Plastikfakten über Plastiktüten

News von Sibylle am 11.08.2016

Eine Billionen Plastiktüten verbraucht die Menschheit weltweit jährlich. Eine Billion. 1 000 000 000 000. Eine Eins mit zwölf Nullen. Das ist eine Zahl, die so groß ist, dass wir sie kaum begreifen können.

Plastikfakten

Nur ein winziger Teil davon wird recycelt und wiederverwertet, der Rest landet in unseren Ozeanen und auf den Mülldeponien. Bis so eine Plastiktüte vollständig abgebaut ist, dauert es, je nach Material, 100 bis 500 Jahre. Mag das eben mal jemand ausrechnen? Bei 900.000.000.000 unrecycelten, achtlos weggeworfenen Plastiktüten jährlich, einer durchschnittlichen Zerfallsdauer von 300 Jahren, und das seit der Erfindung der Plastiktüte im Jahre 1961, wie viel Müll haben wir da bereits verursacht, mit wieviel Plastik hat unsere Erde die nächsten Jahrhunderte noch zu kämpfen, selbst, wenn wir sofort aufhören würden, die eigentlich doch praktischen Tüten zu nutzen?

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Klebriger Tod, dort, wo wir sonst Urlaub machen: Aufräumarbeiten nach einer Ölkatastrophe an den Stränden Thailands

Dem statistischen Bundesamt zufolge liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland aktuell bei 76 Tüten im Jahr – das macht ungefähr 6 Milliarden insgesamt, nur in Deutschland. 11 700 Plastikbeutel pro Minute. Damit gehören wir, neben England, Spanien und Italien, zu den europäischen Spitzenreitern im Plastik-Müll-machen. Ausgerechnet wir, die ach so umweltbewussten Deutschen.

Tödliches Plastik

Doch das Elend der Plastiktüten liegt nicht nur in ihrer hohen Zahl und der langen Abbauzeit begründet. Plastiktüten bestehen aus fossilem Rohöl, das auch erst einmal gefördert und zur Plastiktüte transformiert werden muss – und das bekommt der Umwelt ebenfalls nicht gut. Die geschätzte CO2-Emission unserer einer Billionen Plastiktüten beläuft sich auf mehr als 30 Millionen Tonnen pro Jahr. Schon wieder so eine unvorstellbar große Zahl. Und dort, wo diese endlichen, irgendwann erschöpften Mineralölvorräte für all diese vielen Tüten herkommen, entstehen bereits die nächsten Probleme. Sei es Raubbau an der Natur und eine nicht wieder umkehrbare Schädigung der Flora und Fauna, oder die Vielzahl an Konflikten und Kriegen, Korruption und Ausbeutung, die erst durch die Jagd und Gier auf wertvolles Rohöl entstehen konnten.

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Ein Waldrand, zugemüllt mit Plastik

Während man in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts noch bedenkenlos alles aus Kunststoff fertigte, was möglich war, Spraydosen mit dem umweltschädlichen Treibgas FCKW versah, und Rauchen für unbedenklich bis gesund hielt, ist man in der Zwischenzeit schlauer und achtsamer geworden. Die Menschheit versucht, ihre Fehler, wenn auch nicht ungeschehen, so doch „weniger schlimm“ zu machen. Im Falle der Plastiktüten heißt das: Verbieten.

Hat die Plastiktüte noch Zukunft?

Die Einführung von gelben Säcken und dem grünen Punkt war ein erster, kleiner Schritt in die richtige Richtung, allerdings ohne gravierende Wirkung – denn wie bereits erwähnt, landen nur rund zehn Prozent des Plastikmülls im Recyclinghof. Der nächste Schritt ist nun also das Verbot von Plastiktüten.

Lange diskutiert, schwammig geregelt, auf freiwilliger Basis und immer wieder verschoben. Während andere, in unseren westeuropäischen Augen oftmals weniger entwickelte“ Länder wie China, Südafrika oder Ruanda bereits staatliche Verbote durchgesetzt und so den Plastiktütenverbrauch drastisch gesenkt haben, diskutiert Deutschland seit Jahren über eine Lösung. Das beginnt bereits damit, dass bei Plastiktüten unterschieden werden muss. Zwischen sogenannten Einwegbeuteln, das sind diese dünnen Dinger, in die man im Supermarkt Obst und Gemüse packt, und Mehrwegtüten aus dickerem, strapazierfähigerem Kunststoff. Etwaige Reglementierungen richten sich nämlich nur gegen die robustere Tragetasche, nicht jedoch gegen die Einwegbeutel. Dabei ist deren Verbrauch noch um einiges höher als der „normaler“ Plastiktüten – denn selbst wer mit Einkaufskorb oder Rucksack in den Supermarkt geht, und so auf die Plastiktüte verzichtet, packt Kartoffeln und Radieschen trotz allem häufig in die dünnwandigen Beutel.

Dabei interessiert es Tiere und Umwelt herzlich wenig, ob sie an einer Einweg- oder Mehrwegtüte ersticken. Konsequent wäre es also, Plastiktüten jeglicher Art zu verbieten. Doch Moment, von einem Verbot sind wir, anders als viele andere Länder, noch meilenweit entfernt. In Deutschland gibt es nun seit dem 1. Juni 2016 – auf freiwilliger Basis – die Empfehlung, Plastiktüten nur noch gegen ein Entgelt an die Kunden auszugeben. Denn wenn etwas Geld kostet, überlegen wir uns zweimal, ob wir es wirklich brauchen.

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Was passiert, wenn eine Babyschildkröte auf Plastikmüll trifft? Das hier. Foto: www.blog.hydorphyl.biz

An sich also eine gute Sache, doof nur, wenn niemand mitmacht. Einige Supermarktketten und Modelabels verlangen zwar seit mehreren Wochen Geld fürs Tütchen, doch auch hier ist der gesamtdeutsche Prozentsatz gering. Die Tankstellenlobby mit ihren abertausenden Tankstellenshops fühlt sich ebenso wenig angesprochen wie der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks oder die Bundesvereinigung der Deutschen Apothekenverbände.

Es liegt an uns!

Die Verantwortung für einen bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen liegt also doch, wie so oft, beim einzelnen Verbraucher selbst. Die faule Ausrede „Was kann ich schon bewirken?“ zählt nicht. Denn jeder von uns kann etwas tun. Mit Jutebeutel, Korb oder Rucksack zum Einkaufen gehen, beispielsweise. Auf Papier zurückgreifen, wenn es doch mal eine Tüte sein muss. In Läden kaufen, die komplett auf Verpackung verzichten, und seine eigenen Behälter zum Abfüllen der Lebensmittel mitbringen. Keinen Plastikmüll achtlos wegwerfen, sondern recyceln. Oder selbst aktiv wirken und helfen – sei es als spendendes Mitglied bei WWF oder Greenpeace, als Unterstützer kleinerer Organisationen wie der Surfrider Foundation, die sich für saubere Meere und Strände einsetzt, oder direkt vor der eigenen Haustüre, im nahe gelegenen Wald oder am See, in dem man einfach auch mal Plastikmüll aufhebt und entsorgt, den man selbst nicht gemacht hat.