Danke Erasmus - für 30 Jahre europäischen Studentenaustausch

Sparen von Isabel am 05.07.2017

Wer ist eigentlich dieser Erasmus und warum hat der so viel Geld, um jährlich Hunderttausende Europäer aus verschiedenen Bildungsbereichen zum Austausch in andere Länder zu schicken? Auf jeden Fall finden wir ihn fantastisch, denn er macht es uns verdammt leicht ein Semester in einer fremden europäischen Stadt zu studieren, als Auszubildender an Austauschprogrammen teilzunehmen und selbst als Professor an fremden Unis im Ausland zu unterrichten. Übrigens, Erasmus ist satte 14,8 Milliarden Euro schwer.

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Was ist das Erasmus plus Förderprogramm?

1987 hat sich die Europäische Union für die Bildung ihrer jungen Bürger echt was einfallen lassen. Ein Programm, das es einem erleichtern soll seine Bildung nicht nur in seinem eigenen Heimatland zu genießen. Es trägt den sperrigen Namen "European Community Action Scheme for the Mobility of University Students“, kurz ERASMUS (zumindest halbwegs). Das Förderprogramm der Europäischen Union hat zunächst nur Studenten unterstützt, die ein Auslandssemester einlegen wollten. Heute, 30 Jahre nach der Entstehung, schreibt das Programm unter dem neuen Namen "Erasmus plus" eine andere Erfolgsgeschichte. 

Auch wenn immer noch fast 40 Prozent des Förder-Budgets im Hoschulbetrieb liegen, hat sich das Programm weit aufgestellt und bietet mittlerweile auch tolle Fördermöglichkeiten in den Bereichen schulische und berufliche Bildung sowie Erwachsenenbildung, Jugend und Sport. 

Das sind die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Erasmus plus-Förderprogramm! 

In der 30-jährigen Erfolgsstory des Erasmus-Programms haben sich nicht nur tolle Erlebnisse, langjährige Freundschaften, intensive Liebschaften und jede Menge interkulturelle Kompetenzen angesammelt, sondern auch ziemlich viele vielversprechende Zahlen. Bei diesen hier wirst du ins Staunen kommen!

  • Im Juni 1987 ging das Erasmus Förderprogramm an den Start.
  • Neben den 28 EU-Mitgliedsstaaten sind auch Island, Liechtenstein, Norwegen, Mazedonien und die Türkei dabei.
  • Im ersten Jahr packten 657 Studenten aus Deutschland dank des Erasmus-Stipendiums ihre Koffer für ein Auslandssemester.
  • In den letzten Jahren waren es jährlich knapp 40.000!
  • Sie erhalten je nach Zielland eine monatliche finanzielle Unterstützung von bis zu 500 Euro.
  • Der Etat von Erasmus plus beträgt zwischen 2014 und 2020 etwa 18,2 Milliarden Euro.
  • Die meisten Erasmus-Studenten kommen aus Frankreich, Deutschland und Spanien
  • Die beliebsten Gastländer sind Spanien, Deutschland und das Vereinigte Königreich.
  • 40 Prozent des Jahresbudgets gehen an Hochschulen.
  • So können jährlich knapp 300.000 Studenten ein Auslandssemester oder -Praktikum absolvieren.
  • Das deutsche Hochschulsystem herhielt 2015 rund 106 Millionen Euro über Erasmus. 

Wer darf am Förderprogramm von Erasmus teilnehmen?

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Das Erasmus-Programm richtet sich in erster Linie an Studenten. Aber auch in der Berufsausbildung kannst du über das Erasmus-Programm Erfahrungen im Ausland sammeln, gleiches gilt für Menschen, die sich in der schulischen Ausbildung befinden. Durch das stetige Wachstum und den permanenten Zuspruch des Erasmus-Programms wurden auch Fördermöglichkeiten für erwachsene Einzelpersonen und in den Bereichen Sport und Jugend aufgenommen.

Kerngruppe bleiben aber nach wie vor Studenten. Für sie war es auch bei Einführung gedacht. Deswegen listen wir dir hier in erster Linie die Erasmus-Voraussetzungen für Studenten auf. Wenn du individuelle Förderungsbedingungen für deinen jeweiligen Bildungsbereich wissen möchtest, kannst du dich einfach auf der Website des Erasmus plus Programms umsehen. 

Welche Voraussetzungen müssen Studenten erfüllen, um über Erasmus gefördert zu werden?

  1. Du musst als Vollzeitstudent an einer deutschen Universität immatrikuliert sein.
  2. Du kannst erst gefördert werden, wenn du mindestens das erste Studienjahr hinter dir hast.
  3. Auch deine Nationalität spielt eine Rolle, denn es handelt sich um ein EU-Programm. Du musst entweder Staatsangehöriger eines EU-Landes sein oder eines der assozierten Länder
  4. Du kannst auch als Flüchtling oder Staatenloser teilnehmen, wenn du offiziell anerkannt wurdest.
  5. Du musst eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung haben.
  6. Deine Kenntnisse in der jeweiligen Landessprache des Gastlandes sollten mindestens ausreichen, um Lehrveranstaltungen zu folgen.
  7. Sind dein Lehrveranstaltungen eh auf Englisch, was aber nicht die Muttersprache deines Gastlandes ist, solltest du mindestesn Basiskenntnisse der Landessprache haben.
  8. Du musst eine bestimmte Anzahl an ECTS an deiner Gast-Uni im Ausland absolvieren. Schaffst du die von deiner Heimat-Uni vorgegebenen ECTS im Ausland nicht, kann sie das zuvor gezahlte Fördergeld zurückverlangen. 

