Humboldt Forum Berlin: Das sind ja gleich 3 Dinge auf einmal!

News von Fabian am 18.01.2017

Schloss, Kultur und Prestige – um diese drei Dinge geht es beim größten und wichtigsten Kulturprojekt der Bundesregierung in Berlin. Der Wiederaufbau des Schlosses und seine Wiederverankerung im Bewusstsein der Berliner und der Deutschen allgemein; dieser Aufgabe hat sich das Humboldt Forum Berlin angenommen.

Fragt man die Berliner nach dem wichtigsten baulichen Wahrzeichen ihrer Stadt, so lauten die Antworten in der Regel der Fernsehturm am Alex, die Gedächtniskirche am Zoo, oder das Brandenburger Tor, manchmal wird auch der Reichstag genannt. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das noch ganz anders. Jeder Berliner hätte zweifelsfrei das Schloss als Nummer Eins ausgemacht. Seit Jahrhunderten war das Berliner Stadtschloss das zentrale Bauwerk im Zentrum der Stadt. Durch die Wirren des 20. Jahrhunderts, Krieg, deutsche Teilung und die Zerstörung des Schlosses, wird das heutzutage oft vergessen.

Humboldt Forum Berlin

Das Berliner Stadtschloss

Bevor wir uns mit dem Humboldt Forum Berlin beschäftigen, ein kurzer Geschichtsexkurs: Kurfürst Friedrich II. – von den Zeitgenossen auch liebevoll „Eisenzahn“ genannt – legte 1443 den Grundstein für den Bau des Schlosses. Er einigte damals die zwei Ansiedlungen „Cölln“ und „Berlin“ und erklärte sie zu seiner Residenz. Und was konnte für einen Fürsten repräsentativer sein als ein Schloss! Über die Jahrhunderte hinweg schraubten dann unzählige Fürsten, Könige und Kaiser weiter am Berliner Schloss herum, bis es im 19. Jahrhundert seine allseits bekannte Gestalt annahm.

Das Schloss wurde zu dem Wahrzeichen Berlins. Hier wurde Geschichte geschrieben. Vor dem Schloss entzündete sich die Märzrevolution von 1848, auf dem Schlossbalkon hielt Kaiser Wilhelm II. am 1. August 1914 seine berühmte „Zu-den-Waffen-Rede“, und nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg riefen am 9. November 1918 Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht quasi gleichzeitig von hier sowohl die Weimarer Republik als auch eine sozialistische Republik aus.

 

Doch bald war es vorbei mit den schönen, aufregenden Zeiten für das Berliner Stadtschloss. Die Nazi- und Kriegszeit hätte es beinahe schadlos überstanden, da brannte es am Ende des Zweiten Weltkriegs nach einem schweren Luftangriff im Februar 1945 doch noch fast komplett aus. Fünf Jahre lang stand die Ruine noch, bevor Walter Ulbricht, Regierungschef der neugegründeten DDR, das Schloss endgültig abreißen ließ. Und damit verschwand das Schloss auch aus dem Bewusstsein der meisten Deutschen.

Zwanzig Jahre passierte nichts am Ort des ehemaligen Stadtschlosses, dann baute Ulbricht-Nachfolger Erich Honecker den Palast der Republik dort hin. In Erichs Lampenladen, wie das Gebäude im Volksmund genannt wurde, fanden Versammlungen und Veranstaltungen statt. Mach der Wiedervereinigung wurde der asbestverseuchte Palast abgerissen, und zeitgleich entstand die Frage nach einem Wiederaufbau des Berliner Schlosses.

Humboldt Forum

Das Humboldt Forum Berlin

Beim Humboldt Forum Berlin handelt es sich um das bedeutendste und prestigeträchtigste Kulturprojekt des Bundes in Berlin. Es ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich 2009 gegründet hat, und die Bauherrenschaft beim Schlosswiederaufbau innehat. Bereits im Jahre 2000 hatten die Verantwortlichen aus Politik, Kultur und Wirtschaft für den Wiederaufbau des Schlosses am historischen Ort gestimmt.

