Rechte als Mieter – Auf diese zwölf Mietrecht-Mythen solltet ihr nicht reinfallen

News von Isabel am 28.01.2017

Betriebskosten, Wohnungsmängel, allgemeine Vertragsangelegenheiten, Mieterhöhung – Mieter und Vermieter sind sich gern mal uneinig darüber, welche Rechten und Pflichten sie haben. Genau aus diesem Grund nahmen auch etwa 1,1 Millionen Menschen im Jahr 2015 eine Rechtsberatung beim Deutschen Mieterbund in Anspruch. 97 Prozent aller Fälle konnten außergerichtlich geklärt werden. Der geringe Rest landete vor Gericht.

Um Streitigkeiten mit schlagenden Argumenten aus dem Weg zu räumen, solltet ihr unbedingt wissen, welche Rechte ihr als Mieter habt – aber auch welche Pflichten. Dass der Vermieter nicht alles darf, steht außer Frage, dennoch halten sich einige Mythen zum Mietrecht hartnäckig.

Mietrecht Schlüssel

Diese zwölf Mietrecht-Mythen solltet ihr kennen

Wir zeigen euch, was Mythos und was wahr ist, damit eure Wohnung auch wirklich euer trautes Heim ist und bleibt.

  • Beim Auszug müssen alle Wände weiß gestrichen werden

Das stimmt so nicht ganz, denn selbst wenn die Wohnung laut Vertrag „renoviert“ übergeben werden muss, heißt das noch lange nicht, dass ihr auch Streichen müsst. Ihr müsst lediglich alles entfernen, was ihr zuvor angebaut habt und einmal durchfegen. Habt ihr allerdings einen Faible für grelle bunte Farben an den Wänden oder ihr habt euch gar eine Tapete DIY-Style selbstgemacht, darf der Vermieter tatsächlich von euch verlangen, ihnen einen hellen Anstrich zu verpassen.

  • Gleiches Recht für alle…

…gibt es im Mietrecht nicht! Das heißt, dass der Vermieter einzelne Mietparteien durchaus unterschiedlich behandeln darf. Euer Nachbar darf einen Hund in der Wohnung halten, ihr aber nicht? Deal with it! Das ist zwar nicht sonderlich fair, aber leider erlaubt. Auch Mieterhöhungen können nur einige Parteien im selben Haus treffen.

  • Party like a Rockstar – einmal im Monat erlaubt?!

Ist klar – ihr glaubt wohl auch an den Weihnachtsmann. Natürlich dürft ihr nicht einmal im Monat so richtig die Sau rauslassen. Strenggenommen, dürft ihr das sogar jeden Tag. Überrascht? Des Rätsels Lösung ist eigentlich ziemlich einfach. 22 Uhr beginnt die Nachtruhe, davor könnt ihr machen, was ihr wollt. Generell gilt: Partylärm ist verboten. Zu besonderen Anlässen, zum Beispiel einer Hochzeit, hat aber sicher auch niemand etwas dagegen, wenn ihr mal länger feiert. Dann solltet ihr eure Nachbarn aber vorwarnen, denn ihr seid auf ihre Kulanz angewiesen. Laut Mieterbund darf niemand dazu gezwungen werden, Lärm zu ertragen.

Rechte für Mieter

  • Ohne Absprache mit Vermieter den Partner einziehen lassen?

Grundsätzlich gilt: Den eigenen Partner in die Wohnung einziehen zu lassen, ist gar kein Problem. Ihr solltet es aber zuvor kurz beim Vermieter anmelden, denn der lässt sich nicht gern hintergehen. Kriegt er später Wind davon, kann er euch leicht eine illegale Untermiete anhängen und schon sitzt ihr auf der Straße.

  • Vermieter kann Heizung und Wasser abstellen, wenn er vom Mieter keine Miete bekommt

Keine Sorge, das darf er nicht. Mit Vertragsabschluss geht er die Verpflichtung ein, diese Nebenkosten zur Verfügung zu stellen. Der Mieter zahlt dafür immerhin Betriebskosten im Voraus. Allerdings hat der Vermieter das Recht, dem Mieter zu kündigen, wenn er zwei Monate lang keine Miete zahlt.

  • Free Entry: Der Vermieter darf einen Wohnungsschlüssel behalten

Steht euer Vermieter unangekündigt in eurer Wohnung, dürft ihr ruhigen Gewissens die Polizei rufen, denn das ist Hausfriedensbruch. Bezieht ihr eine Wohnung, ist der Vermieter nicht nur dazu verpflichtet, euch alle Haus- und Wohnungstürschlüssel zu überreichen, sondern auch sämtliche Briefkasten-, Keller- und Garagenschlüssel. Für den seltenen Fall, dass ihr eurem Vermieter gezielt einen Zweitschlüssel für eure Wohnung überlasst, gilt: Ohne Ankündigung geht’s für ihn trotzdem nicht in EURE Wohnung.

