, ist nicht nur eine schwer vorstellbare, sondern zudem sehr langweilige Idee. Es stellt sich die Frage: Wie viele individuelle Data Dresses kann sich eine Nutzerin designen lassen?
  • Und Drittens ist die Datensammelei von Google mehr als fragwürdig. Wir werden sowieso schon rund um die Uhr und überall von den verschiedenen Google-Apps und – anbietern ausspioniert, da fragt man sich, ob man Google tatsächlich freiwillig noch mehr persönliche Daten liefern möchte.

Ab dem Herbst 2017, wenn die Data Dress App in Serie gehen soll, wird man wissen, inwieweit sich die Vorstellungen von Google und Ivyrevel umsetzen ließen, und ob die Kundinnen das Angebot annehmen werden.