In der Öffentlichkeit war die Meinung gespalten. Es gab nicht wenige, die den Palast der Republik als Erinnerungsort für DDR-Geschichte erhalten wollten, andere hätten an dessen Stelle gerne eine Grünfläche zur allgemeinen Nutzung und Treffpunkt in der Mitte Berlins gestaltet. Na ja, die öffentliche Meinung zählt in der Regel nicht viel und letztlich setzten sich die Schlossbefürworter durch. Im Jahre 2002 beschloss der Deutsche Bundestag den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Für die Umsetzung der Pläne wurde das Humboldt Forum Berlin gegründet.

Bild: Pressefoto Humboldt Forum Berlin
Bild: Pressefoto Humboldt Forum Berlin

Was macht das Humboldt Forum Berlin?

Die wichtigste Frage für den Wiederaufbau betraf das Aussehen des künftigen Schlosses. Sollte man den alten Kasten aus Preußenzeiten originalgetrau nachbauen oder einen modernen Schlossbau realisieren? Und vor allem, für wen baut man ein neues Schloss? Könige und Kaiser gibt es in Deutschland keine mehr, Bundeskanzler(in) und Bundespräsident haben ihre Residenzen.

Schnell war klar, der Schlossneubau sollte eine Anlaufstelle für alle Bürger werden. Zudem ein Ort kultureller Begegnungen. Also einigte man sich darauf, aus dem künftigen Schloss ein Museum zu machen. Die wichtigsten ethnologischen Sammlungen Berlin sollen hier vereint werden, um einen ganzheitlichen Blick auf die Geschichte und Kultur der ganzen Welt zu ermöglichen. Das Humboldt Forum Berlin wird damit nicht nur zum kulturellen Zentrum der Hauptstadt, sondern ganz Deutschlands.

Was also erwartet die künftigen Besucher des Humboldt Forum Berlin? Nichts anderes als das Universalmuseum des 21. Jahrhunderts. Ein Ort für alle Menschen soll das neue Schloss sein, unabhängig von Nationalität, Religion, Geschlecht und sozialer Herkunft. Ausstellungen und Projekte laden ein, die globale Geschichte und die Verflechtungen der Welt aus verschiedenen Perspektiven zu erfahren. So zumindest lauten die offiziellen Wunschvorstellungen des Humboldt Forum Berlin und der Verantwortlichen aus Kultur und Politik.

Bild: Pressefoto Humboldt Forum Berlin
Bild: Pressefoto Humboldt Forum Berlin

Klingt zunächst einmal super. Es bleibt allerdings abzuwarten, inwiefern sich die zugegebenermaßen lobenswerten Ansätze verwirklichen lassen. Bis zum heutigen Tag jedenfalls ist der Bereich Hochkultur ein geschlossener Raum, in dem sich das gebildete, gutsituierte Bürgertum tummelt. Museen, Theater und klassische Konzerte werden nur vereinzelt von Maurern und Floristinnen besucht. Neben dem geringeren Interesse spielt sicherlich auch der Preis für Kultur eine wichtige Rolle.

80 Euro für eine Opernkarte kann sich nicht jeder leisten. Und 12 Euro für einen Museumsbesuch sind für eine Großfamilie aus ärmeren Verhältnissen kaum machbar. Die Macher des Humboldt Forum Berlin wollen deshalb einen freien Eintritt für die Ausstellungen im Berliner Schloss durchsetzen. Man darf gespannt sein, ob sich das tatsächlich verwirklichen lässt. Erst nach der Fertigstellung und offiziellen Eröffnung des gesamten Schlosses im Jahre 2019 wird man auch sehen, ob das Angebot tatsächlich von Menschen angenommen wird, denen der Kulturbereich sonst verschlossen bleibt.