Anne…Mai…Kante… was?!

Unterhaltung von Fabian am 25.07.2016

 

Den Preis für den dämlichsten Bandnamen hätten die Jungs von AnnenMayKantereit auf jeden Fall verdient, wobei sie natürlich strenggenommen nichts für ihre Nachnamen können. Aber muss daraus gleich der Bandname werden? MeierSchulzeSchmidt würde cooler klingen.

die Band AnnenMayKantereit
© AnnenMayKantereit

 

Mittlerweile ist die 2011 gegründete Rockpopband auf vier Mitglieder angewachsen und müsste deshalb jetzt eigentlich AnnenMayKantereitHuck heißen; wir sind froh, dass es nicht so ist. Kürzlich tauchte dann sogar noch ein geheimes fünftes Bandmitglied auf, ein Fotograf und Freund der Band, der quasi als stilles Bandmitglied zum AnnenMayKantereit-Komplex gehört. Wie dem auch sei. Trotz holpriger Nachnamensuppe entwickeln sich die vier bis fünf Jungs aus Köln langsam aber sicher zu den Durchstartern des Jahres. Im März 2016 erschien ihr erstes Album „Alles Nix Konkretes“ bei Universal und erreichte auf Anhieb Platz Eins der deutschen Albumcharts. Seitdem treten AnnenMayKantereit in Fernsehshows auf und füllen immer größere Konzerthallen. Grund genug, sich die Band, ihre Musik und vor allem das Phänomen AnnenMayKantereit einmal genauer anzuschauen. Worin liegt das Geheimnis ihres ständig wachsenden Erfolges?

Wer ist AnnenMayKantereit?

AnnenMayKantereit gelten landauf, landab als die Hoffnung der deutschsprachigen Popmusik. Inwieweit dieses Prädikat tatsächlich etwas Positives ist, wird man sehen müssen, denn Ähnliches wurde in der Vergangenheit schon von vielen Musikern und Bands behauptet. Wer war nicht schon alles die Rettung der abendländischen Sangeskunst? Unzähligen aufstrebenden Talenten wurde dieses Branding verpasst. Nena…Lena…Lama, oder wie auch immer sie hieß, – die Siegerin vom Songcontest tauchte nie wieder auf. Und dass ist kein Einzelschicksal. Die zahlreichen Casting Show-Gewinner, Max Mutzke und wie sie alle hießen, waren letztlich nur kurze Episoden, da diese angeblichen Jahrhunderttalente alle verschwunden und vergessen sind. Wenn man Glück hat, kann man den einen oder anderen dieser ehemaligen, angehenden Weltstars heutzutage auf dem heimischen Feuerwehrfest oder bei einer Kaufhausfilialeneröffnung ihre größten Hits – was in der Regel höchstens einer war – trällern hören. Was natürlich nicht bedeutet, dass es AnnenMayKantereit ganz genauso ergehen muss. Das wirklich Erstaunliche an den Jungs aus Köln ist, dass sie so überhaupt nichts Neues machen. Musik wie AnnenMayKantereit sie macht, gab es schon vorher. Songs wie „Barfuß am Klavier“ sind alles andere als innovativ. „Pocahontas“ ja fast schon albern, wenn man bedenkt, dass es sich bei den Interpreten um erwachsene Männer handelt. Inhaltlich bietet AnnenMayKantereit ebenfalls nix Neues! Junge Menschen erzählen von der Liebe und dem Leben, und wie man beides am besten meistert – haben wir alles schon hundertmal gehört.

Bands wie AnnenMayKantereit

AnnenMayKantereit fallen auch nicht etwa durch besonders anspruchsvolle oder extravakante Inhalte auf. Die Texte sind hauptsächlich Alltagsgedanken und Teenagerfantasien, angereichert durch den Philosophiegrundkurs 12. Klasse. Na ja, die Jungs sind schließlich noch jung und stehen am Anfang ihrer Karriere. Und wie es scheint, sind sie durchaus lernfähig und -willig. Zumindest schaut sich die Band einiges bei den Großen ab, covert zum Beispiel The Police und Zarah Leander, und gibt sich dabei auffällig gerne dem Weltschmerz und der Melancholie hin, was ja auch zum Erwachsenwerden dazugehört. Manche Hörer finden die gecoverten Songs auch am besten, was natürlich jeder für sich selbst beantworten muss. Die eigenen Lieder sind einfach strukturiert, erinnern an stimmungsvolle Midtempo-Songs der Beatsteaks oder Wanda, die Texte könnten auch von Clueso oder Tocotronic (zumindest den alten!) sein, und die Stimme von Sänger Henning May kennt man so und ähnlich auch schon von Casper und anderen Gesellen.

Die Platte von AnnenMayKantereit Alles Nichts Konkretes

Irgendwie scheinen sie dennoch den Nerv der Zeit zu treffen. Ihre stetig wachsende Fanschar ist dafür ein sicheres Indiz, und für ihre Fans sind die Lieder von AnnenMayKantereit die Antwort auf die Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Dabei sind die Kölner Musiker nicht laut und auffällig, sondern wirken eher ruhig und nachdenklich, bleiben nach eigener Aussage sie selbst. Mit dem sonst üblichen Medienrummel, den viele Newcomer erleben, haben sie – bis jetzt – noch nicht viel zu tun.

Warum AnnenMayKantereit?

In der Zeit war zu lesen: „Mit echtem Herzblut und echten Instrumenten besetzen sie ein Bedürfnis nach echten Songs über echte Menschen und deren echte Probleme“. Das ist natürlich Blödsinn – mit echten Instrumenten musizieren eine Menge Bands über echte Menschen und echte Probleme, aber die unglücklich formulierte Aussage will damit wohl auf den oft zitierten Authentizitätscharakter abzielen. AnnenMayKantereit sind einfach vier sympathische Jungs Anfang 20, die mit Gitarre und Mundharmonika über den Alltag junger Menschen singen. Sie machen ihre Musik selbst, geben wenig auf Außendarstellung und Starallüren, und sind damit ein Gegenstück zu den unzähligen Bands und Sängern, die einem täglich durch die Medien angepriesen werden. „Alles Nix Konkretes“ ist ein schönes Poprock-Album, dass sich auf jeden Fall lohnt anzuhören. Sicherlich werden sich 18jährige Mädchen eher mit den Texten identifizieren als 40jährige Männer, aber dann haben AnnenMayKantereit ja offensichtlich vieles richtig gemacht. Das Boygroup-Image spielt bei den Kölnern auf jeden Fall eine Rolle. Das sind Jungs, wie sie Mädchen und Schwiegermüttern gleichermaßen gefallen. Lieb, talentiert und zumindest eine gewisse Art von Tiefgang – wer würde da nicht schwach werden. Man wird sehen wie lange dieses Erfolgsrezept funktioniert. Entweder wachsen die größtenteils weiblichen Fans mit AnnenMayKantereit, oder aber die Jungs entwickeln sich persönlich und musikalisch entsprechend weiter. Falls nicht, könnte die Band irgendwann Probleme kriegen, denn erwachsene Frauen wollen keine lieben Jungs.

Beliebteste AnnenMayKantereit-Songs: