Von FlixBus überrollt – der Fernbusmarkt in Europa

News von Isabel am 15.08.2016

Man möchte meinen, die Gründer von FlixBus können nachts vor Lachen nicht mehr einschlafen. Haben sie doch binnen drei Jahren geschafft, was andere in 50 nicht hinbekommen: Der Low-Budget Fernbusanbieter hat das Busreisen in Europa revolutioniert und walzt genüsslich einen Konkurrenten nach dem anderen platt.

Der Fernbus FlixBus ist auf der Autobahn unterwegs.
(Foto: Philip Lange/Shutterstock)

Vom kleinen Startup zum Megakonzern

Schon 2011 gründeten Jochen Engert, Daniel Krauss und André Schwämmlein das Busunternehmen „GoBus“, benannten es aber 2013 um. Pünktlich zur Liberalisierung des Fernbusverkehrs in Deutschland und einer Lockerung des Personenbeförderungsgesetzes ging das junge Startup dann am 13. Februar 2013 als FlixBus mit vier Linien durch Süddeutschland an den Start. Ein Witz, verglichen mit den heutigen Strecken, die 900 Ziele in 20 Ländern Europas miteinander verbinden – Tendenz steigend.

Was genau die Liberalisierung des Fernbusverkehrs bedeutet

Das vorherige Monopol der Deutschen Bahn auch auf Busstrecken quer durch Deutschland wurde gekippt, so dass der Wettbewerb billigere Tickets möglich machte. Neue Busanbieter konnten so immer neue Strecken befahren und bei Bedarf auch unbürokratisch wieder einstellen. Dementsprechend groß war aber dann auch binnen kürzester Zeit die Konkurrenz – und vor allem zwischen den Big Playern und den jungen Neuen entbrannte ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft, die – wie wir 2016 wissen – einer von den Kleinen gewonnen hat.
Dass FlixBus heute grandioser Marktführer ist, liegt vor allem an einem Coup, den das junge Unternehmen gemeinsam mit MeinFernbus gelandet hat. Der eigentliche Konkurrent aus Berlin sprang 2011 auf die gleiche Welle auf wie FlixBus und wurde ab 2015 zum Partner in Crime – gekommen, um die großen zu stürzen. Diesen Plan setzten sie zunächst unter dem Doppelnamen MeinFernbus FlixBus um, zumindest im Inland. Für den europäischen Markt nutzte das Doppel-Unternehmen schon seit der Fusion den Namen FlixBus, der seit Anfang 2016 auch in Deutschland gilt.

71 Prozent Marktanteil waren FlixBus nicht genug

Im Jahr 2014 beförderte MeinFernbus 7,2 Millionen Passagiere, FlixBus hingegen nur 3,5 Millionen. Nach der Fusion im Jahr danach reisten 20 Millionen Menschen europaweit mit MeinFernbus FlixBus. Heißt, 71 Prozent Marktanteil und Dominanz im Fernbussegment in Deutschland. Und als wäre David gegen Goliath in den Ring gestiegen, schlugen Fernbusreisen den innerdeutschen Flugverkehr hinsichtlich der Passagierzahlen sogar in dem Jahr.

Die FlixBUs-Flotte steht am Busbahnhof bereit.
(Foto: Axel Bueckert/Shutterstock.com)

Und während andere sich Hände reibend und Sekt schlürfend an der Côte d’Azur einen Fetten machen würden, überlegten die Füchse hinter dem fusionierten Unternehmen Anfang 2016 wie sie sich auch noch die anderen 29 Prozent des Marktes unter den Nagel reißen können. Ganz einfach.

FlixBus schluckt sie alle: erst Megabus, dann Postbus

Der Aufruhr war groß als der britische Billiganbieter Megabus ankündigte den deutschen Markt aufmischen zu wollen. In den USA und Großbritannien ist der Fernbusanbieter regelmäßig mit 1 Dollar/1 Pfund-Angeboten als Sieger aus der Preisschlacht gegangen. In Deutschland startete das Unternehmen im Dezember 2014 ähnlich billig mit innerdeutschen Routen. Doch dann kam FlixBus.
Seit Juni 2016 gehören alle Megabus-Linien auf dem europäischen Festland FlixBus. Im August 2016 kündigte FlixBus an auch die Fernbus-Sparte der Deutschen Post zu übernehmen. Am 1. November war‘s das dann mit Postbus.
Knapp 30 Jahre nachdem die Deutsche Post ihren Personenbeförderungszweig an die Deutsche Bahn abgab, versuchten sie es 2015 noch einmal, schlossen sich mit dem ADAC zusammen und wollten auch im Fernbusgeschäft mitspielen. FlixBus mimte wieder den Spielverderber und schluckte die Busse des Megakonzerns nur wenige Jahre später. 81 Prozent Marktanteil, der nächste (und quasi einzige übrig gebliebene) Konkurrent, die Deutsche Bahn, ist abgeschlagen mit 9 Prozent Marktanteil!

