Wird das Nokia Comeback das Ende der Wegwerfhandys einläuten?

News von Daniel am 13.12.2016

Ende des letzten Jahrtausends war Nokia der absolute Vorreiter im Handybereich und für die meisten Kunden erste Wahl. Der Smartphone-Hype wurde dann aber vom i-Phone eingeläutet, andere Hersteller sprangen auf den Zug auf und der Marktführer wurde vom Thron gestoßen. Den Einstieg in den extrem lukrativen Markt schaffte Nokia danach nicht mehr, obwohl viele Ansätze zunächst vielversprechend waren.

30-nokia-comeback-logo-nokia

Nokia Comeback: Alter Hund lernt neue Tricks

Jetzt soll es Gerüchten zufolge zwei Smartphones für das Nokia Comeback geben: das D1C und das P1, wobei die Namen noch nicht bestätigt wurden. Technische Daten sind bisher auch noch nicht offiziell, da sich die Geräte zurzeit noch im Prototypenstadium befinden und sich sicher noch viel tun wird. Ein wichtiger Punkt wird aber sein, dass die damals verwendeten Plastikgehäuse edlen Metallgehäusen weichen werden und Nokia auf Langlebigkeit und Haltbarkeit setzen will.

Gute Chancen am Markt

Experten sprechen den Finnen mit ihren neuen Modellen große Chancen am Markt zu. Wenn sie auf die richtigen Verkaufsargumente achten, wie die erwähnte Widerstandsfähigkeit neben der obligatorischen Leistungsfähigkeit und einem eleganten Look, könnte das Nokia Comeback ein voller Erfolg werden. Mit der richtigen Marketingstrategie könnten sie den aktuellen Marktführern wieder gefährlich werden.

Neue Partnerschaften

Für den weltweiten Vertrieb und die Entwicklung wird das neugegründete Unternehmen HMD zuständig sein. Und nach 30 Monaten endet auch die Knebelfrist von Microsoft, die Nokia untersagt hatte, Handys unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichen. Eine Zusammenarbeit übrigens, die nicht nur das Nokia Comeback zum absoluten Ding der Unmöglichkeit gemacht hatte, sondern sich auch als einer der teuersten Fehler Microsofts herausstellte, da nur Ladenhüter produziert wurden.

Das fragwürdige Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Nokia
Das fragwürdige Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Nokia

Gutes Marketing ist die halbe Miete

Wie „Phone Arena“ berichtet, hat HMD eine große britische Werbeagentur beauftragt, das Nokia Comeback marketingtechnisch zu unterstützen. Des Weiteren ließ das Portal verlauten, dass die Firma auf dem Mobile World Congress in Barcelona vertreten sein wird, einer der wichtigsten Messen der Mobilfunkbranche, auf der von allen führenden Marken regelmäßig neue Modelle veröffentlicht werden. Die Wahrscheinlichkeit ist also nicht gering, dass es auf der MWC 2017 ein Nokia Comeback geben wird, zumal sowohl HMD als auch Nokia selber neue Handys mit Android-System auf ihren Webseiten ankündigen.

Nokia Comeback im Frühjahr?

Könnte es auf dem MWC 2017 also eine Nokia-Premiere geben? Der Zeitplan ergibt Sinn, auf seiner Website kündigt HMD neue Nokia-Smartphones mit Android-Betriebssystem für die erste Jahreshälfte 2017 an. Auch auf Nokias neuer Website werden neue Geräte für 2017 angekündigt. Das D1C soll laut „Android Pure“ ein 5,5-Zoll-Modell mit Full-HD-Auflösung und Snapdragon-430-Prozessor besitzen, sowie drei Gigabyte Arbeitsspeicher. Eine Hauptkamera mit 16 oder 13 Megapixeln und eine Selfiecam mit acht Megapixeln wurden erwähnt. „Nokiapoweruser“ geht zudem von einem kleineren 5-Zoll-Model mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher aus.

Gelten alte Tugenden noch?

