YouTube erobert die Gamescom!

Unterhaltung von Jennifer am 06.09.2016

Die Gamescom 2016 ist nun fast schon wieder Geschichte. Durch das Internet hallen lediglich noch die verzweifelten Nachrufe der Besucher, die sich bereits auf das kommende Jahr fokussieren und wehleidig einer grandiosen Woche hinterhertrauern, die leider schon vorüber ist.

das gamescom logo

Auch ich habe mich in diesem Jahr auf die Computerspielemesse in Köln gewagt und mir beide Seiten, die der Fans und die der Aussteller, genau angeschaut – mit interessanten Ergebnissen. Die Gamescom wird von Jahr zu Jahr turbulenter, die Massen immer größer, die Stände immer fulminanter und die Games…? You can’t imagine.

Für die Aussteller ist das Ende der Gamscom sicherlich ein zweischneidiges Schwert. Klar, gute Zeiten, Spaß und eine Menge Neues erfahren auch die Mitarbeiter der jeweiligen Publisher und Entwickler, nichts desto trotz wird diese Zeit auch von einer ganzen Menge Arbeit und sicherlich auch Stress begleitet. Interessanterweise wird der Stressfaktor auch auf Seiten der Besucher immer größer. Warum? Das werde ich euch in den kommenden Zeilen gerne genauer erklären.

Das war nur der Anfang

Lassen wir die Tatsache doch gerne einmal außer Acht, dass es bereits jetzt zigtausende Menschen gibt, die nur auf das Datum der nächsten Gamescom warten und ihren nervösen Zeigefinger bereits über ihrer Maustaste positionieren, um wieder Tausende von Hotelzimmern in und um Köln zu belegen. Ich bin ja fest davon überzeugt, dass die Deutsche Bahn zur Gamescom und zum Oktoberfest die umsatzstärkste Zeit verzeichnet – aber das ist eine andere Geschichte.

die Hallen der Gamescon

Mein Besuch war da eher… spontan. Allem voran ist es durchaus schwierig, so kurzfristig noch Slots bei den Publishern abzugreifen; da musste ich mich ein wenig auf mein Glück und meine Kontakte verlassen – und die hatte ich. Der mir zugewandte Tag war der Donnerstag. Pünktlich um 8:55 stand ich mit meinem Fachbesucher-Ausweis vor den heiligen Hallen der Spielemesse. Für die täglichen Besucher öffneten die Pforten erst ab 10:00, so blieb mir als Fachbesucher eine knappe Stunde, den Menschenmassen einen Schritt voraus zu sein.

Die Mehrheit der Fachbesucher konzentriert sich auf der Gamescom bereits um diese Uhrzeit auf ihre Termine, Interviews, Tests und andere geschäftliche Gespräche; die ich nicht gerade im Überfluss hatte und wenn, dann erst später stattfanden. Da ich mich persönlich auch eher auf beiden Seiten bewege, sowohl als langjähriger Gamer und Fan der Spielebranche, als auch im Bereich Games-Journalismus, hatte ich folgenden, verruchten Plan geschmiedet: Ich würde zuerst die mir zustehende Stunde ohne Besucher nutzen und direkt in den Entertainmentbereich stürmen. Hier hatte ich ein wenig Zeit, die Leere der Hallen zu meinem Vorteil zu nutzen, Fotos zu machen und ggf. Hand an das eine oder andere Spiel zu legen.

Ich hatte in den vergangenen Jahren den eigentlichen Besuch auf der Gamescom eher außen vorgelassen und mich in der Redaktion herumgetummelt, als vor Ort Journalismus zu betreiben – das haben andere getan. Ich kann euch sagen, wenn man eine kurze Pause von der Gamescom genommen hat, dann darf ich behaupten: Es hat sich einiges verändert.

Hand anlegen auf der Gamescom

Die Stände der Publisher und Entwickler werden von Jahr zu Jahr größer. Eigentlich darf ich gar nicht mehr von einem Stand sprechen, sondern von einer beachtlichen Präsenz. Bühnen beherbergen ganze Orchester, es gibt Arenen, in denen Spieler gegeneinander antreten können, um die neusten Multiplayer-Titel auf Herz und Nieren zu prüfen. Die sogenannten AAA-Titel werden in überdimensional kubischen Objekten präsentiert, denen ein sagenhaftes Showcase vorangestellt ist.

