Die Filterblase. Wie das Internet unsere geheimsten Wünsche erfährt.

News von Fabian am 05.12.2016

Wer kennt das nicht? Gestern Abend im Internet nach neuen Schuhen oder einem bestimmten Buch gesucht, und in den folgenden Tagen werden einem den ganzen Tag von Google, Facebook, Amazon und anderen Seiten immer wieder Schuhe und Bücher gezeigt. Wie aus dem Nichts ist unser Posteingang überfüllt mit Werbemails, in denen Schuhe und Bücher angeboten werden, natürlich zu unglaublich günstigen und einmaligen Preisen, die ganz speziell auf uns zugeschnitten wurden. So zumindest laut Email, und erstaunlicherweise sind diese Angebote dann sehr oft identisch mit unseren Vorstellungen. Wie ist das möglich? Die Antwort ist relativ einfach: das Internet liest alles mit und vergisst nichts. Verdammt – gefangen in der Filterblase!

Filterblase

Was genau hat es mit dieser Filterblase auf sich? Der Begriff Filterblase (engl. filter bubble) geht auf den US-amerikanischen Internetaktivisten Eli Pariser zurück. Demnach entsteht die Filterblase, oft auch Informationsblase genannt, dadurch, dass einzelne Internetseiten versuchen, aus dem Nutzerverhalten des Computerbesitzers einen Algorithmus zu entwickeln. Das Suchverhalten, der Browserverlauf, die Standortbestimmung und viele weitere Faktoren fließen mit ein. Darauf beruhend erhalten wir immer stärker personalisierte Informationen, oft in Form von Werbung, Seitenempfehlungen und bestimmten Artikeln. Das hat zur Folge, dass der Benutzer von Informationen außerhalb seiner Standpunkte, Vorlieben und Interessen isoliert wird. Man bewegt sich online nur noch in seiner eigenen Filterblase.

„Die Filterblase –Wie wir im Internet entmündigt werden“

Eli Pariser ist in seinem mittlerweile weltberühmten Buch dem Phänomen der Filterblase auf den Grund gegangen. Pariser war Politaktivist, bevor er zum Internetaktivisten wurde. In führenden Positionen war und ist er für die NGO MoveOn.org tätig, einer Organisation, deren Ziel die digitale Vernetzung der Menschen ist. Nach eigenen Angaben hat die Bewegung sieben Millionen aktive Mitglieder.

In den USA ist MoveOn.org vor allem für ihre Unterstützung progressiver Politik bekannt, und sie macht vornehmlich Lobbyarbeit für die Demokraten. Die Organisation geriet beispielsweise in die Schlagzeilen, als sie im Präsidentschaftswahlkampf 2004 rund 30 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden für die demokratische Partei einwarb, und zudem den republikanischen Kandidaten George W. Bush in einem selbstproduzierten Video mit Adolf Hitler verglich.

Während seiner Arbeit für MoveOn.org recherchierte Eli Pariser oft mit Hilfe von Suchmaschinen im Internet. Dabei fiel ihm auf, dass je nachdem an welchem Computer er nach bestimmten Dingen suchte, die Ergebnisse in der Regel unterschiedlich ausfielen. Die Suchergebnisse richteten sich nach dem bisherigen Such- und Klickverhalten der User. Und das ist anscheinend oft so. Viele Computernutzer werden von ähnlichen Beobachtungen berichten können.

Die Filterblase kriegt jeden

In der Tat kommt es einem manchmal fast so vor, als würde eine unbekannte Macht die eigenen Gedanken lesen, man wird irgendwie angezapft. Ganz so geheimnisvoll ist es dann allerdings doch nicht. Das Internet, oder besser gesagt bestimmte Webseiten, merkt sich einfach alles. Jemand, der sich online für liberale Themen interessiert, wird kaum über konservative politische Ansichten informiert. Wer sich gerne mit Fußballthemen beschäftigt, erhält wenig Informationen über Volleyballergebnisse, und wer vegetarisch is(s)t, und das entsprechend im Internet artikuliert, wird in der Regel von Fleischrezepten verschont.

Wir bewegen uns also in einer Filterblase. Google, Facebook und andere große Plattformen sind führend bei der Personalisierung der Informationen, die wir zu Gesicht bekommen. Die User erhalten nur noch das, was zu laut Internetverhalten zu ihrem Profil passt. Erhalten ist vorsichtig formuliert. Man wird ja regelrecht vollgemüllt mit entsprechenden Produkten, Zeitungsartikeln und Werbeanzeigen. Eli Pariser greift in seinem Buch „Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden“, vor allem die großen Player im Internetbereich an, und wirft ihnen vor, die Meinungsvielfalt und -Freiheit zu beschneiden und vorgefertigte politische Standpunkte vorzulegen.

Filterblase Eli Pariser

Gefahr Filterblase

Die Filterblase sorgt also dafür, dass wir Menschen nicht mehr selbständig denken (müssen), unsere Sichtweisen bewusst eingeschränkt werden, und dass wir unser Kaufverhalten lenken lassen. Die Individualität wird auf dem Altar des Kapitalismus geopfert, alles dem Profit untergeordnet. Doch was kann der Einzelne dagegen tun? Wir können ja schlecht das Internet überlisten, ausschalten oder irgendwie dirigieren. Wir schauen uns den Gefahrenherd Filterblase noch einmal genauer an. An welcher Stelle können wir als einfache Nutzer Einfluss auf das Sammeln unserer Daten nehmen?

  • Die sogenannte Filterblase, als Begriff geprägt durch den Internetaktivisten Eli Pariser, ist eine Informationsblase in der man sich als Internetbenutzer bewegt, und aus der es kaum ein Entrinnen gibt.
  • Webseiten großer Internetanbieter entwickeln aus dem Nutzerverhalten einen Algorithmus. Das passiert anhand von lokalen Daten, Suchverläufen, Kaufverhalten, etc.
  • Das Ergebnis sind personalisierte Informationen, nach denen die großen Internetplattformen ihren Strategien ausrichten, um das Userverhalten, wie das Kaufverhalten, zu beeinflussen.
  • Dadurch werden die Internetbenutzer von Dingen, Meinungen und Welten isoliert, die sie vielleicht interessieren könnten, aufgrund des erschlossenen Algorithmus aber vor ihnen verborgen bleiben. Der User steckt in der Filterblase.

Was bleibt dem Ottonormalverbraucher also übrig, um der Filterblase zu entkommen? Leider nicht allzu viel. Fakt ist, alles was wir auf Webseiten eingeben, wird irgendwo gespeichert und mitgelesen. Also können wir uns nur dadurch bedingt schützen, dass wir unsere Internetaktivitäten nicht zu sehr ausufern lassen. Man sollte sich überlegen, auf welchen Seiten man sich rumtreibt, und ob man wirklich in jedem sozialen Netzwerk präsent sein muss.

Muss ich wirklich jedem meine Urlaubsfotos, Lieblingsbücher und Essgewohnheiten zeigen? Viele empfehlen den neuerdings sehr beliebten Inkognitomodus, um im Internet unsichtbar zu bleiben. Tja, ob sich Gutgläubigkeit in diesem Fall auszahlt, ist allerdings überaus zweifelhaft. Beim Inkognitomodus wird gerne vergessen, dass dieser ja vom jeweiligen Browseranbieter konzipiert wurde. Da beißt sich die Katze also in den Schwanz. Letztlich gibt es nur einen wirklich wirksamen Schutz gegen die Filterblase: offline gehen!!