Vor allem der Aspekt der Haltbarkeit könnte Nokia von der Konkurrenz abheben – galten die alten Nokiatelefone doch immer als Paradebeispiele für Langlebigkeit und Stabilität. Produkte aktueller Marktführer werden zwar augenscheinlich robust entworfen und Bauteile wie Titanrahmen, speziell gehärtetes Glas und Keramikoberflächen verwendet, bei näherem Hinsehen fällt allerdings auf, dass tatsächliche Langlebigkeit gar nicht im Interesse der Hersteller liegt. Ganz im Gegenteil, es wird sogar alles dafür getan, den Kunden möglichst zeitnah auf Nachfolgemodelle umsteigen zu lassen.

Hammer-nokia-comeback

Kauf mich

Updates werden auf Altgeräten unmöglich gemacht, Akkus fest im Gehäuse verklebt, um zu verhindern, dass der Kunde selber Hand anlegt, und Reparaturen beim Hersteller sind in der Relation immer unwirtschaftlich angesiedelt, um einen Neukauf schmackhafter zu machen. Kurzum: Die Geräte mögen noch so stabil wirken, man investiert den hohen Preis meist in einem Zyklus von etwa drei Jahren.

Langlebigkeit interessiert niemanden

Auch Hyewon Seo vom Verbraucherzentralen-Bundesverband ist der Meinung, dass dieses vorprogrammierte Verfallsdatum der Technik durchaus im Sinne der Hersteller liegt: „Wir werfen den Herstellern nicht vor, die rasche Alterung ihrer Produkte schon bei der Entwicklung zu planen. Doch sie nehmen sie mehr oder weniger bewusst in Kauf und achten beim Design nicht sonderlich auf Langlebigkeit.“ Vielleicht wird das beim Nokia Comeback endlich anders.

Buch mit sieben Siegeln

Die Ursache sieht Seo allerdings nicht allein in der Profitgier der Hersteller: „Moderne Mobilgeräte sind zu Modeprodukten geworden, die die Mehrzahl der Verbraucher nach relativ kurzer Zeit nicht mehr verwenden wollen, weil sie nicht mehr in sind. Daraus resultiert eine kürzere Nutzungsdauer.“

Gerade Apple macht es sogar technisch versierten Käufern mit jeder Generation schwerer, Zugang zum Innenleben zu bekommen. Zwar ist es noch durchaus erfreulich, dass die Geräte wie aus einem Guss wirken, und man könnte die mangelnde Reparierbarkeit teilweise auch damit erklären. Wieso allerdings spezielle, sternförmige Pentalob-Schrauben benutzt werden müssen, erschließt sich dem gesunden Menschenverstand eher weniger.
iPhone_vs_nokia-comeback

Like Glue

Bei der neuesten Generation des iPads wurde noch konsequenter vorgegangen, und das Display wurde fest mit dem Gehäuse verklebt. Auch der Akku des Macbook Pro lässt sich nicht mehr austauschen, wie noch bei seinem ursprünglichen Unibody-Modell von 2008, sondern es muss für diesen künstlich verkomplizierten Eingriff an Apple geschickt werden. Kostenpunkt: bis zu 199 Euro. Eine einzelne Batterie bekommt man dagegen bei Onlinehändlern sprichwörtlich nachgeworfen.

Reparieren verboten

Laut des Ersatzteil- und Reparaturprofis iFixit sind liegt die Reparaturfreundlichkeit aktueller Appleprodukte auf einer Skala von Eins bis Zehn meistens bei zwei Punkten. Der australische IT-Spezialist Tim Hicks bekam sogar direkt vom Elektronikhersteller Toshiba verboten, Reparaturanleitungen auf seinem Blog zu veröffentlichen. Er hatte auf seiner Seite „Tim‘s laptops service manuals“ Reparaturanleitungen aller Art zum kostenlosen Download angeboten.

Konsum schadet wie immer der Umwelt

Diese ganze Entwicklung ist selbstverständlich nicht nur suboptimal für den Geldbeutel des Kunden, sondern auch schlecht für die Umwelt, weshalb das Umweltbundesamt im November erwägte, fest verbaute Akkus komplett zu verbieten. „Eine gesellschaftliche Debatte darüber, ob diese Art von Massenkonsum angesichts schwindender Ressourcen zeitgemäß ist, findet leider nicht statt“, kommentiert Expertin Seo. Weltweit fallen jährlich 40 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Ob sich beim Nokia Comeback nächstes Jahr endlich etwas ändern wird, wird sich zeigen.