Der Fernbus Postbus ist auf der Autobahn unterwegs.
(Foto: Vytautas Kielaitis/Shutterstock.com)

Und was sagt das Kartellamt dazu?

Erstmal gar nichts, denn die FlixBus-und Postbus-Chefs hätten dem Bundeskartellamt schon vor der Fusion deutlich gemacht, dass diese für eine Prüfung durch die Wettbewerbshüter zu klein sei. Die Umsatzschwellen, die für eine solche Prüfung überschritten werden müssten, liegen bei 500 Millionen Euro aller beteiligten Unternehmen sowie 25 Millionen Euro innerhalb Deutschlands bei einem der beteiligten Unternehmen.
Postbus und FlixBus fungieren lediglich als Vermittler der Beförderung. Diese übernehmen meistens mittelständische Busfirmen. Das heißt sie kassieren lediglich eine Vermittlerpauschale und können sich doch etwas weniger in Geld suhlen, als man eigentlich glauben mag. Marktführer FlixBus kam so im Jahr 2015 auf gerade einmal 187 Millionen Euro – da rührt das Kartellamt noch keinen Finger.

Und was sollte man jetzt beachten, wenn man FlixBus fährt? 6 Tipps!

  1. Kauft eure Tickets am besten 2 Wochen vor der geplanten Fahrt. Da sind sie in der Regel am günstigsten. Wer der absolute Schnäppchenjäger ist, kann sich über die FlixBus-App, die Facebookseite von FlixBus oder bei uns die passenden Aktionen und Rabatte sichern. Ansonsten gilt – Preise über Online-Portale vergleichen – wobei, da schlägt sich FlixBus wohl nur selbst. „Wir planen keine Preiserhöhungen, die Ticketpreise bleiben also tief. Auch nach der Übernahme der Fernbussparte der Deutschen Post stehen wir im intensiven Wettbewerb“, sagte FlixBus-Geschäftsführer André Schwämmlein gegenüber finanzen.net.
  2. Im Bus gibt es WLAN…verlasst euch lieber nicht drauf. Noch ist es eine Lotterie, ob das auch funktioniert. In der Regel habt ihr aber Glück, wenn dreiviertel der Passagiere im Bus schlafen.
  3. Steckdosen – sind vor allem notwendig, wenn man die ganze Zeit Instagram checkt, Serien streamt oder Whatsapp-Nachrichten schreibt (WLAN wäre hier natürlich von Vorteil). Die gibt es in den neuen Bussen eigentlich an jedem Platz, aber die älteren Modelle machen die Steckdosen-Suche zur nervigen Fahrtbeschäftigung. Informiert euch vorher, denn manchmal gibt es Steckdosen nur an Fensterplätzen oder gar nur ganz vorn oder an der hinteren Tür im Bus.
  4. Stellt euch im richtigen Moment schlafend. Nicht immer kann man sich seinen Sitznachbarn aussuchen. Menschenkenntnis ist gefragt (da könnt ihr auch Glück haben) und im Notfall – Augen zu, Kopfhörer rein und hoffen, dass der Platz neben einem frei bleibt.
  5. Vergewissert euch, dass euer Busfahrer auch den richtigen Bus fährt. Erst am Wochenende brauchte ein FlixBus von Mönchengladbach nach Berlin 14 Stunden, anstatt der vorgesehen 8. Grund war nicht etwa ein Stau. Nein, der Busfahrer hatte aus Versehen einen Doppeldeckerbus, anstatt eines einfachen kleinen genommen und musste umkehren als der Fehler auffiel. Da war er aber dummerweise schon in Niedersachsen.
  6. Wusstet ihr, dass ihr bei FlixBus auch ganz einfach eure Fahrräder mitnehmen könnt? Für nur 9 Euro mehr fährt euer Fahrrad Bus. Im regulären Ticketpreis inbegriffen sind ein Handgepäck und sage und schreibe zwei Koffer, die ihr im Gepäckraum lagern könnt.