Normalerweise bilden sich vor eben diesen Präsenzen meterlange Menschenschlangen. Die Wartezeiten, um ein solches Spiel anzutesten belaufen sich oftmals auf mehrere Stunden. Ab einem bestimmten Punkt finden sich Schilder auf denen steht: „Ab hier bitte nicht mehr anstellen.“, da der Tag zumeist schon ausgelastet ist. Gut, zugegeben, das ist jetzt nicht gerade die größte Änderung, die die Gamescom in den vergangenen Jahren erfahren hat – Diese Menschenschlangen gab es schon immer. Größere Massen, größere Präsentationsorte. Macht Sinn. Doch die Art und Weise, Neuigkeiten über Spiele zu erfahren, wird von Mal zu Mal spektakulärer.

Die YouTube Flut

Doch auch ein anderer Trend hinterlässt deutliche Spuren auf der Gamescom: Die YouTube Szene. YouTuber werden heutzutage gefeiert wie Hollywoodstars und zigtausende Menschen sind einzig und allein für dieses Idol angereist. Das spaltet die Computerspielemesse in zwei Gruppen und stößt nicht bei allen auf positives Feedback. Als Deutschlands erfolgreichster YouTuber, Erik Range alias Gronkh, die Bühne betritt, geht es nicht mehr vor oder zurück. Die Menschen zwängen sich eng aneinander, um einen Blick auf den sympathischen Let’s Player zu werfen, eine Umarmung abzustauben oder sogar ein Autogramm. In einem Video-Statement nach seinem Auftritt gab Gronkh selbst zu, dass er eine solche Menschenansammlung bislang noch nie erlebt hat und mit dem Gedanken spielt, eigens für seinen Auftritt im kommenden Jahr auf der Gamescom, eine Halle für sich zu mieten.

Gronkh
©ign.com

Die Messehallen in Köln dienen somit nicht mehr einzig und allein der technischen Entwicklung von Computerspielen, der Möglichkeit diese zu testen und einzigartiges Merchandise von den Bühnen zu fangen, sie sind mittlerweile auch Schauplatz für YouTubes größte Entertainer. Das stört oft diejenigen ab, die sich voll und ganz auf Spiele konzentrieren wollen und dazu meist nur wenige Chancen haben, durch die Menschenmassen der YouTube-Fans. Andererseits haben aber eben diese so auch einmal die Möglichkeit, ihren Stars ganz nahe zu sein.

Dass sich YouTuber wie Gronkh und sein bester Freund Sarazar auf die Computermesse begeben, macht aber Sinn: Als Let’s Player sind sie natürlich ebenso an den neusten Trends der Branche interessiert und bewegen sich in entsprechenden Kreisen. Ihre Popularität macht dies nicht unbedingt einfacher. So beschreibt Gronkh seinen Besuch mit den Worten: „Ich hatte kaum eine Chance, überhaupt ein Spiel zu testen, oder nur sehr wenig, weil einfach die Zeit fehlte.“ Autogramme und Fans knuddeln kostet eben Zeit. Doch betonte er ebenso, dass ihm dies sehr wichtig sei, er sich die Zeit für seine Fans nur allzu gerne nimmt und es auch im nächsten Jahr nicht anders machen möchte.

Interview mit FisHC0p

Ich selbst durfte mich auf ein kleines Interview mit dem Streamer und YouTuber FisHC0p freuen. Der lustige Typ aus dem Norden, mit seinem ganz eigenen Humor und einer sympathischen Ausstrahlung konnte bereits Fuß in der Szene fassen, gilt aber im Vergleich zu Sarazar und Gronkh wohl eher als Nachwuchs-Streamer (YouTuber). Ich betone das Wort Streamer hier deswegen so, weil sich der gute FisHC0p überwiegend auf Twitch.TV tummelt und sich vorzugsweise im Stream seinen Fans und den Computerspielen widmet. Auf der diesjährigen Gamescom war er außerdem als Host tätig und fand genug Zeit für seinen Job, die Fans und auch für sein Hobby. Ich habe die folgenden Antworten von ihm bekommen:

Gamescom-Fischi_2016_c - 400Worauf freust du dich auf der diesjährigen GC am meisten?
„Ich fand die neue Map zu Overwatch richtig fett, die konnte ich bereits anspielen. Aber was mich echt beeindruckt hat war Dropzone. Der Titel wird so krass werden, da freue ich mich echt am meisten drauf. Das macht Laune, das ist dynamisch, das sieht gut aus – das solltest du unbedingt spielen, wenn du dazu kommst.“

Von welchem Spiel würdest du die Finger lassen?
„Ich glaube, was gar nicht geht, ist Titanfall 2. Kaum Unterschiede zum ersten Teil, nichts signifikant Neues – ich glaub, der wird untergehen.“

Was gefällt dir persönlich in diesem Jahr auf der Gamescom an sich am besten?
„Ich find’s richtig Hammer, dass ich hier auf der Bühne hosten darf; das macht Laune, die Leute sind geil drauf und Overwatch ist da (lächelt gehyped). Stimmung ist super und ich kann mal ein bisschen für meine Community da sein – das fetzt.“

Da ich den sogenannten Fischi nur im Vorbeigehen abgreifen konnte, blieb leider nicht viel mehr Zeit für weitere Fragen, aber es war ein sehr angenehmes Gespräch und er ist ein empfehlenswerter Streamer – wer sich die Zeit nehmen mag, sollte dringend mal einschalten.