Warum lohnt es sich für dich Teil des Erasmus-Programms zu sein?

Es gibt zig verschiedene Gründe ein Auslandssemester einzulegen. Egal welchen beruflichen oder schulischen Weg du eingeschlagen hast, die Erfahrungen, die du in deinem Gastland machst, werden dich dein Leben lang begleiten. Aber neben den rein idealistischen Gründen sprechen auch noch einige rein praktische dafür. 

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  1. Bis zu 300.000 Stipendien werden jährlich vergeben. Das ist verdammt viel und heißt: deine Chancen stehen gut. 
  2. Der Bewerbungsprozess ist wirklich einfach und nicht sonderlich aufwendig.
  3. Erfüllst du all deine ECTS im Ausland, musst du keinen Cent des Erasmusgelds zurückzahlen, anders als beim Bafög.
  4. Du kannst deine Erasmus-Förderung parallel mit Auslangs-Bafög aufstocken.
  5. Du kannst seit der Umwandlung von Erasmus zu Erasmus plus im Jahr 2014 sogar zweimal die Erasmus-Förderung beantragen - einmal im Bachelor und einmal im Master.
  6. Du zahlst im Gastland keine Studiengebühren - das gilt auch dort, wo sonst tausende Euro pro Semester fällig werden.
  7. Du kannst günstig reisen, lernst neue Freunde weltweit kennen und verstärkst deine interkulturellen Kompetenzen.
  8. Du verlierst keine Zeit, denn du kannst die Kurse, die du an deiner Gastuni belegst, in Deutschland anrechnen lassen.

Wie funkioniert das Bewerbungsverfahren?

Auch wenn fast jeder Student mühelos alle Voraussetzungen für eine Erasmus-Bewerbung erfüllt, sind die Plätze dennoch begrenzt. Du musst dich also um einen Platz bewerben und bekommst ihn nicht hinterhergeschmissen. Aber keine Panik. Die Chancen stehen gut. Wie viel Konkurrenz zu hast, hängt aber vor allem davon ab, ob du in ein beliebtes Land wie Spanien oder das Vereinigte Königreich willst oder doch eher in eine Kleinstadt nach Osteuropa.

Vergeben werden die Stipendien in der Regel nach deinen Uni-Leistungen und danach, ob du eine besondere Motivation für dein Wunschland mitbringst. Für den Fall, dass es mit deinem Erstwunsch nicht klappt, kannst du einen Zweit- und Drittwunsch angeben. 

Informiere dich rechtzeitig über die Erasmus-Möglichkeiten an deiner Uni, denn dann verpasst du auch die Bewerbungsfristen nicht, die sind nämlich oft weit vor deiner eigentlichen Abreise. Für eine vollständige Bewerbung musst zu folgendes einreichen: 

  • Motivationsschreiben
  • Zeugnisse
  • Nachweise über Studienleistungen, Sonderqualifikation und Sprachkenntnis
  • Studierst du schon im Master, musst du deine Bachelorurkunde anhängen
  • tabellarischer Lebenslauf
  • Empfehlungsschreiben vom Professor (wenn du möchtest)

Was mache ich, wenn mir das Erasmus-Geld nicht reicht? Bafög!

Kombinierst du Erasmus- und Bafög-Förderung kannst du monatlich bis zu 1000 Euro zur Verfügung haben. Dabei sind bis zu 300 Euro deiner Erasmus-Förderung beim Bafög-Amt sogar anrechnungsfrei. Wie viel Geld du von Seiten des Erasmus-Programms bekommst, hängt dabei vor allem davon ab in welches Land du gehst. In Ländern mit hohen Lebenshaltungskosten wie Schweden bekommst du ein höherer Stipendium als in Rumänien oder Bulgarien.

Wie viel Bafög dir das Amt zahlt, hängt vor allem von folgenden Faktoren ab: 

  • Art der Ausbildung
  • Dein Einkommen und Vermögen
  • Einkommen und Vermögen Deiner Eltern
  • Einkommen und Vermögen Deines Ehepartners

Anders als beim Inlands-Bafög musst du das Auslands-Bafög nicht zurückzahlen. Insgesamt stehen dir bis zu 4600 Euro pro Auslandsaufenthalt zu. Die zu bekommen, ist allerding von den oben genannten Faktoren sowie jeder Menge Durchhaltevermögen deinerseits abhängig. Die Bürokratie treibt dich nahezu an den Rande der Verzweiflung, aber das ist es wert! Halte durch! Denn bald sitzt du mit jeder Menge finazieller Unterstützung im Flugzeug in Richtung Gastland!