Vergessene, verkaufte und nicht eingelöste Gutscheine

Sparen von Fabian am 02.11.2016

Sie sind einerseits der Gipfel der Einfallslosigkeit, andererseits unglaublich beliebt: Gutscheine! Weihnachten, Geburtstage und Firmenjubiläen sind das natürliche Umfeld dieser, nennen wir sie einfach mal „praktischen Geschenkidee“. Wenn man nicht weiß, was man den Lieben schenken soll, ist der Geschenkgutschein für ein Buch, das Wellnesswochenende oder ein romantisches Abendessen für zwei meist der letzte Ausweg. Und tatsächlich freuen sich die meisten Beschenkten auch über die Gutscheine.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Gutscheine als unpersönlich, lieblos und als Geschenk auf den letzten Drücker verschrien waren. Buch, Wellness und Abendessen klingen ja auch auf jeden Fall besser als die 48. Krawatte, ein hässliches Teeservice oder sonstige ungewollte Staubfänger in der Wohnzimmervitrine. Gutscheine sind auf jeden Fall besser als unnütze Verlegenheitsgeschenke. Doch obwohl Gutscheine so beliebt und weit verbreitet sind, werden sie überraschenderweise oft vergessen beziehungsweise nicht verwendet, und viele nicht eingelöste Gutscheine verfallen.

Vater und Tochter

Gutscheine sind sehr beliebt

Rund jeder Zweite in Deutschland verschenkt gerne und regelmäßig Gutscheine. Und das offensichtlich zu Recht, denn laut einer Umfrage freuen sich 71 Prozent der Beschenkten auch über ihre Geschenkgutscheine. Eine aktuelle Erhebung vom August 2016 kam zu dem Ergebnis, dass von 1001 Befragten jeder Dritte sogar mehrmals im Monat Gutscheine und Rabatt-Coupons einlöst. Wie man sieht, sind die Kunden auf jeden Fall an Preisvergünstigungen interessiert und nutzen auch die angebotenen Möglichkeiten.

Das führte dazu, dass im Jahre 2015 Gutscheine im Wert von 820 Millionen Euro eingelöst wurden. Eine ganz schöne Summe, könnte man meinen, doch handelte es sich dabei nur um einen Bruchteil der in Deutschland tatsächlich verfügbaren Gutscheine. Insgesamt waren im Jahr 2015 ganze 66 Milliarden Gutscheine im Wert von 97 Milliarden Euro im Umlauf. Das bedeutet, dass nur 1,2 Prozent aller Gutscheine auch eingelöst wurden.

Gutscheine in Zeitschriften

Wieso gibt es so viele nicht eingelöste Gutscheine?

Worauf ist diese krasse Diskrepanz zurückzuführen? Zum Teil liegt es daran, dass fast 40 Prozent dieser nicht eingelösten Gutscheine einfach vergessen wurden. Viele lösen ihre Gutscheine nicht ein, weil sie im Moment nichts von dem jeweiligen Anbieter benötigen. Nur weil man einen CD-Gutschein erhalten hat, heißt das ja nicht zwangsläufig, dass man sofort weiß, welcher Interpret im CD-Regal noch fehlt. Und so bewahrt man den Gutschein erst einmal auf.

Nicht selten wird er dann vergessen. Und wenn sich der Kunde an den Gutschein erinnert, weil er ein passendes Produkt entdeckt hat, ist dieser oft nicht mehr gültig. Grundsätzlich hat ein Gutschein eine gesetzliche Gültigkeitsdauer von höchstens drei Jahren. In der Praxis sind die meisten Gutschein allerdings bedeutet kürzer gültig und mit einem Ablaufdatum gekennzeichnet.

Ein Gutschein ist zwar ein tolles Geschenk, trotzdem trifft natürlich nicht jeder Gutschein auch den richtigen Geschmack. 18 Prozent der Empfänger konnten schlicht nichts mit dem geschenkten Gutschein anfangen, weil sie das Produkt nicht interessiert, sie es bereits besitzen, oder aus irgendwelchen anderen Gründen ablehnen. Deshalb werden ungewollte Gutscheine auch oft weiterverschenkt, und 29 Prozent der Deutschen verkaufen sie sogar weiter. Nicht eingelöste Gutscheine sind auch dem Umstand geschuldet, dass sie einfach in irgendwelchen Schubladen, Schränken und Taschen verschwinden. 14 Prozent aller Beschenkten besitzt noch einen ungenutzten Gutschein, den sie wahrscheinlich niemals einlösen werden.

Oft hat die ablehnende Haltung vieler Kunden gegenüber Gutscheinen mit allgemeiner Skepsis zu tun. Einem beachtlichen Teil ist die Gutscheinpraxis einfach noch fremd. Einige trauen auch dem Gutscheingeschäft an sich nicht. Warum sollte ich als Kunde vom Anbieter etwas geschenkt bekommen, und das ohne Gegenleistung? „Die Sache hat doch einen Haken!“ ist ein oft gehörtes Argument für nicht eingelöste Gutscheine.

