Neue Geoblocking EU Verordnung – bald auch Netflix im Urlaub

News von Daniel am 08.02.2017

Wer hat sich darüber nicht schon einmal geärgert: Man landet endlich im wohlverdienten Urlaub und möchte nach einigen Beachparties und Piña Coladas auch einfach mal ein paar Filme auf Streamingdiensten wie Netflix anschauen – und sieht nur schwarz. Laut der aktuellen Geoblocking EU Verordnung ist damit jetzt Schluss.

Geoblocking EU Verordnung netflix

Verhandlungsführer des EU-Parlaments, des Ministerrates und der Kommission haben sich am Dienstagabend nach langem Streit auf einen entsprechenden Kompromiss für einen Verordnungs-Entwurf zur „grenzüberschreitenden Portabilität“ von Inhaltsdiensten im Internet geeinigt. Dem Ergebnis nach wird EU Geoblocking abgeschafft. „Wer zu Hause seine Lieblingsserien, Musik und Sportereignisse abonniert hat, wird diese nun auch auf Reisen in Europa anschauen und anhören können“, sagte der zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip.

Werden persönliche Daten zur Lokalisierung genutzt?

Im Wesentlichen orientiert sich die neue Geoblocking EU Verordnung an dem Vorschlag, den der niederländische Ratspräsident bereits im Mai präsentierte. Streaming-Dienste wie Netflix, Maxdome oder Spotify werden sich Methoden wie elektronischer Identifizierung, Zahlungsinformationen, Anschrift oder IP-Adressen benutzen um den Hauptwohnsitz der Nutzer zu lokalisieren. Daten müssen ausreichend geschützt und Kunden über die Verifikationsverfahren aufgeklärt werden.

Noch keine klaren Fakten?

Bezüglich des genauen Verfahrens ist die neue Geoblocking EU Verordnung etwas schwammig formuliert, so ist die Rede davon, dass ihr Filme auf Netflix „zeitweilig“ auch im Ausland ansehen dürft. Was das genau zu bedeuten hat, ist bisher unklar. Es soll nicht nur der Sommerurlaub sondern auch „Studien- und Geschäftsaufenthalte“ abgedeckt werden. Primär wird die neue Geoblocking EU Verordnung nur für kostenpflichtige Dienste gelten, durch Rundfunkgebühren finanzierte Sender wie ARD und ZDF sollen individuell entscheiden dürfen, ab sie sich den Richtlinien der Geoblocking EU Verordnung anpassen wollen.

Geoblocking EU Verordnung spotify

Tritt die Geoblocking EU Verordnung erst nach der Übergangsfrist in Kraft?

Nach der noch ausstehenden Billigung der konkreten Formulierung durch Rat und Parlament wird die neue Geoblocking EU Verordnung nach einer Übergangsfrist von neun Monaten gelten, die Anfang nächsten Jahres beginnt. Ansip spricht von einem wichtigen Schritt auf dem Weg einer umfassenden Reform des Urheberrechts. 2016 nutzten 64 Prozent der Europäer das Netz zum Streamen von Medien auf Plattformen wie Netflix, Amazon Prime, Spotify oder Maxdome und das zunehmend auf mobilen Geräten. Bei einer 2015 erfolgten Befragung sprach sich die Hälfte der Zielgruppe zwischen 15 und 39 gegen Geoblocking ausgesprochen.

Ist nur das gewohnte Sortiment verfügbar?

Die Geoblocking EU Verordnung wird allerdings nicht bedeuten, dass Netflix in allen EU-Ländern das gleiche Sortiment anbietet. Man wird lediglich das Angebot des Landes europaweit nutzen können, in welchem man das Abonnement abgeschlossen hat. Gerade Netflix sorgt mit großer Motivation dafür, dass man nur das Angebot des eigenen Landes nutzt.

Obwohl die wesentlichen Neuerungen noch keine beschlossene Sache sind, können wir euch schonmal folgende Infos geben:

  • Ihr könnt euch auf die Nutzung eures Netflix-Accounts im Ausland freuen
  • Ihr werdet das Sortiment des Auslandes leider nicht nutzen können
  • Der Dienst wird zeitlich beschränkt sein
  • 2018 beginnt eine Übergangsfrist von 9 Monaten, bevor die Geoblocking EU Verordnung endgültig in Kraft tritt
  • Öffentlich-rechtliche Sender können selbst entscheiden, wie sie verfahren
  • EU-Kommission sieht in der Geoblocking EU Verordnung den Beginn einer Reform des Urheberrechts