Game 2: Winter – Russische Hungerspiele oder alles nur Fake?

Unterhaltung von Annika am 07.01.2017

Eine Survival Show à la Die Tribute von Panem oder Running Man war bisher bloß Science-Fiction und diente unserer futuristischen Unterhaltung. „Wer denkt sich so etwas bloß aus?“ dachte man noch belustigt. Doch nun wollen die Russen tatsächlich eine vergleichbare Show starten. Der Name dieser Show lautet Game 2: Winter und lässt schon jetzt das Blut in den Adern gefrieren. Oder ist das alles etwa nur eine sehr werbewirksame Vermarktungs-Strategie?

Bild: youtube.com
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Russische Hungerspiele?

Die sibirische Taiga wartet unter anderem nicht nur mit Temperaturen von -40 Grad auf, sie ist allgemein ein eher lebensfeindliches Umfeld. Nicht selten trifft man hier auf Wölfe oder Bären, und auch sonst sollte man eigentlich ein Survival-Experte sein, um hier überleben zu können. Und genau darum geht’s. Ganze neun (!) Monate werden 30 Kandidaten in der Kälte Sibiriens ausgesetzt mit nur einem Ziel: überleben! Und als wenn das nicht schon genug wäre, gibt es anscheinend keine Regeln, und es kann mit Mord und Totschlag gerechnet werden. Say what???

Das Konzept

Bild: footage.framepool.com
Bild: footage.framepool.com

Wer diese Wildnis bezwingt und überlebt (wie auch immer dann), kann am Ende umgerechnet 1,68 Millionen Euro gewinnen. Die Kandidaten bekommen im Vorfeld ein Survival-Training von Elite-Soldaten. Als Waffe (gegen Bären und so…) dürfen sie lediglich ein Messer mitnehmen. Tja, da wirkt das Dschungel-Camp doch gleich mal wie ein Luxus-Urlaub

Die Macher

Bild: taringa.net
Bild: taringa.net

Die Siberian Times berichtete, dass sich die Produktionsfirma von sämtlicher Verantwortung entbinden lässt. Die Teilnehmer sind selbst verantwortlich für ihre Handlungen – die laut Produktionsfirma auch Mord und Vergewaltigung beinhalten können – und müssen dies auch unterschreiben. Da sie sich auf russischem Boden befinden, wird auch nach dem russischen Gesetz gehandelt. Wer dagegen verstößt, muss mit der normalen Bestrafung rechnen. Der Sender hat dabei keine Schuld. Und deshalb kann die Produktionsfirma auch – werbetechnisch sehr wirksam – mit derartiger Propaganda um sich werfen.

Die Teilnehmer

Für alle risikobereiten und vielleicht auch lebensmüden Menschen, die auf der Suche nach einem echten und verrückten Abenteuer sind (auch wenn es vielleicht das letzte in ihrem Leben sein könnte), ist diese Show natürlich eine prima Möglichkeit, ihren Wahnsinn auszuleben. Für umgerechnet 155.000€ können sie sich in die Show einkaufen. Wer nicht so viel Geld besitzt, kann sich als Kandidat online aufstellen und sich hineinwählen lassen. Voraussetzungen: ein Alter von mindestens 18 Jahren und ein „gesunder geistiger Zustand“. (Ist das nicht automatisch ein Paradoxon, wenn man Teil solch einer Show sein will?) Gewünscht sind übrigens viele verschiedene Nationalitäten – also, wie sieht’s aus? Wollt ihr euch freiwillig in die russischen Hungerspiele wählen lassen? Hunger habt ihr dann bestimmt…

Die Show findet ohne Kamerateam statt

Ein Kamerateam wird bei dieser Show nicht vor Ort sein. Es werden in einem abgegrenzten Gebiet verschiedene fest installierte Kameras aufgestellt. Der Rest wird von Handkameras mit wieder aufladbaren Akkus von den Kandidaten selbst gefilmt. Damit sind die Kandidaten wirklich sich selbst überlassen. Das alles kann man dann 24 Stunden und sieben Tage die Woche online mitverfolgen. Live! Während dieser Live-Übertragung wollen die Macher eine Übersetzung in verschiedene Sprachen anbieten.

Alles nur Strategie oder gar Fake?

Bild: waytooindie.com
Bild: waytooindie.com

Der Erfinder Yevgeny Pyatkovsky hat sich vielleicht aber auch nur einen cleveren Plan überlegt, wie er die Show möglichst populär machen kann. Denn alleine, dass wir jetzt darüber berichten, so wie viele andere auch, lässt seinen Plan aufgehen. Heutzutage läuft das Show-Business ja fast immer so ab: Man braucht etwas noch nie Dagewesenes, etwas Schockierendes, noch krasser, noch heftiger, noch absurder und so weiter! Und mit einer Show, die an die Tribute von Panem oder an Running Man erinnert, ist man zurecht in aller Munde. Denn so etwas Krankes sollte niemals Realität werden. Dennoch sind die Aussagen der Macher zwar alles andere als in Ordnung, allerdings besagt es ja nicht, dass Mord oder Vergewaltigung in dieser Show legal wären – wie bei den fiktiven Hungerspielen im Film. Allein so eine Aussage zu machen, lässt die Welt aber – zurecht – aufhorchen und aufschreien.

Sollten wir Game 2 Winter boykottieren?

Am besten wäre es wohl, wenn man solch eine Produktion in keiner Weise unterstützt. Denn wo Zuschauer, da auch Macher. Und wenn so eine Show erfolgreich wird, was kommt dann als nächstes? Gibt es dann bald auch eine Purge-Nacht, in der ohne Konsequenzen Selbstjustiz verübt werden darf? Oder werden dann in Zukunft doch Menschen in so eine Show gesteckt, die keine andere Wahl mehr haben? Verbrecher, Obdachlose, arme Menschen – so wie in den Filmen?

Der Purge-Trailer:

„Things are never as bad as they seem.“

Oder „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“!

Bisher ist die mediale Präsenz von Game 2 Winter eher durchwachsen. Wenn man sich die Facebook-Seite der Game 2 Winter Show ansieht, dann hat man eher den Eindruck, es handelt sich um ein Independent-Projekt. Es gibt zwar schon ein bis zwei potenzielle Bewerber, die anscheinend für den Ruhm oder das Geld alles tun würden, aber trotzdem sollten wir alle erst einmal entspannt abwarten. Und am Ende geht es vielleicht wirklich nur darum zu zeigen, wie man in der sibirischen Wildnis klarkommen kann. Ohne Mord und Totschlag. Einfach nur mit ein paar Menschen, die gerne ein Abenteuer erleben wollen.

 

Losgehen soll es übrigens am 1. Juli 2017.