Frau vor Laptop

Berichte über nicht eingelöste Gutscheine

Ein Experte von Sportwettenbonus.de, der sich seit Jahren mit Gutscheinen in der Buchmacher-Branche beschäftigt, erklärt folgendes: „Etliche Gutscheine sind es oft nicht wert eingelöst zu werden, da die Einsparung erst ab einem bestimmten Betrag gültig wird. Ein weiterer Punkt ist das Internet. Da unseriöse Gutschein-Anbieter im Netz verstreut sind, sorgt das für eine gewisse Angst und Zurückhaltung vor vermeintlichen Schnäppchen-Angeboten!“

Und das ist keine vereinzelte Meinung und Beobachtung. Vielen Kunden fehlt das Bewusstsein dafür, dass ein Gutschein, also in der Regel ein Geldgeschenk respektive eine Ersparnis, nichts weiter ist als Teil einer Werbestrategie des Anbieters. „Ein Wettbonus ist quasi ein Geschenk des Buchmachers an Dich als Kunden. Doch beim Wort Wettbonus sind nach wie vor viele Spieler kritisch und glauben nicht daran, dass Anbieter ihnen was schenken würden.“, so die Redaktion von Sportwette.net.

Sportwette.de

Viele Anbieter versuchen deshalb, durch seriöses Auftreten, positive Erlebnisse und langfristige Kundenpflege die Ängste und Vorurteile der Kunden zu zerstreuen. Denn nicht eingelöste Gutscheine sind sowohl für den Anbieter als auch für den Kunden unbefriedigend. Diesen Ansatz verfolgt auch der bekannte Gutscheinanbieter DailyDeal:

„Unserem Unternehmen ist es ein Anliegen, dass die Kunden die Gutscheine auch einlösen, um die damit einhergehenden positiven Erlebnisse mit unserer Marke zu verknüpfen. Im Vordergrund steht hierbei, Vertrauen beim Kunden zu erzeugen und ihn langfristig zu binden. Dadurch versuchen wir uns von der Konkurrenz abzugrenzen. Die Kundenzufriedenheit steht an allererster Stelle, und unsere Erfahrungen, was das erwerben und einlösen von Gutscheinen betrifft, geben der Unternehmensphilosophie recht.“

Gleiches gilt für die Jochen Schweizer Unternehmensgruppe, einem der größten Anbieter im Bereich Erlebnisgutscheine. Nicht eingelöste Gutscheine werden dort bedauert, und deshalb versucht das Unternehmen durch Flexibilität, was zum Bespiel die Laufzeit von Gutscheinen angeht, den Kunden beim Einlösen der Gutscheine entgegenzukommen. Dadurch wird die positive Wahrnehmung gesteigert und das Unternehmen auch weiterempfohlen.

Dazu Jochen Schweizer: „Trotz aller Bemühungen, unseren Kunden alle Chancen zur Einlösung der Gutscheine zu bieten, […] verbleibt eine intrinsische Nichteinlösequote, gegen die wir nichts tun können. Hieraus entsteht für uns langfristig ein Nachteil, den wir weiter reduzieren werden, denn wir verdienen an einem Kunden, der einen Gutschein einlöst langfristig mehr als wir (zunächst) sparen würden, wenn der Gutschein nicht eingelöst werden würde.“

DailyDeal und Jochen Schweitzer

Nicht eingelöste Gutscheine werden weniger

Trotz aller Skepsis und allen Unkenrufen zum Trotz setzen sich Gutscheine, vor allem in digitaler Form, mehr und mehr durch. Von den 66 Milliarden Gutscheinen des Jahres 2015 waren knapp 23 Milliarden digitaler Art, und es werden garantiert noch mehr werden in nächster Zukunft. Dieses Internet scheint sich ja tatsächlich langfristig durchzusetzen. Doch Gutscheine bringen nicht nur finanzielle Ersparnisse mit sich, sie zeichnen sich vor allem durch einen hohen Grad an Flexibilität aus.

Die Händler und Anbieter können mit dem passenden Gutschein ganz gezielt auf das Kaufverhalten Einfluss nehmen. Dementsprechend sind sie aus den Werbekonzepten von Unternehmen überhaupt nicht mehr wegzudenken. Gleiches gilt auch für die Nutzerseite. Gutscheine sind mittlerweile ein probates, oft und gern benutztes Mittel, um beim Einkaufen bares Geld zu sparen. 60 Prozent der Deutschen sind auf der Suche nach Gutscheinen für sich selbst, ohne sie verschenken zu wollen. Immerhin benutzen knapp 20 Prozent von 1000 Befragten mehrmals im Monat Gutscheine.

Wurde die Jagd nach Gutscheinen und Schnäppchen früher eher belächelt, und war oft sogar den Schnäppchenjägern selbst etwas peinlich und unangenehm, so gilt man heutzutage eigentlich schon fast als dumm, wenn man es nicht tut. Wer Normalpreise zahlt, hat es entweder zu dicke, oder ist zumindest zu faul, um sich nach entsprechenden Gutscheinen umzuschauen.

Dabei wird einem diese Aufgabe ja von Online-Portalen wie Schnäppchenfuchs und Gutscheinpony dankenswerterweise abgenommen. Dort findet der Kunde die heißesten Deals, die günstigsten Rabatte und lukrativsten Gutscheine bereits nach Kategorien sortiert vor, und braucht nur noch ein passendes Angebot anklicken. Sicherlich wird insbesondere die unkomplizierte Verwendung von Gutscheinen im Onlinebereich dafür sorgen, dass es in Zukunft immer weniger nicht eingelöste Gutscheine geben wird.