  • Bei Eigenbedarf des Vermieters, muss der Mieter raus

Sagen wir so, meldet euer Vermieter Eigenbedarf an, habt ihr nicht unbedingt die besten Karten, letztendlich doch in eurer Wohnung zu bleiben. Aber, es gibt da die ein oder andere Möglichkeit. So könnt ihr der Kündigung widersprechen, indem ihr die Sozialklausel geltend macht. Die müsst ihr allerdings erst einmal mit Härtegründen füttern. Das heißt, macht ihr plausibel verständlich, dass ihr aufgrund von Wohndauer, hohem Alter oder Krankheit nicht aus der Wohnung ausziehen könnt, habt ihr gute Karten. Auch die Verwurzelung in der Gegend gilt als Grund.

  • Stellt der Mieter drei Nachmieter vor, kommt er ohne Kündigungsfrist aus dem Vertrag

Nope. Auch wenn ihr 100 potenzielle Nachmieter mit je 20 Empfehlungsschreiben anschleppt, muss der Vermieter euch nicht vorzeitig aus der Wohnung lassen. Ob ihr ohne Kündigungsfrist aus dem Vertrag kommt, liegt ganz beim Vermieter – fangt lieber jetzt schon einmal an, euch mit ihm gutzustellen, wenn ihr ein solches Manöver plant.

  • Miet-Mythos: Im Gemeinschaftsflur dürfen Schuhe abgestellt werden

Rechte als Mieter_Schuhe Hausflur_Shutterstock

In eurem eigenen winzigen Flur ist wenig Platz für eure ausgereifte Schuhsammlung? Dann müsst ihr euch wohl etwas anderes einfallen lassen, als euch in den gemeinschaftlichen Hausflur auszubreiten. Der gehört nämlich nicht zum Mietvertrag dazu. Dort dürft ihr aber immerhin Kinderwagen und Gehhilfen abstellen.

  • Mängel berechtigen zu geringerer Miete

Hier müsst ihr euch immer fragen, ob die jeweiligen Mängel den Nutzen der Wohnung einschränken. Wenn ja, könnt ihr einen Teil der Miete einbehalten – allerdings solltet ihr vorher im Idealfall den fachkundigen Rat eines Anwalts einholen.

  • Rechte als Mieter: Kaution mit der Miete verrechnen?

Umziehen ist ein teurer Spaß. Auf der einen Seite wartet ihr darauf, dass ihr die Kaution zurückbekommt, auf der anderen sollt ihr schon die nächste Kaution hinblättern. Aber natürlich wird nicht nur die in der neuen Wohnung fällig, sondern auch die erste Miete…und zur Sicherheit auch gleich noch die zweite. Und dann wollt ihr euch auch noch neue Möbel kaufen. Da weint das Konto. Leider müssen wir euch auch noch ein bisschen mehr enttäuschen, denn wer bis jetzt geglaubt hat, dass man die Kaution der alten Wohnung unkompliziert mit der letzten Miete verrechnen kann, der irrt sich. Die Kaution bleibt solange in den Händen des Vermieters, bis es die Wohnung abschließend begutachtet hat.

  • Der Vermieter muss sich um Schäden und Reparaturen in der Mietwohnung kümmern

Das Gesetz will es so. Allerdings gibt es für den Vermieter zwei Ausnahmen: Klein- und Schönheitsreparaturen. Findige Vermieter schreiben entsprechende Klauseln in den Mietvertrag. Das heißt, Mieter müssen dann einen Teil dieser Renovierungsarbeiten selbst zahlen. Die Klauseln sind allerdings nur dann wirksam, wenn sie mit der aktuellen Gesetzeslage übereinstimmen. Was das für euch als Mieter bedeutet? Für Schäden an Lichtschaltern, Steckdosen, Wasserhähnen, oder auch Heiz- und Küchengeräten wie dem Herd, muss der Mieter teilweise aufkommen.

Sie gehören zu den Gegenständen, die bei schonendem Gebrauch nicht beschädigt worden wären, heißt es. Als Obergrenze gelten in solchen Fällen 100 Euro pro Reparatur. Aber keine Sorge, nicht bei jeder Kleinigkeit kann der Vermieter auch zur Kasse bitten. Pro Jahr darf der Mieter nur mit neun Prozent der jährlichen Nettokaltmiete belastet werden. Und selbst, wenn ihr die Reparatur aus der eigenen Tasche zahlen müsst, liegt es in der Verantwortung des Vermieters, die Mängel beseitigen zu lassen.