Square Enix – Kurz, aber intensiv

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©SquareEnix.com

Mein nächstes Ziel war die PR-Abteilung von Square Enix im Business Center. Leider wurde mein Slot dort abgesagt, weil der Andrang kaum zu bewältigen war. Ich konnte allerdings noch zwei, drei Worte mit einer Mitarbeiterin wechseln, die mir verriet, dass in diesem Jahr die Messe besonders gut besucht sei und das einen straffen Zeitplan mit sich ziehen würde. Ein Grund dafür, allein bei Square Enix, sei natürlich auch der Titel Final Fantasy XV, der nicht nur von den Fans sehnlichst erwartet wird. Er gilt als meisterwarteter Titel 2016 und sorgt somit für rotierende Mitarbeiter am Pressestand. Klar, die erfolgreichste Reihe aller JRPG-Spiele verspricht einen atemberaubenden neuen Teil, der die Maßstäbe in der Gaming-Branche hoch ansetzt.

Innovation bei Experimental Games

Dafür standen mir die Türen bei einem anderen Publisher und Spieleentwickler offen und ich hatte ein sehr interessantes Gespräch mit den Jungs von Experimental Games. Sie arbeiten derzeit an einem ganz besonderen Projekt, der die Spielebranche komplett neu definieren könnte. Die Jungs selbst haben bereits langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Games und verrieten mir, dass sie dabei immer auf ein störendes Problem gestoßen sind: Es dauert alles viel zu lang. Dies sei auch bei anderen Entwicklern der Grund, warum Release-Termine ständig verschoben werden. Da muss sich was ändern:

©ExperimentalGames
©ExperimentalGames

Was wäre, wenn es ein Programm gäbe, dem man einfach beschreibt, was in dem zu entstehenden Spiel passieren soll, und dieses Programm setzt anhand eines innovativen Algorithmus die Szenen, Charaktere, Emotionen, Handlungen, Abläufe selbst zusammen? Es würde quasi nur noch ein Script geben, welches in das Programm übertragen wird, eine Art Regisseur, der die Szenerie kontrolliert und optimiert, sowie jemand, der das finale Produkt abnimmt und vermarktet. Drei Schritte zu einem fertigen Computerspiel. Unmöglich, sagst du? Gibt es bereits, sage ich.

Ich konnte mir bereits ein Bild davon machen, wie ein Spiel aussieht, das tatsächlich anhand dieses Programms geschaffen wurde. Doch das soll noch nicht alles sein. Momentan muss für diesen Algorithmus noch der Charakter und die Umgebung entworfen werden, bis das Programm die Abläufe aus dem Script dann von selbst umsetzen kann. Daher wird zudem an einer Erweiterung gearbeitet, die es dem Programm ermöglichen soll, ganz von allein zu erkennen (nur anhand des Scripts), welche Umgebung der Geschichte zugrunde liegt, welcher Charakter gemeint ist und wie dieser aussehen soll.

Im Endeffekt soll also ein Programm geschaffen werden, welches lediglich anhand eines Scripts ein komplettes Computerspiel kreieren kann. Ich muss sagen, die derzeitigen Ergebnisse sehen durchaus beeindruckend aus. Ich werde in der kommenden Zeit noch einmal in das Entwicklerstudio in Berlin fahren und mich ein wenig intensiver mit der Idee und dem bereits vorhandenen Produkt beschäftigen.

Pubertät und Schwitzen – Ich bin raus!

Der Rest meines Tages, der sich nur noch auf wenige Stunden beschränkte, glich nun eher einer Art Überlebenstraining. Kreischende, pubertierende Jugendliche, transpirierende Menschenmassen bei 32’C im Schatten und eine Schilderflut mit der Aufschrift „Ab hier bitte nicht mehr anstellen!“ kreuzten dauerhaft meinen Weg. Oh ja, es war tatsächlich unerträglich voll geworden. Es wurde Zeit für mich zu gehen.